Warum eine frühzeitige Warnung bei übermäßig gewundenen Nabelschnüren lebensrettend sein kann
Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung zwischen dem Baby und der Plazenta. Ihre Struktur und ihr Wicklungsmuster spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Babys. Doch was passiert, wenn die Nabelschnur zu stark gewunden ist? Und wie können Ärzte frühzeitig erkennen, ob dies ein Risiko für das Baby darstellt?
In einer Studie an der Peking University People’s Hospital wurde ein neues Ultraschall-basiertes Warnsystem entwickelt, um Schwangerschaften mit einer übermäßig gewundenen Nabelschnur (engl. Hyper-Coiling, HC) besser zu überwachen. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Risikofaktoren helfen können, gefährliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Was ist eine übermäßig gewundene Nabelschnur?
Die Nabelschnur besteht aus drei Blutgefäßen, die in einer spiralförmigen Struktur verlaufen. Der sogenannte Wicklungsindex (engl. Umbilical Coiling Index, UCI) misst, wie oft sich die Nabelschnur pro Zentimeter Länge windet. Ein UCI über 0,30 gilt als leicht gewunden, während ein Wert über 0,60 als stark gewunden (HC) eingestuft wird.
Frühere Studien haben gezeigt, dass eine stark gewundene Nabelschnur mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen wie Wachstumsverzögerungen des Babys oder Sauerstoffmangel verbunden sein kann. Allerdings sind diese Zusammenhänge nicht immer eindeutig.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie untersuchte 29 Schwangerschaften mit HC, die zwischen Januar 2019 und März 2021 an der Peking University People’s Hospital behandelt wurden. Schwere Begleiterkrankungen wurden ausgeschlossen. Die Ultraschalluntersuchungen wurden mit einem Voluson E8 Expert-Gerät durchgeführt, das den internationalen Richtlinien entspricht.
Die Schwangerschaften wurden in zwei Gruppen unterteilt:
- Einfache HC: Keine zusätzlichen Risikofaktoren.
- Komplexe HC: Mindestens ein zusätzlicher Risikofaktor.
Sechs Risikofaktoren wurden untersucht:
- Hoher Widerstand in der Nabelarterie: Zeigt sich durch eine ungewöhnliche Blutflussgeschwindigkeit.
- Wachstumsverzögerung des Babys (engl. Fetal Growth Restriction, FGR): Das Baby ist kleiner als 90 % der Gleichaltrigen.
- Erhöhte Blutgeschwindigkeit in der mittleren Hirnarterie (engl. Middle Cerebral Artery, MCA): Ein Hinweis auf Sauerstoffmangel.
- Wenig Fruchtwasser (engl. Oligohydramnios): Der Fruchtwasserindex liegt unter 5 cm.
- Verdichtete Hirnstruktur: Kann auf eine Schädigung des Gehirns hinweisen.
- Abnormales Blutflussmuster in der Venenkatheter (engl. Venous Catheter, VC): Zeigt sich durch eine umgekehrte A-Welle im Blutfluss.
Die Schwangerschaftsverläufe wurden in drei Gruppen eingeteilt:
- Abbruch der Schwangerschaft: Bei schweren Fehlbildungen oder Tod des Babys im Mutterleib.
- Eingriffsgruppe: Not-Kaiserschnitt aufgrund von fetalem Stress.
- Kein Eingriff: Normale Geburt ohne Komplikationen.
Was wurden die Ergebnisse?
Von den 29 HC-Fällen wurden 20 als komplexe HC und 9 als einfache HC eingestuft. Die Gruppe mit abgebrochenen Schwangerschaften (4 Fälle) wies die meisten Risikofaktoren auf (durchschnittlich 5,25 ± 0,99), gefolgt von der Eingriffsgruppe (10 Fälle, 2,38 ± 1,01) und der Gruppe ohne Eingriff (15 Fälle, 1,29 ± 0,50).
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Abbruch der Schwangerschaft:
- Alle Fälle zeigten eine umgekehrte A-Welle in der Venenkatheter oder mehrere gleichzeitige Auffälligkeiten.
- Der durchschnittliche UCI war deutlich höher (1,04 ± 0,19) als in den anderen Gruppen.
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Eingriffsgruppe:
- Die häufigsten Risikofaktoren waren wenig Fruchtwasser (30 %), erhöhte MCA-Geschwindigkeit (40 %) und verdichtete Hirnstruktur (20 %).
- Die Herzfrequenz des Babys zeigte häufige starke Schwankungen (60 %) oder auffällige Befunde im CTG (40 %).
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Kein Eingriff:
- Die meisten Fälle hatten 1–2 Risikofaktoren, meist hoher Widerstand in der Nabelarterie oder isolierte Wachstumsverzögerung.
- Der durchschnittliche UCI (0,72 ± 0,08) war niedriger als in der Abbruchgruppe, aber ähnlich wie in der Eingriffsgruppe (0,84 ± 0,17).
Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis?
Schwangerschaften mit komplexer HC hatten deutlich schlechtere Ergebnisse als einfache HC:
- Eingriffsrate: 56,3 % (komplexe HC) vs. 11,1 % (einfache HC).
- Kaiserschnittrate: 87,5 % vs. 33,3 %.
- Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht: Häufiger bei komplexer HC.
Interessanterweise konnte der UCI allein nicht zwischen den Gruppen unterscheiden. Dies zeigt, dass zusätzliche Risikofaktoren in die Entscheidungsfindung einbezogen werden müssen.
Welche Warnzeichen sind besonders wichtig?
Die Studie identifizierte zwei Hauptwarnzeichen für HC-bedingte Komplikationen:
- Hoher Widerstand in der Nabelarterie: Zeigt eine mögliche Unterversorgung des Babys an.
- Wachstumsverzögerung: Oft das erste Anzeichen für weitere Probleme.
Weitere Hinweise wie erhöhte MCA-Geschwindigkeit, wenig Fruchtwasser und verdichtete Hirnstruktur deuten auf eine Verschlechterung des Zustands des Babys hin. Eine umgekehrte A-Welle in der Venenkatheter und ein UCI über 1,0 sind späte Anzeichen für eine kritische Situation.
Wie kann ein Warnsystem helfen?
Das vorgeschlagene Warnsystem teilt HC-Schwangerschaften in Risikostufen ein:
- Niedriges Risiko (einfache HC): Regelmäßige Ultraschall- und Herzfrequenzüberwachung.
- Mittleres Risiko (1–2 Faktoren): Häufigere Überwachung, insbesondere der MCA-Geschwindigkeit und des Fruchtwassers.
- Hohes Risiko (≥3 Faktoren oder UCI >1,0): Frühe Entbindung in Betracht ziehen, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
Fazit
Diese Studie zeigt, dass eine Kombination aus Ultraschall-Markern besser vorhersagen kann, ob eine übermäßig gewundene Nabelschnur zu Komplikationen führt, als der UCI allein. Die Integration von Nabelarterienwiderstand, Wachstumsverzögerung, MCA-Hämodynamik und Venenkatheter-Analyse in ein strukturiertes Warnsystem ermöglicht rechtzeitige Eingriffe und könnte die Gesundheit von Mutter und Baby verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002776
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