Schwere Bradykardie durch intramyometriale Vasopressin-Injektion während einer Myomektomie
Uterusmyome, auch bekannt als Fibrome, sind gutartige Tumoren, die oft chirurgisch entfernt werden müssen. Die Myomektomie, also die operative Entfernung dieser Tumoren, ist ein wichtiger Eingriff, um die Fruchtbarkeit zu erhalten und Symptome wie starke Blutungen oder Beckenschmerzen zu lindern. Um den Blutverlust während der Operation zu verringern, wird häufig Vasopressin direkt in die Gebärmuttermuskulatur gespritzt. Obwohl Vasopressin effektiv Blutungen reduziert, kann es in seltenen Fällen zu schweren Herz-Kreislauf-Problemen führen. Dieser Artikel beschreibt zwei Fälle von plötzlicher, lebensbedrohlicher Bradykardie (langsamer Herzschlag) nach einer intramyometrialen Vasopressin-Injektion während einer Myomektomie.
Fallbeschreibungen
Fall 1
Eine 36-jährige Frau mit mehreren Uterusmyomen wurde laparoskopisch operiert. Vor der Operation wurden alle Untersuchungen, einschließlich EKG, Röntgen und Bluttest, durchgeführt und waren unauffällig. Nach der Narkose und der Einleitung der Operation wurde eine Kamera in den Bauchraum eingeführt, um die Myome zu lokalisieren. Dann wurde eine verdünnte Vasopressin-Lösung (0,6 Einheiten pro Milliliter) in die Gebärmuttermuskulatur gespritzt, um Blutungen zu verhindern.
Etwa zwei Minuten nach der Injektion sank die Herzfrequenz der Patientin plötzlich von 68 auf 25 Schläge pro Minute. Sofortige Maßnahmen umfassten das Stoppen der Operation, die Lagerung in Rückenlage und die Gabe von Atropin (0,5 mg) über die Vene. Die Herzfrequenz erholte sich langsam und die Operation konnte nach zehn Minuten fortgesetzt werden. Die Patientin wurde vier Tage später entlassen.
Fall 2
Eine 38-jährige Frau wurde für eine offene Myomektomie operiert. Während der Operation wurde Vasopressin in die Gebärmuttermuskulatur gespritzt, um Blutungen zu stoppen. Drei Minuten später sank ihre Herzfrequenz von 70 auf 25 Schläge pro Minute, und der Blutdruck fiel auf 70/40 mmHg. Die Ärzte gaben Atropin und Ephedrin, um die Herzfrequenz und den Blutdruck zu stabilisieren. Die Operation wurde erfolgreich abgeschlossen, und die Patientin wurde sechs Tage später entlassen.
Pathophysiologische Mechanismen
Vasopressin ist ein starkes Mittel, das die Blutgefäße verengt und so Blutungen reduziert. Es wirkt hauptsächlich über Rezeptoren in den Gefäßwänden. Wenn es in die Gebärmuttermuskulatur gespritzt wird, kann es manchmal in den Blutkreislauf gelangen. Dies kann zu einem Anstieg des Blutdrucks führen, was wiederum den Herzschlag verlangsamt, da der Körper versucht, den Blutdruck zu regulieren.
In beiden Fällen trat die Bradykardie innerhalb von 2–3 Minuten nach der Injektion auf, was auf eine schnelle Aufnahme in den Blutkreislauf hinweist. Die daraus resultierende Blutdruckerhöhung aktiviert die Barorezeptoren im Hals, was zu einer Verlangsamung des Herzschlags führt.
Klinische Überlegungen
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Anästhesie und chirurgische Technik
Beide Fälle traten trotz unterschiedlicher Anästhesie- und Operationstechniken auf. Dies zeigt, dass die Bradykardie unabhängig von diesen Faktoren ist. -
Dosierung und Verdünnung
In beiden Fällen wurde eine verdünnte Vasopressin-Lösung verwendet. Es gibt jedoch keine einheitliche Empfehlung für die optimale Dosierung, um Blutungen zu stoppen und gleichzeitig Nebenwirkungen zu vermeiden. -
Zeitpunkt des Auftretens
Die schnelle Entwicklung der Bradykardie erfordert eine kontinuierliche Überwachung der Herzfrequenz und des Blutdrucks während und nach der Injektion.
Managementstrategien
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Sofortmaßnahmen
- Stoppen der Operation: Dies reduziert die weitere Freisetzung von Vasopressin in den Blutkreislauf.
- Lagerung: Die Rückenlage verbessert den Blutrückfluss zum Herzen.
- Atropin: Dieses Medikament wird als erste Maßnahme bei Bradykardie eingesetzt, um den Herzschlag zu beschleunigen.
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Vorbereitung auf Notfälle
Bei anhaltender Bradykardie müssen möglicherweise weitere Maßnahmen wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung eingeleitet werden. -
Präventive Maßnahmen
- Alternative Medikamente: Andere Mittel wie Misoprostol oder Tranexamsäure könnten die Abhängigkeit von Vasopressin verringern.
- Ultraschallführung: Dies könnte helfen, die Injektion präziser durchzuführen und das Risiko einer Aufnahme in den Blutkreislauf zu verringern.
Fazit
Die intramyometriale Vasopressin-Injektion ist ein wirksames Mittel zur Blutstillung bei Myomektomien, birgt jedoch das Risiko schwerer Bradykardie. Ärzte müssen während und nach der Injektion besonders wachsam sein und auf Anzeichen eines langsamen Herzschlags achten. Schnelle Maßnahmen wie die Gabe von Atropin und die Anpassung der Lagerung sind entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001314