Warum erhöht eine familiäre Vorgeschichte von Krebs das Risiko für Speiseröhrenkrebs in China?
Speiseröhrenkrebs (engl. Esophageal Cancer, EC) ist die sechsthäufigste Ursache für Krebstodesfälle weltweit. In China ist das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre (engl. Esophageal Squamous Cell Carcinoma, ESCC) die häufigste Art. ESCC macht die Hälfte aller globalen Fälle aus. Die Entstehung von ESCC wird durch eine Kombination aus Umwelt- und genetischen Faktoren beeinflusst. Umweltfaktoren sind der Verzehr von heißen Speisen, Rauchen, Alkoholkonsum, Nährstoffmangel, schlechte Mundhygiene und die Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, insbesondere in Hochrisikogebieten Chinas, wo eine familiäre Häufung von EC beobachtet wurde.
Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen einer familiären Krebsvorgeschichte und Speiseröhrenkrebs sowie dessen Vorstufen (engl. Esophageal Cancer and Precancerous Lesions, ECPL) in Hochrisikogebieten Chinas. Die Forschung wurde von 2017 bis 2019 in fünf Hochrisikogebieten durchgeführt: Cixian (Hebei), Linzhou (Henan), Feicheng (Shandong), Yangzhong (Jiangsu) und Yanting (Sichuan). Diese Gebiete wurden aufgrund ihrer hohen EC-Raten ausgewählt, die zwischen 35,52 und 81,23 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen.
Die Studie umfasste 33.008 ständige Einwohner im Alter von 40 bis 69 Jahren, die sich endoskopischen Untersuchungen unterzogen. Bei verdächtigen Läsionen wurden pathologische Untersuchungen durchgeführt. Informationen zu demografischen Merkmalen, Umweltfaktoren und der familiären Krebsvorgeschichte wurden gesammelt. Die Studie verwendete eine logistische Regression, um die Zusammenhänge zwischen familiären Risikofaktoren und ECPL zu bewerten.
Unter den Teilnehmern berichteten 6.143 (18,61%) über eine positive familiäre Vorgeschichte von EC. Der Anteil der positiven familiären Vorgeschichte variierte stark zwischen den Hochrisikogebieten. Yanting hatte den niedrigsten Anteil (11,86%), während Linzhou den höchsten Anteil (26,56%) aufwies. Nach der Anpassung an Risikofaktoren hatten Teilnehmer mit einer familiären Vorgeschichte von Krebs, Magen- und Speiseröhrenkrebs (engl. Gastric and Esophageal Cancer, GEC) oder EC ein 1,49-fach (95% KI: 1,36–1,62), 1,52-fach (95% KI: 1,38–1,67) bzw. 1,66-fach (95% KI: 1,50–1,84) höheres Risiko für ECPL. Teilnehmer mit einem oder mehreren Verwandten ersten Grades (engl. First-Degree Relatives, FDR) mit einer positiven EC-Vorgeschichte hatten ein 1,65-fach (95% KI: 1,47–1,84) bzw. 1,93-fach (95% KI: 1,46–2,54) höheres Risiko für ECPL. Teilnehmer mit FDRs, die vor dem 35., 45. bzw. 50. Lebensjahr an EC erkrankten, hatten ein 4,05-fach (95% KI: 1,30–12,65), 2,11-fach (95% KI: 1,37–3,25) bzw. 1,91-fach (95% KI: 1,44–2,54) höheres Risiko für ECPL.
Die Studie zeigte auch, dass das Risiko für ECPL mit der Anzahl der EC-positiven FDRs und dem frühen Auftreten von EC in der Familie zunahm. Der Anteil von Entzündungen der Speiseröhre und Basalzellhyperplasie (engl. Basal Cell Hyperplasia, BCH) war bei Personen mit frühem Auftreten von EC in der Familie höher. Dies deutet auf einen schnelleren Krankheitsverlauf bei diesen Personen hin.
Die Ergebnisse dieser Studie liefern starke Beweise dafür, dass eine positive familiäre Vorgeschichte von EC das Risiko für ECPL in Hochrisikogebieten Chinas deutlich erhöht. Dieses Risiko steigt mit der Anzahl der EC-positiven FDRs und dem frühen Auftreten von EC in der Familie. Die Studie unterstreicht die Bedeutung genetischer Risikofaktoren bei der Entstehung von EC und die Notwendigkeit weiterer genetisch-epidemiologischer Forschung, um die einzigartige Entstehung von EC in diesen Bevölkerungsgruppen zu erforschen.
Die Stärken der Studie liegen in der Verwendung detaillierter Informationen zur familiären Vorgeschichte und pathologischen Diagnosedaten aus mehreren Hochrisikogebieten in China. Zu den Einschränkungen gehören mögliche Erinnerungsverzerrungen in den Fragebogendaten und die Möglichkeit, dass Menschen in Hochrisikogebieten eher eine positive familiäre Vorgeschichte angeben. Trotz dieser Einschränkungen stimmen die Ergebnisse der Studie mit früheren Forschungen überein und bieten wertvolle Einblicke in die Rolle der familiären Vorgeschichte beim EC-Risiko.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass eine positive familiäre Vorgeschichte von EC ein bedeutender Risikofaktor für ECPL in Hochrisikogebieten Chinas ist. Das Risiko steigt mit der Anzahl der EC-positiven FDRs und dem frühen Auftreten von EC in der Familie. Diese Erkenntnisse haben wichtige Auswirkungen auf die Identifizierung von Hochrisikogruppen und die Entwicklung gezielter Präventions- und Screening-Programme für EC in Hochrisikogebieten Chinas.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000001939