Schwitzen Sie zu viel an den Händen? Was Sie über die Behandlung wissen müssen
Stellen Sie sich vor, Sie geben jemandem die Hand, und Ihre Handfläche ist nass. Oder Sie müssen wichtige Dokumente unterschreiben, aber der Stift rutscht Ihnen aus der Hand. Für Menschen mit primärer palmaren Hyperhidrose (PPH) ist das Alltag. PPH ist eine Erkrankung, bei der die Hände übermäßig schwitzen. Dies kann das soziale Leben, die Arbeit und die psychische Gesundheit stark beeinträchtigen. Was können Betroffene tun? In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und was Sie vor einer Operation wissen sollten.
Was ist primäre palmare Hyperhidrose?
PPH ist eine Erkrankung, bei der die Hände ohne erkennbaren Grund übermäßig schwitzen. Es handelt sich nicht um eine Folge anderer Krankheiten oder Medikamente. Die Symptome beginnen oft in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und können das Leben der Betroffenen erheblich erschweren. Viele fühlen sich unsicher oder vermeiden soziale Kontakte, weil sie sich für ihr Schwitzen schämen.
Wie häufig ist PPH?
Schätzungen zufolge leiden 1–5% der Bevölkerung an einer Form von fokaler Hyperhidrose, wobei PPH etwa 2–5% betrifft. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, aber Frauen suchen eher eine Behandlung auf. Die Erkrankung tritt häufiger in Regionen nahe dem Äquator auf, wie beispielsweise in Südchina oder Brasilien. Über 25% der Patienten haben eine familiäre Vorgeschichte mit ähnlichen Symptomen.
Warum schwitze ich so stark an den Händen?
Die genaue Ursache von PPH ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher glauben, dass eine Fehlfunktion im sympathischen Nervensystem (Teil des Nervensystems, der unwillkürliche Körperfunktionen steuert) dafür verantwortlich ist. Diese Fehlfunktion führt dazu, dass die Schweißdrüsen der Hände überaktiv werden, besonders bei emotionalem Stress. Genetische Studien deuten darauf hin, dass PPH in Familien gehäuft auftritt und möglicherweise mehrere Gene beteiligt sind.
Wie wird PPH diagnostiziert?
Die Diagnose von PPH basiert auf den Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten. Ärzte fragen nach, wie stark das Schwitzen den Alltag beeinträchtigt und ob der Patient eine Behandlung wünscht. Andere Ursachen für übermäßiges Schwitzen, wie Schilddrüsenprobleme oder Medikamente, müssen ausgeschlossen werden. Ein einfacher Test, der Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS), wird oft verwendet, um den Schweregrad des Schwitzens zu bewerten. Ein Wert von 3 oder 4 zeigt eine schwere Hyperhidrose an.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, PPH zu behandeln. Nicht-chirurgische Methoden umfassen:
- Antitranspirante: Aluminiumchlorid-Hexahydrat (ACH) ist ein wirksames Mittel, das direkt auf die Haut aufgetragen wird. Es hilft etwa 60% der Patienten, aber es kann Hautreizungen verursachen.
- Tabletten: Medikamente wie Glycopyrrolat und Oxybutynin können das Schwitzen reduzieren. Sie helfen etwa 70% der Patienten, aber Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit führen dazu, dass viele die Behandlung abbrechen.
- Iontophorese: Bei dieser Methode wird ein schwacher elektrischer Strom durch Wasser geleitet, in das die Hände getaucht werden. Es ist bei 80% der Patienten wirksam, erfordert jedoch regelmäßige Behandlungen alle 1–4 Wochen.
- Botulinumtoxin (BTX): Injektionen mit BTX können das Schwitzen für 3–9 Monate reduzieren, sind aber schmerzhaft und müssen wiederholt werden.
Was ist mit Operationen?
Die endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS) ist die effektivste Behandlung für PPH. Dabei wird der obere Teil des sympathischen Nervensystems durchtrennt, um die Schweißproduktion in den Händen zu reduzieren. Die Operation ist bei über 95% der Patienten erfolgreich, aber sie birgt Risiken. Der häufigste Nebeneffekt ist die kompensatorische Hyperhidrose (CH), bei der andere Körperbereiche wie Rücken oder Bauch stärker schwitzen. Bis zu 100% der Patienten, die eine R3-Sympathektomie durchführen, entwickeln CH.
Was sind die Risiken einer Operation?
Neben CH kann es zu Komplikationen wie Blutungen, Lungenschäden oder Infektionen kommen. Seltene Nebenwirkungen sind das Horner-Syndrom (eine Störung der Augenmuskeln) und ein verlangsamter Herzschlag. Es ist wichtig, dass Patienten vor der Operation über alle Risiken informiert werden.
Kann CH verhindert oder behandelt werden?
Es gibt verschiedene Ansätze, um CH zu reduzieren oder zu behandeln. Dazu gehören:
- Einseitige ETS: Dabei wird nur eine Seite des sympathischen Nervensystems behandelt, um das Risiko von CH zu verringern.
- Ramicotomie: Eine Methode, bei der nur bestimmte Nervenäste durchtrennt werden.
- Medikamente: Oxybutynin kann helfen, CH zu lindern, aber weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit zu bestätigen.
Fazit
PPH ist eine belastende Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinflusst. Während ETS eine wirksame Behandlung ist, müssen Patienten über die Risiken, insbesondere CH, informiert werden. Nicht-chirurgische Methoden können eine Alternative sein, aber sie erfordern oft regelmäßige Anwendungen. Zukünftige Forschungen sollten sich darauf konzentrieren, individuellere und präzisere Behandlungsmethoden zu entwickeln, um die Lebensqualität von PPH-Patienten zu verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002198
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