Sind IVF und Fruchtbarkeitsbehandlungen riskanter als gedacht?

Sind IVF und Fruchtbarkeitsbehandlungen riskanter als gedacht? Schwangerschaftskomplikationen und Auswirkungen auf Babys im Fokus

Millionen von Paaren weltweit greifen auf assistierte Reproduktionstechnologien (ART) zurück – wie IVF (In-vitro-Fertilisation) und ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) –, um Familien zu gründen. Doch was passiert, nachdem der Schwangerschaftstest positiv ist? Eine aktuelle Studie des Beijing Obstetrics and Gynecology Hospital wirft kritische Fragen zu den Risiken dieser Behandlungen auf. Könnten die Verfahren, die bei der Empfängnis helfen, gleichzeitig Gefahren für Mütter und Babys erhöhen?


Die versteckten Kosten der Kinderwunschbehandlung: Was die Studie herausfand

Forscher verglichen 2.256 ART-Schwangerschaften mit 6.768 natürlich gezeugten Schwangerschaften zwischen 2013 und 2015. Sie untersuchten Komplikationen während der Schwangerschaft, Geburtsprobleme und die Gesundheit der Neugeborenen. Die Ergebnisse waren alarmierend:

  1. Schwangerschaftskomplikationen verdreifacht
    • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes): Fast doppelt so häufig bei ART-Schwangerschaften.
    • Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Gestationshypertonie): Über doppelt so wahrscheinlich.
    • Leberbedingte Schwangerschaftsprobleme (intrahepatische Cholestase): Fast dreimal höheres Risiko.

Diese Risiken blieben auch bei Einlingsschwangerschaften erhöht. Bei Zwillingsschwangerschaften war nur das Leberproblem signifikant.

  1. Gefährliche Geburtskomplikationen
    • Plazentaablösung (Plazentalösung): Doppelt so wahrscheinlich.
    • Vorzeitiger Blasensprung: 24 % höheres Risiko.
    • Starke Blutungen nach der Geburt (postpartale Blutung): Fast dreimal häufiger.
    • Zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion): Doppeltes Risiko.

Bei Einlingen blieb das Risiko einer Plazentaablösung erhöht, während andere Probleme wie zu viel Fruchtwasser nicht signifikant waren. Bei Zwillingen gab es keine großen Unterschiede bei diesen Komplikationen.

  1. Neugeborene haben höhere Risiken
    • Frühgeburt: Über viermal häufiger bei ART-Einlingen.
    • Niedriges Geburtsgewicht: 72 % höheres Risiko bei Einlingen.
    • Keine signifikanten Unterschiede bei Zwillingen.

Warum gibt es diese Risiken?

Die Studie nennt zwei Hauptfaktoren:

  • Mehrlingsschwangerschaften: Zwillinge sind bei ART häufig, da oft mehrere Embryonen übertragen werden. Zwillingsschwangerschaften bergen natürlicherweise höhere Risiken, aber selbst Einlinge hatten Komplikationen.
  • Grundlegende Fruchtbarkeitsprobleme: Frauen, die ART benötigen, könnten bereits gesundheitliche Probleme haben, die die Schwangerschaft beeinflussen.

Spielt die Art der Fruchtbarkeitsbehandlung eine Rolle?

Die Forscher teilten ART-Schwangerschaften in Untergruppen ein:

  1. IVF vs. ICSI

    • Beide zeigten ähnliche Risiken für Diabetes, Bluthochdruck, Leberprobleme, Blutungen und Frühgeburten.
    • IVF hatte ein leicht erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung.
  2. Frische vs. gefrorene Embryonen

    • Beide Methoden erhöhten die Risiken ähnlich.
    • Gefrorene Embryonen hatten ein geringeres Risiko für Plazentaablösung.

Alter und Schwangerschaftsgeschichte spielen eine Rolle

  • Erstgebärende mit ART: Höhere Risiken für Bluthochdruck, Diabetes, Leberprobleme, Blutungen und zu viel Fruchtwasser.
  • Mütter über 35: Die Risiken blieben unabhängig vom Alter erhöht.
  • Frauen mit früheren Schwangerschaften: ART erhöhte das Risiko für Bluthochdruck und Plazentaprobleme.

Was kann getan werden?

Die Studie empfiehlt:

  • Einzelembryotransfer: Die Reduzierung von Zwillingsschwangerschaften könnte Risiken senken.
  • Bessere Überwachung: Frauen, die ART nutzen, benötigen engmaschige Kontrollen auf Diabetes, Bluthochdruck und Leberfunktion.
  • Weitere Forschung: Die Ursachen von Unfruchtbarkeit und die langfristige Gesundheit der Kinder müssen weiter untersucht werden.

Einschränkungen der Studie

  • Die Daten stammten aus einem Krankenhaus, was die Verallgemeinerbarkeit einschränkt.
  • Es gab keine Details zu den Ursachen der Unfruchtbarkeit oder Hormonspiegeln.
  • Retrospektive Studien können keine Kausalität beweisen.

Das Fazit

ART bietet Millionen von Paaren Hoffnung, ist aber nicht risikofrei. Frauen, die diese Behandlungen nutzen, haben ein höheres Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen – selbst bei Einlingsschwangerschaften. Während Zwillinge einige Risiken erklären, spielen auch zugrunde liegende Fruchtbarkeitsprobleme und Behandlungsmethoden eine Rolle. Da Kliniken weltweit Einzelembryotransfers und bessere Patientenbetreuung fördern, sollten Paare diese Risiken mit ihren Ärzten besprechen.

Nur zu Bildungszwecken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000484

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *