Warum entstehen bei Vitiligo neue weiße Flecken nach Verletzungen? Eine Untersuchung aus China
Vitiligo ist eine Hauterkrankung, bei der weiße Flecken auf der Haut auftreten. Diese Flecken sind zwar harmlos, können aber das Aussehen stark beeinträchtigen und zu psychischen Belastungen führen. In China leiden etwa 0,56% der Bevölkerung an Vitiligo. Die Krankheit wird in verschiedene Typen eingeteilt: segmentale Vitiligo (SV), nicht-segmentale Vitiligo (NSV), gemischte Vitiligo und nicht klassifizierte Vitiligo. Ein besonderes Merkmal der Vitiligo ist das sogenannte Köbner-Phänomen (KP). Dabei entstehen neue weiße Flecken an Stellen, an denen die Haut verletzt oder gereizt wurde, zum Beispiel durch Kratzen oder Reibung.
Diese Studie untersuchte, wie häufig das Köbner-Phänomen bei chinesischen Vitiligo-Patienten auftritt und welche Faktoren damit zusammenhängen. Die Untersuchung wurde zwischen Juni 2019 und Februar 2020 in der Hautklinik des Peking University People’s Hospital durchgeführt. Insgesamt nahmen 418 Patienten teil, darunter 229 Männer und 189 Frauen. Das Alter der Patienten reichte von 0,5 bis 82 Jahren.
Was ist das Köbner-Phänomen?
Das Köbner-Phänomen (KP) beschreibt das Auftreten neuer Vitiligo-Flecken an Stellen, an denen die Haut verletzt oder gereizt wurde. Es gibt verschiedene Formen von KP: KP1 tritt an Stellen auf, an denen die Haut früher verletzt wurde, zum Beispiel durch Narben. KP2A entsteht durch wiederholte Reibung oder Druck, zum Beispiel an Händen, Ellbogen oder Knien. KP2B wird durch klare Verletzungen wie Schnitte oder Stiche verursacht. KP3, das durch experimentelle Reizung ausgelöst wird, wurde in dieser Studie nicht untersucht.
Ergebnisse der Studie
Das Köbner-Phänomen trat bei allen Vitiligo-Typen auf, am häufigsten jedoch bei gemischter Vitiligo (90%), gefolgt von nicht-segmentaler Vitiligo (75,7%), nicht klassifizierter Vitiligo (36,5%) und segmentaler Vitiligo (19,1%). Bei Patienten mit fortschreitender Vitiligo war KP häufiger (67,3%) als bei Patienten mit stabiler Vitiligo (44,3%).
Die Dauer der Erkrankung war bei Patienten mit KP länger (3,0 Jahre) als bei Patienten ohne KP (2,0 Jahre). Die Anzahl der weißen Flecken war bei KP-Patienten deutlich höher (14,0 ± 12,3) als bei Patienten ohne KP (4,4 ± 3,5). KP trat auch häufiger bei Patienten mit größeren betroffenen Hautflächen auf: 48,9% bei geringer, 73,7% bei mittlerer und 93,5% bei starker Hautbeteiligung.
Ein höherer Body-Mass-Index (BMI) war ebenfalls mit KP verbunden. Patienten mit einem BMI über 18,5 hatten ein höheres Risiko für KP. Die Studie zeigte, dass KP eng mit der Krankheitsaktivität, der Dauer und dem Ausmaß der Vitiligo zusammenhängt.
Wo tritt das Köbner-Phänomen am häufigsten auf?
Insgesamt wurden 4.379 weiße Flecken bei den Patienten registriert. Die häufigsten Stellen für KP1 waren der Handrücken, der Gürtelbereich und die Vorderseite des Unterschenkels. KP2A trat am häufigsten im Gürtelbereich, an der Innenseite des Handgelenks und an den Fingern auf. KP2B wurde am häufigsten am Handrücken, an der Außenseite des Unterarms und an der Vorderseite des Unterschenkels beobachtet.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Die Studie zeigt, dass das Köbner-Phänomen ein wichtiger Hinweis auf den Verlauf der Vitiligo ist. Es kann helfen, die Krankheitsaktivität und das Risiko für neue Flecken besser einzuschätzen. Besonders bei Patienten mit fortschreitender Vitiligo ist es wichtig, Reibung und Verletzungen der Haut zu vermeiden. Zum Beispiel können enge Kleidung, Gürtel oder Druck durch Brillengestelle neue Flecken auslösen.
Ein höherer BMI scheint das Risiko für KP zu erhöhen, möglicherweise weil Übergewicht zu mehr Reibung führt. Weitere Untersuchungen sind jedoch nötig, um diesen Zusammenhang besser zu verstehen.
Was sind die Grenzen der Studie?
Die Studie wurde nur in einer Klinik durchgeführt und umfasste eine begrenzte Anzahl von Patienten. Zukünftige Studien mit mehr Teilnehmern und an verschiedenen Orten könnten die Ergebnisse bestätigen und weitere Einblicke in die Ursachen des Köbner-Phänomens geben.
Fazit
Das Köbner-Phänomen ist ein wichtiger Faktor bei der Vitiligo. Es zeigt, dass Verletzungen und Reibung der Haut neue weiße Flecken auslösen können. Die Studie unterstreicht die Bedeutung von vorbeugenden Maßnahmen, um Reibung und Verletzungen zu vermeiden. Sie zeigt auch, dass die verschiedenen Typen der Vitiligo möglicherweise gemeinsame Ursachen haben, die weiter erforscht werden sollten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002431
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