Schwangerschaft und Nierensteine: Behandlung und Ergebnisse in China

Schwangerschaft und Nierensteine: Was tun, wenn Schmerzen auftreten?

Nierensteine sind bereits im Alltag unangenehm, aber während der Schwangerschaft können sie zu einer echten Herausforderung werden. Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa 1 von 200 bis 1 von 2000 Schwangeren unter symptomatischen Nierensteinen. Während eine konservative Behandlung oft die erste Wahl ist, erfordert etwa ein Drittel der Fälle aktive Maßnahmen, insbesondere bei Komplikationen wie Infektionen, starken Schmerzen oder Risiken für die Schwangerschaft. Diese Studie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit chirurgischer Eingriffe bei schwangeren Frauen in China und bietet wertvolle Einblicke in moderne Behandlungsstrategien.


Wer wurde untersucht und warum?

Zwischen April 2017 und Mai 2019 wurden 35 schwangere Frauen mit symptomatischen Nierensteinen, bei denen eine konservative Therapie nicht erfolgreich war, in einer Klinik behandelt. Das Durchschnittsalter der Frauen betrug 29 Jahre (Spanne: 23–39 Jahre), und die Schwangerschaften befanden sich in allen Trimestern (11.–37. Woche). Gründe für eine aktive Behandlung waren Infektionen, beidseitige Blockaden, eine einzelne oder transplantierte Niere sowie Schwangerschaftskomplikationen wie vorzeitige Wehen oder Präeklampsie.

Temporäre Drainageverfahren wurden vor allem im ersten oder späten dritten Trimester bevorzugt, um Risiken zu minimieren. Definitive Eingriffe wurden bei Frauen durchgeführt, die eine langfristige Drainage nicht tolerierten oder eine sofortige Lösung wünschten. Die Wahl der Methode hing von der Lage und Größe der Steine sowie den Wünschen der Patientinnen ab.


Behandlungsmethoden und Ergebnisse

1. Temporäre Drainageverfahren

  • Harnleiterstent (USI):
    Unter örtlicher Betäubung wurde ein Harnleiterstent in 92 % der Fälle erfolgreich eingesetzt (22 von 24). Bei zwei Frauen scheiterte dies aufgrund von blockierten Steinen, sodass eine Mini-PCNL (eine minimalinvasive Methode zur Steinentfernung) notwendig wurde. Von den erfolgreichen Fällen entschieden sich 15 Frauen später für eine definitive Behandlung, da sie häufige Stentwechsel nicht tolerierten, während sieben den Stent bis nach der Geburt behielten.
  • Perkutane Nephrostomie (PCN):
    Bei drei Frauen im dritten Trimester wurde eine PCN erfolgreich durchgeführt. Diese Methode erwies sich als nützlich, um blockierte oder infizierte Systeme in fortgeschrittenen Schwangerschaften zu behandeln.

2. Definitive Steinentfernungen

Definitive Eingriffe wurden bei 25 Frauen durchgeführt, darunter:

  • Ureteroskopische Lithotripsie (URSL):
    Acht Frauen mit Steinen im unteren Harnleiter (durchschnittliche Größe: 10 mm) wurden mit einer halbstarren Ureteroskopie behandelt. Die Erfolgsrate nach einem Monat betrug 87,5 % (7 von 8), wobei es in zwei Fällen zu leichten Komplikationen (vorübergehende Blutungen) kam.
  • Flexible Ureteroskopische Lithotripsie (FURSL):
    Neun Frauen mit Steinen im oberen Harnleiter oder in der Niere (durchschnittliche Größe: 11 mm) wurden mit einer flexiblen Ureteroskopie behandelt. Die Erfolgsrate lag bei 89 % (8 von 9), und die durchschnittliche Operationszeit betrug 55 Minuten. Eine Frau entwickelte nach der Operation Fieber.
  • Mini-PCNL:
    Sechs Frauen mit größeren Nierensteinen (durchschnittliche Größe: 17,5 mm) wurden mit einer Mini-PCNL behandelt. Obwohl der Krankenhausaufenthalt länger war (durchschnittlich 5 Tage) und der Hämoglobinwert stärker sank (durchschnittlich 6,7 g/L), lag die Erfolgsrate bei 83 % (5 von 6). Eine Frau hatte eine mittelschwere Komplikation.
  • Microperc:
    Zwei Frauen mit kleineren Nierensteinen (durchschnittliche Größe: 15,5 mm) wurden mit Microperc behandelt, wobei alle Steine erfolgreich entfernt wurden und keine Komplikationen auftraten.

