Umweltbelastung durch Perchlorat, Nitrat und Thiocyanat: Ein Risiko für chronische Nierenerkrankungen?
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) sind ein weltweites Gesundheitsproblem. Etwa 10 % der Bevölkerung sind betroffen. Bekannte Risikofaktoren wie Diabetes und Bluthochdruck spielen eine große Rolle. Doch könnten auch Umweltgifte dazu beitragen? Perchlorat, Nitrat und Thiocyanat (PNT) sind weit verbreitete Schadstoffe. Sie stehen im Verdacht, die Nierengesundheit zu beeinflussen. Eine aktuelle Studie untersucht diesen Zusammenhang anhand von Daten aus den USA.
Studie und Teilnehmer
Die Studie nutzte Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) von 2005 bis 2016. NHANES ist eine große Gesundheitsumfrage in den USA. Die Analyse umfasste 13.373 Erwachsene ab 20 Jahren. Personen mit fehlenden Daten zu PNT, Nierenfunktion oder anderen wichtigen Faktoren wurden ausgeschlossen. Die Nierenfunktion wurde anhand zweier Werte gemessen: der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und dem Albumin-Kreatinin-Verhältnis (ACR) im Urin. CKD wurde definiert als eGFR unter 60 mL/min/1,73 m² oder ACR über 30 mg/g.
Messung der PNT-Belastung
Die Konzentrationen von PNT im Urin wurden mit modernen Labormethoden gemessen. Um die Verdünnung des Urins zu berücksichtigen, wurden zwei Methoden angewendet:
- Traditionelle Kreatinin-Anpassung: Die PNT-Konzentrationen wurden durch den Kreatinin-Wert im Urin geteilt.
- Kovariaten-angepasste Standardisierung: Kreatinin-Werte wurden anhand von Alter, Geschlecht, Ethnie, BMI und eGFR angepasst.
Werte unter der Nachweisgrenze wurden geschätzt. Da die Verteilung schief war, wurden die Werte für die Analyse logarithmiert.
Wichtige Ergebnisse zu PNT und Nierenfunktion
Perchlorat
- Nicht-kreatinin-angepasstes Perchlorat zeigte eine negative Beziehung zu eGFR (β: −0,61) und ACR (β: −0,04). Es gab keinen Zusammenhang mit CKD (OR: 0,99).
- Kreatinin-angepasstes Perchlorat (P-traditionell) hatte eine positive Beziehung zu eGFR (β: 2,75) und eine negative zu ACR (β: −0,05).
- Eine spezielle Analyse (RCS) zeigte, dass der Nutzen bei höheren Belastungen abnimmt.
Nitrat
- Nicht-kreatinin-angepasstes Nitrat war positiv mit eGFR (β: 0,67) und negativ mit ACR (β: −0,07) verbunden. Es reduzierte das CKD-Risiko um 19 % (OR: 0,81).
- Kreatinin-angepasstes Nitrat (N-traditionell) hatte stärkere positive Effekte auf eGFR (β: 7,37) und reduzierte das CKD-Risiko um 36 % (OR: 0,64).
- Auch hier zeigte sich, dass der Nutzen bei höheren Konzentrationen abflacht.
Thiocyanat
- Nicht-kreatinin-angepasstes Thiocyanat war mit höherer eGFR (β: 0,87), niedrigerem ACR (β: −0,03) und einem 11 % geringeren CKD-Risiko verbunden (OR: 0,89).
- Kreatinin-angepasstes Thiocyanat (T-traditionell) zeigte ähnliche Trends und reduzierte das CKD-Risiko um 14 % (OR: 0,86).
- Die Analyse ergab, dass der Nutzen bei mittleren Belastungen am größten ist.
Gruppen- und Sensitivitätsanalysen
Die Ergebnisse variierten je nach Alter, Ethnie und Rauchstatus:
- Alter: Die positiven Effekte von Nitrat und Thiocyanat waren bei über 40-Jährigen stärker.
- Ethnie: Nicht-hispanische Weiße zeigten stärkere Zusammenhänge zwischen Thiocyanat und besserer Nierenfunktion.
- Rauchen: Die Vorteile von Thiocyanat waren bei Nichtrauchern deutlicher, was auf Ernährung als Hauptquelle hindeutet.
Sensitivitätsanalysen bestätigten die Ergebnisse. Auch nach Ausschluss von Personen mit Nierensteinen oder eingeschränkter eGFR blieben die Ergebnisse stabil.
Mögliche Mechanismen und Bedeutung
Nitrat und Thiocyanat könnten die Nierengesundheit über verschiedene Wege fördern:
- Nitrat wird im Körper zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt. NO verbessert die Durchblutung und reduziert oxidativen Stress.
- Thiocyanat hat entzündungshemmende Eigenschaften und könnte Nierenschäden verringern.
Perchlorat zeigt komplexe Effekte. Ohne Kreatinin-Anpassung gab es negative Zusammenhänge, mit Anpassung positive. Perchlorat könnte die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen und so indirekt die Nierenfunktion beeinflussen.
Grenzen der Studie und zukünftige Forschung
Die Studie ist querschnittlich, daher können keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen abgeleitet werden. Einzelne Urinmessungen spiegeln möglicherweise nicht die langfristige Belastung wider. Zukünftige Studien sollten längere Beobachtungszeiträume und experimentelle Ansätze nutzen, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Fazit
Die Studie zeigt, dass eine Belastung mit Nitrat und Thiocyanat mit besserer Nierenfunktion und geringerem CKD-Risiko verbunden ist. Die nicht-linearen Zusammenhänge deuten auf optimale Belastungsbereiche hin. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Ernährung und Umweltfaktoren für die Nierengesundheit. Weitere Forschung ist nötig, um die potenziellen Vorteile dieser Stoffe besser zu verstehen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002586