Verbessert die GOLD 2017 Revision wirklich die Bewertung chinesischer COPD-Patienten?
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Krankheit und Tod. In China leiden etwa 13,7% der Menschen über 40 Jahren an COPD. Diese Krankheit belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch das Gesundheitssystem und die Gesellschaft. Um COPD besser zu verstehen und zu behandeln, gibt es internationale Richtlinien, die regelmäßig aktualisiert werden. Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) hat im Jahr 2017 eine wichtige Änderung vorgenommen. Diese Änderung trennte die Schwere der Atemwegsverengung von einem Bewertungstool namens ABCD. Stattdessen konzentrierte sich die neue Version auf die Symptomlast (gemessen mit dem COPD Assessment Test [CAT] oder der modifizierten Medical Research Council [mMRC] Skala) und die Häufigkeit von Krankheitsschüben (Exazerbationen).
Diese Änderung führte dazu, dass viele Patienten aus der Gruppe D der GOLD 2013 Klassifikation in die Gruppe B der GOLD 2017 Klassifikation verschoben wurden. Doch was bedeutet das für die langfristige Prognose dieser Patienten, insbesondere in China?
Die Studie im Überblick
Eine multizentrische, prospektive Beobachtungsstudie untersuchte, ob die GOLD 2017 Klassifikation die Risikoeinschätzung chinesischer COPD-Patienten im Vergleich zur GOLD 2013 Klassifikation verbessert. Die Studie wurde in 12 Krankenhäusern in den Provinzen Hunan und Guangxi durchgeführt. Insgesamt nahmen 845 stabile COPD-Patienten teil, die zwischen November 2016 und Februar 2018 rekrutiert wurden. Die Nachbeobachtung dauerte bis Februar 2022.
Die Patienten wurden in die GOLD 2017 Gruppen A–D eingeteilt. Besonderes Augenmerk lag auf den Patienten, die von der Gruppe D (GOLD 2013) in die Gruppe B (GOLD 2017) verschoben wurden (Gruppe DB) und den Patienten, die in Gruppe B blieben (Gruppe BB). Die Studie untersuchte die Häufigkeit von Krankheitsschüben, Krankenhausaufenthalte und Sterblichkeit.
Methodik
Eingeschlossen wurden Patienten ab 40 Jahren mit einer Atemwegsverengung (FEV1/FVC <70%) nach der Gabe eines Bronchodilatators. Patienten mit anderen aktiven Atemwegserkrankungen wurden ausgeschlossen. Zu den erhobenen Daten gehörten demografische Angaben, Rauchgewohnheiten, Lungenfunktion, Krankheitsschübe, CAT-Werte, mMRC-Grade und Behandlungen. Krankheitsschübe wurden in mild (mit kurzwirksamen Bronchodilatatoren behandelbar), mittelschwer (Antibiotika oder Kortikosteroide erforderlich) und schwer (Krankenhausaufenthalt notwendig) eingeteilt.
Die Nachbeobachtung erfolgte durch jährliche Telefoninterviews, ambulante Besuche und die Überprüfung von Krankenakten. Statistische Analysen verglichen die GOLD 2017 und 2013 Klassifikationen unter Verwendung von Kaplan-Meier-Kurven, Cox-Proportional-Hazards-Modellen und logistischen Regressionen, die für Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchgewohnheiten und Behandlung angepasst wurden.
Wichtige Ergebnisse
Verteilung und Basisdaten
Die GOLD 2017 Klassifikation veränderte die Gruppenzuordnungen erheblich:
- Gruppe B stieg von 24,5% (GOLD 2013) auf 47,9%, hauptsächlich aufgrund der Umgruppierung von 33,6% (198/589) der Patienten aus Gruppe D (GOLD 2013) in Gruppe B.
- Gruppe D sank von 69,7% (GOLD 2013) auf 46,3%.
Die Gruppe DB (umgruppierte Patienten) zeigte eine schlechtere Lungenfunktion (mittlerer FEV1% vorhergesagt: 37,7% vs. 63,0% in Gruppe BB) und eine höhere Symptomlast (mMRC ≥2: 66,2% vs. 51,3% in BB). Die Behandlung unterschied sich: 49,5% der DB-Patienten erhielten eine Dreifachtherapie (ICS + LABA + LAMA), während 51,7% der BB-Patienten eine LAMA-Monotherapie erhielten.
