Sepsis in Peking: Wie viele Menschen sind betroffen und warum?
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine Überreaktion des Körpers auf eine Infektion verursacht wird. Sie führt zu schweren Organschäden und kann tödlich enden. Doch wie viele Menschen in Peking sind tatsächlich betroffen? Und welche Faktoren erhöhen das Risiko? Eine neue Studie aus dem Yuetan-Bezirk in Peking gibt Antworten.
Was ist Sepsis und warum ist sie gefährlich?
Sepsis, früher auch als Blutvergiftung bekannt, entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion überreagiert. Diese Überreaktion kann zu schweren Schäden an Organen wie Herz, Lunge und Nieren führen. Die Definition von Sepsis wurde 2016 neu festgelegt (Sepsis-3). Sie basiert auf dem SOFA-Score (Sequential Organ Failure Assessment), der den Grad der Organschädigung misst. Ein Anstieg des SOFA-Scores um mindestens zwei Punkte zeigt Sepsis an.
Wer ist besonders gefährdet?
Die Studie untersuchte die Krankenakten von 21.191 erwachsenen Patienten aus dem Yuetan-Bezirk in Peking. Dabei wurden 935 Fälle von Sepsis-3 identifiziert. Die meisten Betroffenen waren Männer (61,4 %) und ältere Menschen (Durchschnittsalter: 81 Jahre). Häufige Vorerkrankungen waren Schlaganfall (38,3 %), Herzkrankheiten (36,8 %) und chronische Lungenerkrankungen (25,1 %).
Woher kommen die Infektionen?
Die häufigste Ursache für Sepsis waren Infektionen der unteren Atemwege (47,4 %), gefolgt von Bauchinfektionen (16,9 %) und Harnwegsinfektionen (12,9 %). In 33,6 % der Fälle wurden die Erreger im Labor nachgewiesen. Die häufigsten Bakterien waren Acinetobacter baumannii (18,9 %), Pseudomonas aeruginosa (14,1 %) und Klebsiella pneumoniae (12,5 %).
Wie viele Menschen erkranken jährlich?
Die Studie ergab, dass die jährliche Rate von Sepsis-3 in Peking bei 363 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt. Nach Anpassung an Alter und Geschlecht sinkt diese Zahl auf 236 Fälle. Hochgerechnet auf ganz China bedeutet das etwa 2,5 Millionen Fälle pro Jahr. Männer haben ein höheres Risiko (458 Fälle pro 100.000) als Frauen (274 Fälle pro 100.000). Das Risiko steigt mit dem Alter: Bei Menschen unter 50 Jahren liegt die Rate bei 20 Fällen pro 100.000, bei über 90-Jährigen bei 10.305 Fällen pro 100.000.
Wie hoch ist die Sterblichkeit?
Die Sterblichkeit im Krankenhaus lag bei Sepsis-3 bei 32,0 %. Bei schwerer Sepsis oder septischem Schock stieg sie auf 53,4 %. Ältere Menschen hatten ein höheres Sterberisiko: Bei über 90-Jährigen lag es bei 40,7 %, bei unter 50-Jährigen bei 11,1 %. Hochgerechnet auf ganz China sterben jährlich etwa 700.437 Menschen an Sepsis.
Was unterscheidet Sepsis-3 von schwerer Sepsis?
Die Studie verglich Sepsis-3 mit der älteren Definition von schwerer Sepsis (nach ACCP/SCCM). Patienten mit schwerer Sepsis hatten häufiger eine geschwächte Immunabwehr (21,7 % vs. 9,5 %) und mehr tödliche Vorerkrankungen (20,9 % vs. 12,0 %). Sie wurden auch öfter auf der Intensivstation behandelt (38,8 % vs. 24,9 %) und hatten eine höhere Sterblichkeit (53,4 % vs. 32,0 %). Dies zeigt, dass Sepsis-3 auch weniger schwere Fälle einschließt.
Warum sind die Ergebnisse wichtig?
Die Studie liefert erstmals Daten zur Sepsis-3-Epidemiologie in China. Sie zeigt, dass die Rate in Peking niedriger ist als in Ländern mit hohem Einkommen (z. B. 580 Fälle pro 100.000 in den USA). Die Unterschiede könnten auf methodische Faktoren wie die Art der Datenerhebung oder die Anwendung des SOFA-Scores zurückzuführen sein.
Welche Rolle spielen die Erreger?
In Peking waren Gram-negative Bakterien wie Acinetobacter baumannii die häufigsten Erreger. In westlichen Ländern dominieren hingegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli. Diese Unterschiede könnten auf regionale Antibiotikaresistenzen oder Unterschiede in der medizinischen Versorgung zurückzuführen sein.
Was bedeutet die neue Definition für die Praxis?
Die Sepsis-3-Definition erfasst auch frühe Stadien der Organschädigung, wie beispielsweise eine niedrige Thrombozytenzahl oder Sauerstoffmangel. Dadurch könnten Patienten früher behandelt werden, was das Risiko eines Fortschreitens zur schweren Sepsis verringern könnte. Gleichzeitig könnte die Einbeziehung weniger schwerer Fälle die Aussagekraft klinischer Studien beeinträchtigen.
Was sind die Grenzen der Studie?
Die Studie basiert auf retrospektiven Daten aus einem einzigen Bezirk in Peking. Dies schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Regionen ein. Zudem wurden in allgemeinen Stationen oft keine Laktatwerte gemessen, was die Analyse des septischen Schocks erschwert. Zukünftige Studien sollten daher mehrere Regionen einbeziehen und prospektiv durchgeführt werden.
Fazit
Sepsis ist in Peking und ganz China ein erhebliches Gesundheitsproblem. Jährlich gibt es etwa 2,5 Millionen Fälle und über 700.000 Todesfälle. Männer, ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen sind besonders gefährdet. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, Präventions- und Behandlungsstrategien an regionale Gegebenheiten anzupassen.
doi:10.1097/CM9.0000000000000392
For educational purposes only.