Schwangerschaft und Chemikalien: Erhöht PFOS das Risiko für Präeklampsie?

Schwangerschaft und Chemikalien: Erhöht PFOS das Risiko für Präeklampsie?

Präeklampsie ist eine ernste Schwangerschaftserkrankung, die durch Bluthochdruck und Schäden an mehreren Organen gekennzeichnet ist. Sie bleibt eine der Hauptursachen für Komplikationen bei Mutter und Kind. Doch was löst diese Erkrankung aus? Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Umweltgifte, insbesondere Chemikalien, die die Plazentaentwicklung beeinflussen, eine Rolle spielen könnten. Unter diesen Chemikalien stehen sogenannte PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) im Fokus. Diese synthetischen Stoffe sind in vielen Produkten enthalten, da sie hitze-, wasser- und fettabweisend sind. Zwei Vertreter dieser Gruppe, PFOS (Perfluoroktansulfonat) und PFOA (Perfluoroktansäure), wurden in menschlichem Blut, Nabelschnurblut und Muttermilch nachgewiesen. Doch wie gefährlich sind sie wirklich für Schwangere?

Die Studie: PFOS und PFOA in Shanghai

Eine aktuelle Studie aus Shanghai, China, untersuchte den Zusammenhang zwischen PFOS/PFOA und dem Risiko für Präeklampsie. Die Forscher analysierten Blutproben von 3.569 Schwangeren, die zwischen 2016 und 2018 an der Frauenklinik der Fudan Universität untersucht wurden. Von diesen entwickelten 88 Frauen eine Präeklampsie. Für jede betroffene Frau wurde eine gesunde Schwangere als Vergleichsperson ausgewählt.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Blutproben wurden zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche entnommen, einem kritischen Zeitpunkt für die Entwicklung der Plazenta. Die Konzentrationen von PFOS und PFOA wurden mit einer speziellen Methode, der HPLC-MS (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie-Massenspektrometrie), gemessen. Diese Methode ist sehr genau und kann selbst geringe Mengen der Chemikalien nachweisen.

Die Ergebnisse: PFOS steht im Verdacht

Die Ergebnisse waren auffällig: Frauen, die später eine Präeklampsie entwickelten, hatten deutlich höhere PFOS-Werte im Blut als gesunde Schwangere. Die mittlere PFOS-Konzentration bei Präeklampsie-Fällen lag bei 23,3 ng/mL, verglichen mit 4,6 ng/mL in der Kontrollgruppe. Bei PFOA war der Unterschied weniger stark, aber immer noch vorhanden (19,3 ng/mL vs. 16,1 ng/mL).

Besonders beunruhigend war, dass Frauen mit schwerer Präeklampsie noch höhere PFOS-Werte aufwiesen als Frauen mit milden Verläufen. Auch bei spät auftretender Präeklampsie (nach der 34. Woche) waren die PFOA-Werte höher als bei gesunden Schwangeren.

Was bedeutet das für das Risiko?

Die Forscher berechneten, dass Frauen mit PFOS-Werten über dem Median (7,1 ng/mL) ein 7,7-fach höheres Risiko für Präeklampsie hatten. Bei PFOA war das Risiko nur leicht erhöht (1,8-fach), aber statistisch nicht signifikant.

Warum ist das wichtig?

PFAS sind überall in unserer Umwelt zu finden. Sie werden in beschichteten Pfannen, wasserdichten Kleidungsstücken und sogar in Lebensmittelverpackungen verwendet. In China, wo die Produktion von PFOS und PFOA in den letzten Jahren stark gestiegen ist, sind die gemessenen Werte besonders hoch. Die Studie zeigt, dass selbst mittlere Konzentrationen dieser Chemikalien das Risiko für Präeklampsie erhöhen können.

Wie wirken PFAS auf die Schwangerschaft?

PFAS könnten die Entwicklung der Plazenta stören. Die Plazenta ist für die Versorgung des Babys mit Nährstoffen und Sauerstoff verantwortlich. Wenn sie sich nicht richtig entwickelt, kann dies zu Bluthochdruck und anderen Problemen führen, die typisch für Präeklampsie sind. Die zweite Schwangerschaftshälfte ist eine kritische Phase für die Plazentaentwicklung, was erklärt, warum die Blutproben zu diesem Zeitpunkt so aussagekräftig waren.

Was sind die Grenzen der Studie?

Die Studie hat einige Einschränkungen. Sie kann nicht beweisen, dass PFOS direkt Präeklampsie verursacht, sondern zeigt nur einen Zusammenhang. Auch wurden die Chemikalien nur einmal gemessen, obwohl PFAS sich im Körper über Jahre ansammeln können. Zudem wurden andere Faktoren wie Ernährung oder Umweltbelastungen nicht berücksichtigt.

Was können wir tun?

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Verwendung von PFAS einzuschränken. In vielen Ländern sind PFOS und PFOA bereits verboten, aber in China und anderen Regionen werden sie weiterhin produziert. Schwangere sollten darauf achten, den Kontakt mit PFAS-haltigen Produkten zu minimieren.

Fazit

Die Studie aus Shanghai liefert wichtige Hinweise darauf, dass PFOS das Risiko für Präeklampsie erhöhen kann. Besonders hohe Konzentrationen scheinen mit schweren Verläufen der Erkrankung verbunden zu sein. Weitere Forschung ist nötig, um die genauen Mechanismen zu verstehen und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002414
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