Kurzfristige Ergebnisse (erstes Jahr)
Die GOLD 2017 Klassifikation zeigte eine bessere Unterscheidung des Risikos für Krankheitsschübe und Krankenhausaufenthalte im Vergleich zu GOLD 2013:
- Bei mittelschweren bis schweren Krankheitsschüben zeigten die GOLD 2017 Gruppen A–D eine progressive Risikozunahme (angepasstes HR für Gruppe D: 5,64 vs. 4,60 für GOLD 2013 Gruppe D).
- Die Gruppe DB hatte ein signifikant höheres Risiko als die Gruppe BB:
- Mittelschwere bis schwere Krankheitsschübe: HR = 1,88 (95% CI: 1,37–2,59, P <0,001).
- Krankenhausaufenthalte: HR = 2,23 (95% CI: 1,29–3,85, P = 0,004).
- Häufige Krankheitsschübe traten bei 27,5% der DB-Patienten vs. 16,9% der BB-Patienten auf (P = 0,021); häufige Krankenhausaufenthalte waren 6,2% vs. 1,1% (P = 0,020).
Langfristige Ergebnisse (Median 51 Monate)
Bis zum letzten Nachbeobachtungsjahr glichen sich die Unterschiede zwischen den Gruppen DB und BB an:
- Häufige Krankheitsschübe: 38,7% (DB) vs. 31,5% (BB), P = 0,322.
- Häufige Krankenhausaufenthalte: 16,2% vs. 9,3%, P = 0,157.
- Sterblichkeit: Beide Gruppen hatten vergleichbare Raten (~9,0%, P >0,999).
Multivariate Analysen bestätigten diese Trends. Die angepassten Odds Ratios für DB vs. BB im letzten Jahr waren nicht signifikant:
- Häufige Krankheitsschübe: OR = 1,02 (95% CI: 0,51–2,03).
- Krankenhausaufenthalte: OR = 1,66 (95% CI: 0,58–4,78).
Klinische Erkenntnisse
Die kurzfristige Überlegenheit der GOLD 2017 Klassifikation spiegelt ihre Betonung der Krankheitsschubgeschichte wider, die das unmittelbare Risiko besser erfasst. Die langfristige Angleichung der Ergebnisse zwischen den Gruppen DB und BB deutet darauf hin, dass die Krankheitsschubgeschichte – die beiden Gruppen gemeinsam ist – die Prognose im Laufe der Zeit dominiert und die anfänglichen Unterschiede in der Lungenfunktion überlagert.
Die Unterschiede in der Behandlung spielten ebenfalls eine Rolle. Die höhere Verwendung von Dreifachtherapien in der Gruppe DB (49,5% vs. 21,3% in BB) könnte langfristige Risiken gemildert haben, während die LAMA-Monotherapie in der Gruppe BB auf mildere Krankheitsformen hindeutet.
Einschränkungen und zukünftige Forschung
Die Rekrutierung in Krankenhäusern der höchsten Versorgungsstufe schränkt die Übertragbarkeit auf die Allgemeinbevölkerung ein. Kleine Stichproben in den GOLD 2017 Gruppen A (4,9%) und C (0,9%) verhinderten Subgruppenanalysen. Nicht gemessene Störfaktoren wie Begleiterkrankungen und Therapietreue wurden nicht bewertet. Zukünftige Studien sollten bevölkerungsbasierte Kohorten, längere Nachbeobachtungszeiträume und detaillierte Phänotypisierungen umfassen.
Fazit
Die GOLD 2017 Klassifikation verbessert die kurzfristige Risikoeinschätzung chinesischer COPD-Patienten und identifiziert genau diejenigen mit einem höheren Risiko für Krankheitsschübe und Krankenhausaufenthalte. Langfristig gleichen sich jedoch die Ergebnisse zwischen umgruppierten (DB) und nicht umgruppierten (BB) Patienten an, was die Bedeutung der Krankheitsschubgeschichte für die Prognose unterstreicht. Klinisch verbessert GOLD 2017 die anfängliche Bewertung und Einteilung, aber die langfristige Behandlung sollte individuell auf der Grundlage historischer und sich entwickelnder Risikofaktoren erfolgen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002487
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