Veränderungen in der Erkennung des HER-2-Genstatus: Bedeutung für Brustkrebsdiagnostik

Veränderungen in der Erkennung des HER-2-Genstatus: Was bedeutet das für die Brustkrebsdiagnostik?

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten weltweit. Etwa 15–20 % aller Brustkrebsfälle sind HER-2-positiv. HER-2 ist ein spezielles Gen, das bei manchen Tumoren übermäßig aktiv ist. Dies führt oft zu aggressiverem Tumorwachstum und schlechteren Heilungschancen. Dank moderner Therapien wie Trastuzumab haben sich die Behandlungsergebnisse jedoch deutlich verbessert. Doch die genaue Bestimmung des HER-2-Status bleibt eine Herausforderung. Warum? Die Diagnosekriterien und Testmethoden haben sich im Laufe der Jahre verändert. Dieser Artikel erklärt, wie sich die neuesten Richtlinien auf die Diagnostik und Behandlung auswirken.

HER-2-Tests und ihre Bedeutung

Um festzustellen, ob ein Tumor HER-2-positiv ist, wird oft ein Test namens Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) verwendet. Dieser Test misst, wie viele Kopien des HER-2-Gens in den Tumorzellen vorhanden sind. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) und das College of American Pathologists (CAP) haben in den Jahren 2007, 2013 und 2018 Leitlinien veröffentlicht, um diese Tests zu standardisieren.

Die Leitlinien von 2013 definierten einen Tumor als HER-2-positiv, wenn das Verhältnis von HER-2 zu einem Kontrollgen (CEP17) ≥2,0 betrug oder die durchschnittliche Anzahl der HER-2-Kopien ≥6,0 pro Zelle war. Tumoren, die zwischen diesen Werten lagen, wurden als „unklar“ eingestuft. Die Leitlinien von 2018 änderten dies erneut. Tumoren mit einem HER-2/CEP17-Verhältnis <2,0 wurden nun als HER-2-negativ eingestuft, selbst wenn die HER-2-Kopienzahl zwischen 4,0 und 6,0 lag. Ziel war es, falsch-positive Ergebnisse zu reduzieren. Doch stellt sich die Frage: Könnten einige dieser Patienten trotzdem von einer gezielten Therapie profitieren?

Studie: Wer profitiert wirklich?

Eine Studie des Peking Union Medical College Hospitals untersuchte diese Frage. Die Forscher analysierten Daten von 1.208 Patientinnen mit Brustkrebs, bei denen der HER-2-Status mit dem FISH-Test bestimmt worden war. Die Patientinnen wurden in fünf Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: HER-2/CEP17-Verhältnis <2,0, HER-2-Kopien <4,0 (791 Patientinnen)
  • Gruppe 2: HER-2/CEP17-Verhältnis <2,0, HER-2-Kopien 4,0–6,0 (167 Patientinnen)
  • Gruppe 3: HER-2/CEP17-Verhältnis <2,0, HER-2-Kopien ≥6,0 (29 Patientinnen)
  • Gruppe 4: HER-2/CEP17-Verhältnis ≥2,0, HER-2-Kopien <4,0 (20 Patientinnen)
  • Gruppe 5: HER-2/CEP17-Verhältnis ≥2,0, HER-2-Kopien ≥4,0 (201 Patientinnen)

Die Forscher untersuchten, wie sich die Überlebensraten in diesen Gruppen unterschieden.

Ergebnisse: Wer hatte die besten Chancen?

Die 5-Jahres-Überlebensraten zeigten interessante Muster:

  • Rezidivfreies Überleben (RFS): Die Raten lagen zwischen 88,7 % und 96,6 %, ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen.
  • Fernmetastasenfreies Überleben (DRFS): Hier gab es deutliche Unterschiede. Gruppe 2 (HER-2/CEP17-Verhältnis <2,0, HER-2-Kopien 4,0–6,0) schnitt schlechter ab als Gruppe 1 (p=0,011).
  • Krankheitsfreies Überleben (DFS): Die Raten sanken auf 73,8 % bis 89,2 %, mit signifikanten Unterschieden zwischen den Gruppen (p=0,038). Gruppe 2 hatte wiederum schlechtere Ergebnisse als Gruppe 1 (p=0,008).
  • Gesamtüberleben (OS): Alle Gruppen wiesen hohe Überlebensraten auf (89,5 % bis 100 %), ohne signifikante Unterschiede.

Gruppe 2, die nach den Leitlinien von 2018 als HER-2-negativ eingestuft wurde, hatte schlechtere DRFS- und DFS-Ergebnisse. Nur 4,2 % dieser Patientinnen erhielten eine gezielte Therapie mit Trastuzumab. Im Vergleich dazu erhielten bis zu 60 % der Patientinnen in anderen Gruppen diese Behandlung. Dies könnte erklären, warum Gruppe 2 schlechter abschnitt.

Was bedeutet das für die Behandlung?

Die Studie zeigt, dass die Änderungen in den HER-2-Testkriterien Auswirkungen auf die Behandlung haben. Patientinnen in Gruppe 2, die früher als „unklar“ eingestuft wurden, gelten nun als HER-2-negativ und erhalten oft keine gezielte Therapie. Doch ihre schlechteren Überlebensraten deuten darauf hin, dass einige dieser Patientinnen trotzdem von einer solchen Behandlung profitieren könnten.

Weitere Faktoren wie Alter, Tumorgröße und Hormonrezeptorstatus spielten in der Studie keine große Rolle. Fernmetastasen traten bei 9,8 % der Patientinnen auf, am häufigsten in den Knochen (54 Fälle), gefolgt von Lunge (18 Fälle), Gehirn (6 Fälle) und Leber (5 Fälle).

Grenzen der Studie

Die Studie hat einige Einschränkungen. Sie basiert auf retrospektiven Daten aus einem einzigen Zentrum. Die Gruppengrößen waren ungleich, was die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigen könnte. Zudem variierte die Verwendung von Trastuzumab stark, was die Interpretation der Ergebnisse erschwert.

Fazit

Die Studie zeigt, dass die neuen HER-2-Testkriterien nicht perfekt sind. Patientinnen mit einem HER-2/CEP17-Verhältnis <2,0 und HER-2-Kopien zwischen 4,0 und 6,0 könnten trotz ihrer Einstufung als HER-2-negativ von einer gezielten Therapie profitieren. Ärzte und Pathologen müssen daher genau abwägen, wie sie den HER-2-Status interpretieren. Weitere Forschung ist nötig, um die Leitlinien zu verbessern und sicherzustellen, dass alle Patientinnen Zugang zu den bestmöglichen Behandlungen haben.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001733
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