Schwere und kritische COVID-19: Wie wird sie diagnostiziert und behandelt?
COVID-19 kann für manche Menschen lebensbedrohlich werden. Besonders ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder ungeimpfte Personen sind gefährdet, schwere Verläufe zu entwickeln. Doch wie erkennt man diese schweren Fälle frühzeitig, und welche Behandlungen sind sinnvoll? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuellen Empfehlungen von Experten.
Wer ist besonders gefährdet?
Menschen über 65 Jahre, Personen mit Vorerkrankungen und solche, die nicht gegen COVID-19 geimpft sind, haben ein höheres Risiko, schwere Symptome zu entwickeln. Besonders die Delta- und Omikron-Varianten des Virus können schnell zu Atemnot, Sauerstoffmangel und sogar Organversagen führen.
Wie wird COVID-19 diagnostiziert?
Der Goldstandard zur Diagnose von COVID-19 ist der Nachweis des Virus durch einen PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion). Dieser Test ist sehr genau und wird in der Regel als erste Wahl empfohlen. Antikörpertests, die das Immunsystem auf das Virus überprüfen, können zusätzlich hilfreich sein, sind aber nicht für die schnelle Diagnose geeignet. Schnelltests, die das Virus direkt nachweisen, werden hingegen nicht empfohlen.
Welche Behandlungen gibt es?
Für Patienten, die ein hohes Risiko haben, schwere Verläufe zu entwickeln, wird die frühzeitige Einnahme von Nirmatrelvir in Kombination mit Ritonavir empfohlen. Diese Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, wenn sie innerhalb der ersten drei Tage nach Symptombeginn eingenommen werden. Andere antivirale Medikamente wie Remdesivir oder Lopinavir/Ritonavir werden hingegen nicht für schwere Fälle empfohlen.
Die Rolle des Immunsystems
Bei schweren Verläufen kann das Immunsystem überreagieren und den Körper zusätzlich schädigen. In solchen Fällen können Medikamente, die das Immunsystem regulieren, wie Interleukin-6-Rezeptor-Antikörper, in Betracht gezogen werden. Kortison wird in der Regel nicht empfohlen, außer in niedriger Dosierung und für kurze Zeit bei schweren oder kritischen Fällen.
Unterstützung der Atmung
Patienten mit schwerer COVID-19 benötigen oft zusätzlichen Sauerstoff. Eine Methode, die häufig eingesetzt wird, ist die Hochfluss-Sauerstofftherapie (HFNC). Diese Methode ist besonders für Patienten geeignet, deren Sauerstoffgehalt im Blut leicht bis mittelschwer reduziert ist. Wenn die Atmung weiterhin schlecht bleibt, kann eine nicht-invasive Beatmung (NIV) oder sogar eine invasive Beatmung mit einem Beatmungsgerät notwendig sein.
Spezielle Beatmungsstrategien
Bei Patienten, die eine invasive Beatmung benötigen, wird eine Beatmung mit niedrigem Luftvolumen empfohlen, um die Lunge zu schonen. Der Druck in der Lunge sollte dabei unter 30 cmH2O gehalten werden. Zusätzlich wird ein positiver endexspiratorischer Druck (PEEP) eingesetzt, um die Sauerstoffaufnahme zu verbessern. Diese Einstellungen werden individuell an den Patienten angepasst.
Lagerungstherapie und ECMO
Eine spezielle Lagerung, bei der der Patient auf dem Bauch liegt, kann die Sauerstoffversorgung verbessern. Diese Methode wird sowohl bei wachen Patienten als auch bei solchen, die beatmet werden, empfohlen. In extremen Fällen, bei denen die Beatmung nicht ausreicht, kann eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) eingesetzt werden. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert.
Schmerz- und Beruhigungsmittel
Patienten, die beatmet werden, benötigen oft Schmerzmittel und Beruhigungsmittel, um ruhig zu bleiben und den Beatmungsprozess zu unterstützen. Es wird empfohlen, die Dosierung so niedrig wie möglich zu halten, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Gleichzeitig ist es wichtig, auf Anzeichen von Verwirrtheit oder Delir zu achten und diese frühzeitig zu behandeln.
Herz und Blutgerinnung
Schwere COVID-19 kann auch das Herz und die Blutgerinnung beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, diese Funktionen regelmäßig zu überwachen. Bei Patienten mit akuten Herzproblemen wird eine spezielle Behandlung empfohlen, um die Herz-Lungen-Funktion zu verbessern. Zusätzlich wird bei schweren Fällen eine Blutverdünnung empfohlen, um Blutgerinnsel zu verhindern.
Infektionen und Ernährung
Schwere COVID-19-Patienten haben ein höheres Risiko für zusätzliche Infektionen durch Bakterien oder Pilze. Antibiotika werden jedoch nur dann empfohlen, wenn eine solche Infektion nachgewiesen wurde. Die Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Patienten sollten frühzeitig eine ausreichende Kalorien- und Proteinzufuhr erhalten, um den Körper zu stärken.
Rehabilitation und psychologische Unterstützung
Nach der akuten Phase der Erkrankung ist es wichtig, die körperliche und psychische Gesundheit der Patienten zu fördern. Frühe Mobilisation und Rehabilitationstherapie können die Genesung beschleunigen. Gleichzeitig sollte psychologische Unterstützung angeboten werden, um die emotionalen Folgen der Krankheit zu bewältigen.
Schutz des medizinischen Personals
Das medizinische Personal, das schwere COVID-19-Patienten behandelt, muss besonders geschützt werden. Dazu gehören spezielle Schutzausrüstungen und die Einhaltung strenger Hygienevorschriften. Wenn Patienten transportiert werden müssen, sollten negative Druck-Systeme verwendet werden, um das Risiko einer Virusübertragung zu minimieren.
Impfung
Die Impfung gegen COVID-19 bleibt die beste Möglichkeit, schwere Verläufe zu verhindern. Geimpfte Personen haben ein deutlich geringeres Risiko, schwer zu erkranken oder ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.
Dieser Artikel fasst die aktuellen Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung von schwerer und kritischer COVID-19 zusammen. Die Informationen basieren auf Expertenmeinungen und wissenschaftlichen Studien.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000002367