Warum erhalten viele chinesische Patienten mit Vorhofflimmern keine Blutverdünner?
Vorhofflimmern (englisch: Atrial Fibrillation, kurz AF) ist die häufigste Herzrhythmusstörung weltweit. Sie führt zu einer deutlich erhöhten Belastung des Gesundheitssystems und kann schwerwiegende Folgen haben. In China sind schätzungsweise 8 Millionen Menschen über 45 Jahren davon betroffen. Doch viele wissen nichts von ihrer Erkrankung, da sie oft keine Symptome zeigt. Vorhofflimmern erhöht das Risiko für Schlaganfälle, Herzschwäche, Demenz und sogar den Tod. Obwohl Blutverdünner (orale Antikoagulanzien, OAC) das Schlaganfallrisiko deutlich senken können, werden sie in China noch immer zu selten eingesetzt. Warum ist das so? Und was kann getan werden, um die Situation zu verbessern?
Was ist Vorhofflimmern und warum ist es gefährlich?
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig schlägt. Dadurch kann das Blut in den Vorhöfen nicht richtig zirkulieren. Es bilden sich leicht Blutgerinnsel, die ins Gehirn wandern und einen Schlaganfall auslösen können. In China ist die Zahl der Menschen mit Vorhofflimmern hoch, doch viele sind sich ihrer Erkrankung nicht bewusst. Besonders gefährlich ist, dass Vorhofflimmern oft keine Symptome verursacht. Manche Patienten spüren nur gelegentlich Herzrasen oder Unwohlsein, während andere gar nichts bemerken.
Warum sind Blutverdünner so wichtig?
Blutverdünner, auch orale Antikoagulanzien (OAC) genannt, sind Medikamente, die das Blut weniger gerinnen lassen. Sie verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden, und senken so das Schlaganfallrisiko. Studien zeigen, dass OAC die Überlebenschancen von Patienten mit Vorhofflimmern deutlich verbessern können. Trotzdem werden sie in China noch immer zu selten verschrieben. Warum ist das so?
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Eine groß angelegte Studie, das CCC-AF-Projekt (Improving Care for Cardiovascular Disease in China-Atrial Fibrillation), untersuchte die Anwendung von Blutverdünnern bei chinesischen Patienten mit Vorhofflimmern. Zwischen Februar 2015 und Dezember 2019 wurden Daten von 52.530 Patienten aus 236 Krankenhäusern gesammelt. Die Patienten wurden nach ihrem Schlaganfallrisiko eingeteilt, basierend auf dem CHA2DS2-VASc-Score. Dieser Score bewertet Faktoren wie Alter, Geschlecht, Herzschwäche, Bluthochdruck und frühere Schlaganfälle.
Was hat die Studie herausgefunden?
Die Studie zeigte, dass 72,7 % der Patienten ein hohes Schlaganfallrisiko hatten. Trotzdem erhielten nur 20 % dieser Patienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus Blutverdünner. Bei der Entlassung stieg die Verschreibungsrate auf 45,2 %. Patienten, die bereits vor der Krankenhauseinweisung Blutverdünner einnahmen, hatten ein deutlich geringeres Risiko für einen Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung (TIA).
Interessanterweise variierte die Verschreibungsrate stark zwischen den Krankenhäusern. In großen Krankenhäusern (tertiäre Krankenhäuser) wurden Blutverdünner häufiger verschrieben als in kleineren (sekundäre Krankenhäuser). In tertiären Krankenhäusern erhielten 46,5 % der Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko Blutverdünner, in sekundären Krankenhäusern waren es nur 23 %.
Welche Faktoren beeinflussen die Verschreibung von Blutverdünnern?
Die Studie identifizierte mehrere Faktoren, die die Verschreibung von Blutverdünnern beeinflussen. Patienten, die während des Krankenhausaufenthalts eine Katheterablation (eine Behandlung, bei der bestimmte Herzbereiche verödet werden), eine Elektrokardioversion (eine Methode zur Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus) oder Antiarrhythmika (Medikamente zur Kontrolle des Herzrhythmus) erhielten, bekamen häufiger Blutverdünner verschrieben. Auch Patienten mit anhaltendem Vorhofflimmern oder solche, die in großen Krankenhäusern behandelt wurden, erhielten häufiger Blutverdünner.
Andererseits wurden ältere Patienten (über 75 Jahre), Patienten mit Herzschwäche oder langjährigem Vorhofflimmern seltener mit Blutverdünnern behandelt. Auch die gleichzeitige Einnahme von Blutplättchenhemmern (Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen) führte zu einer geringeren Verschreibungsrate.
Warum werden Blutverdünner nicht verschrieben?
Die Studie untersuchte auch, warum manche Patienten keine Blutverdünner erhielten. Bei 5,2 % der Patienten gab es strenge Gegenanzeigen, wie Allergien, kürzliche Operationen, aktive Blutungen oder schwere Leber- oder Nierenerkrankungen. Bei 55,9 % der Patienten gab es jedoch nur leichte oder keine dokumentierten Gegenanzeigen. Die häufigsten Gründe waren die Weigerung der Patienten (30,7 %), die Unfähigkeit, die Medikamente regelmäßig einzunehmen oder zu überwachen (19,1 %), und die Vorliebe der Ärzte (15,8 %).
Hat sich die Situation im Laufe der Zeit verbessert?
Die Studie zeigt, dass sich die Situation im Laufe der Jahre verbessert hat. Die Verschreibungsrate von Blutverdünnern bei der Entlassung stieg von 35,1 % im Jahr 2015 auf 50,1 % im Jahr 2019 bei Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko. Auch die Einnahme von Blutverdünnern vor der Krankenhauseinweisung nahm zu, von 12,4 % im Jahr 2015 auf 29,3 % im Jahr 2019.
Was kann getan werden, um die Situation weiter zu verbessern?
Die Studie zeigt, dass es noch viel zu tun gibt, um die Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern in China zu verbessern. Ärzte und Patienten müssen besser über die Vorteile von Blutverdünnern aufgeklärt werden. Auch die Infrastruktur in kleineren Krankenhäusern muss verbessert werden, um eine gleichmäßigere Versorgung zu gewährleisten.
Fazit
Vorhofflimmern ist eine ernste Erkrankung, die das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht. Blutverdünner können dieses Risiko senken, werden in China aber noch immer zu selten eingesetzt. Die CCC-AF-Studie zeigt, dass es Fortschritte gibt, aber auch, dass noch viel zu tun ist, um die Versorgung der Patienten zu verbessern. Es ist wichtig, dass Ärzte und Patienten besser informiert werden und dass die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden, um die Behandlung zu optimieren.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002915