Warum erleben Patienten mit rheumatoider Arthritis nach Gelenkersatz oft Krankheitsschübe?
Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische Entzündungskrankheit, die vor allem die Gelenke betrifft. Sie verursacht Schmerzen, Schwellungen und kann langfristig zu Gelenkschäden führen. Dank moderner Medikamente wie konventionellen synthetischen Basistherapeutika (csDMARDs) und biologischen Basistherapeutika (bDMARDs) können die Symptome besser kontrolliert und Gelenkschäden verzögert werden. Doch trotz dieser Fortschritte haben RA-Patienten, die sich einem Hüft- oder Kniegelenkersatz unterziehen, ein höheres Risiko für Komplikationen und schlechtere Ergebnisse im Vergleich zu Patienten mit Arthrose. Der Grund liegt oft in der Komplexität der RA, die durch hohe Krankheitsaktivität, Begleiterkrankungen und die Einnahme von Immunsuppressiva gekennzeichnet ist.
Was sind postoperativen Schübe und wie häufig treten sie auf?
Nach einer Operation, wie dem Hüft- oder Kniegelenkersatz, erleben viele RA-Patienten sogenannte postoperativen Schübe. Dabei handelt es sich um eine plötzliche Verschlechterung der Krankheitssymptome. Bisher gab es jedoch nur wenige klinische Daten zu den Merkmalen und Risikofaktoren dieser Schübe. Eine Studie aus dem Beijing Jishuitan Hospital hat sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Sie untersuchte die Häufigkeit, die klinischen Merkmale und die Risikofaktoren für postoperativen Schübe bei RA-Patienten innerhalb von 12 Wochen nach dem Gelenkersatz.
Wer nahm an der Studie teil und wie wurde sie durchgeführt?
Die Studie umfasste 275 Patienten, die zwischen Januar 2018 und März 2022 einen primären Hüft- oder Kniegelenkersatz erhielten. Alle Patienten erfüllten die Diagnosekriterien der American College of Rheumatology (ACR) von 1987 oder 2010. Die Teilnehmer wurden nach demografischen Daten, krankheitsbezogenen Parametern, patientenberichteten Ergebnissen (PROs) und Laborwerten untersucht. Die Krankheitsaktivität wurde anhand des Disease Activity Score of 28 joints-C reactive protein (DAS28-CRP) und des Simple Disease Activity Index (SDAI) bewertet.
Wie wurden die Patienten behandelt und überwacht?
Die Medikation der Patienten, einschließlich nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAIDs), csDMARDs, bDMARDs, gezielter synthetischer Basistherapeutika (tsDMARDs) und Glukokortikoide (GCs), wurde dokumentiert. csDMARDs wurden während der gesamten perioperativen Phase fortgesetzt, während bDMARDs und tsDMARDs vor der Operation abgesetzt und nach der Nahtentfernung wieder aufgenommen wurden. Die Patienten wurden ambulant nach 2, 4, 8 und 12 Wochen nach der Operation überwacht.
Was wurde als postoperativen Schub definiert?
Ein postoperativen Schub wurde definiert durch: (1) schnell fortschreitende Schwellungen, Schmerzen und Morgensteifigkeit in mehreren Gelenken zusammen mit einem erhöhten DAS-28 CRP (Differenz ≥ 1,2); (2) schnell ansteigende Blutsenkungsgeschwindigkeit (ESR) und CRP-Werte; (3) schnell fortschreitende Schwellungen, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit im operierten Hüft- oder Kniegelenk; und (4) erfolgreiche Behandlung mit GCs. Ein Schub wurde bestätigt, wenn die Kriterien (1) + (2) + (4) oder (3) + (4) erfüllt waren.
Was waren die Ergebnisse der Studie?
Von den 234 Patienten, die in die endgültige Analyse einbezogen wurden, erlebten 84 (35,9%) postoperativen Schübe. Davon hatten 70 (83,3%) systemische Schübe, während 14 (16,7%) lokale Schübe aufwiesen. Die meisten Schübe traten innerhalb der ersten 4 Wochen nach der Operation auf (58 Patienten, 69,0%). Es gab signifikante Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne Schübe. Die Schubgruppe hatte einen höheren Anteil an positiver Familienanamnese (P = 0,024) und stärkere Schmerzen auf der visuellen Analogskala (VAS) (P = 0,002). Die Schubgruppe hatte auch höhere DAS28-CRP, SDAI und HAQ-DI Werte (P < 0,001, P < 0,001, P = 0,001) und niedrigere SF-12 MCS Werte (P = 0,017). Zudem waren die ESR, CRP, Rheumafaktor (RF) und Anti-Citrullinated Protein Antibody (ACPA) Werte in der Schubgruppe signifikant höher (P = 0,015, P = 0,022, P = 0,014, P = 0,036).
Welche Risikofaktoren wurden identifiziert?
Die multivariate logistische Regressionsanalyse identifizierte den baseline HAQ-DI (OR = 2,061, P = 0,017) und den SDAI (OR = 1,055, P = 0,011) als signifikante Prädiktoren für postoperativen Schübe. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die eine höhere Krankheitsaktivität mit einem erhöhten Schubrisiko in Verbindung bringen. Die Studie unterstützt das Konzept der perioperativen Treat-to-Target (T2T) Strategie, die die Bedeutung einer strengen Kontrolle der Krankheitsaktivität vor dem Gelenkersatz betont. Die optimale perioperative Anwendung von Antirheumatika ist entscheidend, um die Krankheitsaktivität zu kontrollieren und unerwünschte Ereignisse wie Schübe, verzögerte Wundheilung und tiefe Infektionen zu reduzieren.
Was bedeutet das für RA-Patienten, die einen Gelenkersatz planen?
Postoperativen Schübe sind bei RA-Patienten nach einem Hüft- oder Kniegelenkersatz häufig und stehen in Zusammenhang mit einer höheren Krankheitsaktivität. Die präoperative Einnahme von Antirheumatika war jedoch kein unabhängiger Risikofaktor für Schübe. Chirurgen sollten die T2T-Strategie in ihre perioperativen Managementpläne integrieren, um die Ergebnisse für RA-Patienten, die sich einem Gelenkersatz unterziehen, zu verbessern.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000002564