Vergleich der Methoden

Definitive Eingriffe zeigten Unterschiede:

  • Operationszeit: Mini-PCNL war schneller (durchschnittlich 42,5 Minuten) als FURSL (55 Minuten, P < 0,05).
  • Steingröße und Krankenhausaufenthalt: Mini-PCNL eignete sich für größere Steine, erforderte aber längere Krankenhausaufenthalte (P < 0,05).
  • Komplikationen: Es gab keine signifikanten Unterschiede in den Komplikationsraten zwischen FURSL und Mini-PCNL (P = 1,000).

Zusammensetzung der Steine und Nachsorge

Bei 17 Frauen wurde die Steinzusammensetzung analysiert:

  • Calciumoxalat-Monohydrat (3 von 17),
  • Hydroxylapatit (10 von 17),
  • Gemischte Zusammensetzungen (4 von 17).
    Alle Schwangerschaften endeten mit gesunden, termingerechten Geburten, und keine der Eingriffe führte zu Schäden bei Mutter oder Kind.

Was bedeutet das für die Praxis?

Temporäre vs. definitive Behandlung

Temporäre Drainageverfahren bleiben eine wichtige Option für Hochrisikoschwangerschaften, da sie schnelle Linderung mit minimaler Invasivität bieten. Definitive Eingriffe sind jedoch zunehmend eine Alternative, insbesondere für Frauen, die ihre Lebensqualität verbessern und häufige Eingriffe vermeiden möchten.

Die Rolle der Ureteroskopie

Leitlinien der Chinesischen Urologischen Vereinigung (CUA), der Europäischen Urologischen Vereinigung (EAU) und der Amerikanischen Urologischen Vereinigung (AUA) empfehlen die Ureteroskopie als primäre Behandlung für Harnleitersteine während der Schwangerschaft. Diese Studie bestätigt diese Empfehlungen und zeigt hohe Erfolgsraten (87,5–100 %) bei geringen Komplikationsraten.

Kontroversen um PCNL

Während die EAU-Leitlinien PCNL während der Schwangerschaft nicht empfehlen, deuten diese Studie und CUA-Empfehlungen darauf hin, dass die Methode in erfahrenen Zentren selektiv eingesetzt werden kann. Ultraschallführung, kleinere Zugangswege (z. B. Mini-PCNL, Microperc) und Regionalanästhesie reduzieren traditionelle Bedenken hinsichtlich Strahlung und Bauchlage.


Fazit

Die konservative Behandlung bleibt die erste Wahl bei unkomplizierten Nierensteinen in der Schwangerschaft. Bei komplizierten Fällen sind chirurgische Eingriffe jedoch sicher und effektiv, wobei Ureteroskopie und Mini-PCNL hohe Erfolgsraten und positive Ergebnisse bieten. Definitive Verfahren reduzieren Gesundheitskosten, vermeiden langfristige Drainage und ermöglichen es den Frauen, sich besser auf die Zeit nach der Geburt zu konzentrieren. Diese Studie unterstreicht die Bedeutung individueller Behandlungspläne, die sich an Steineigenschaften, Schwangerschaftsalter und Patientinnenwünschen orientieren. Weitere multizentrische Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und klinische Protokolle zu verfeinern.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001648

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