Schwanger und niedrige Blutplättchen: Was bedeutet das für Mutter und Kind?
Eine Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit, aber sie kann auch medizinische Herausforderungen mit sich bringen. Eine davon ist die primäre Immunthrombozytopenie (ITP), eine Erkrankung, bei der die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) im Körper stark abnimmt. Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung, und ein Mangel kann zu Blutungen führen. Was bedeutet ITP für schwangere Frauen und ihre Babys? Dieser Artikel erklärt die Diagnose, Behandlung und Risiken im Zusammenhang mit ITP während der Schwangerschaft.
Was ist ITP und wie wird sie diagnostiziert?
ITP ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Blutplättchen angreift und zerstört. In der Schwangerschaft kann dies besonders problematisch sein, da sowohl die Mutter als auch das Baby betroffen sein können. Die Diagnose von ITP erfordert eine sorgfältige Untersuchung, um andere Ursachen für niedrige Blutplättchen auszuschließen.
Schritte zur Diagnose:
- Krankengeschichte und körperliche Untersuchung: Der Arzt fragt nach früheren Blutungen, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen.
- Bluttests: Ein komplettes Blutbild, Leber- und Nierenfunktionstests sowie Tests auf HIV, Hepatitis B/C und Autoantikörper (z. B. ANA) werden durchgeführt.
- Spezialtests: Bei Verdacht auf Infektionen oder Blutzerfall (Hämolyse) können weitere Tests wie H. pylori-Nachweis oder ein direkter Antiglobulin-Test (DAT) erforderlich sein.
Eine Knochenmarkuntersuchung ist normalerweise nicht nötig, es sei denn, es gibt ungewöhnliche Befunde.
Vorbereitung auf die Schwangerschaft
Frauen mit ITP, die eine Schwangerschaft planen, sollten sich vorab beraten lassen. Dabei werden folgende Punkte besprochen:
- Krankengeschichte: Wie war der Verlauf der ITP bisher? Gab es schwere Blutungen oder Probleme bei früheren Schwangerschaften?
- Risiken: Welche Gefahren bestehen für die Mutter und das Baby? Welche Medikamente sind sicher?
Diese Vorbereitung hilft, Komplikationen zu vermeiden und die Schwangerschaft so sicher wie möglich zu gestalten.
Wann ist eine Behandlung nötig?
Die Behandlung von ITP in der Schwangerschaft hängt von der Anzahl der Blutplättchen und dem Risiko für Blutungen ab.
- Beobachtung: Wenn die Blutplättchenzahl über 30 × 10⁹/L liegt und keine Blutungen auftreten, ist oft keine Behandlung nötig.
- Aktive Behandlung:
- Bei Blutplättchen unter 30 × 10⁹/L oder aktiven Blutungen muss behandelt werden.
- Vor Eingriffen wie Zahnbehandlungen oder Operationen werden bestimmte Zielwerte angestrebt (z. B. ≥50 × 10⁹/L für kleinere Operationen).
- Vorbereitung auf die Geburt:
- Für eine natürliche Geburt sollte die Blutplättchenzahl über 50 × 10⁹/L liegen.
- Bei einem Kaiserschnitt mit Spinalanästhesie sind Werte über 80 × 10⁹/L erforderlich.
Ein Team aus Hämatologen, Gynäkologen und Anästhesisten ist entscheidend, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.
Erstlinientherapien
- Kortikosteroide:
- Prednison: Wird in niedrigen Dosen (10–20 mg/Tag) verabreicht und langsam reduziert.
- Sicherheit: Im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte Prednison vermieden werden, da es das Risiko für Fehlbildungen erhöhen kann.
- Intravenöse Immunglobuline (IVIg):
- Wird bei schwerer ITP oder wenn Kortikosteroide nicht wirken, eingesetzt.
- Dosierung: 400 mg/kg/Tag für 3–5 Tage oder 1 g/kg/Tag für 1–2 Tage.
Notfallbehandlung
Bei lebensbedrohlichen Blutungen (Blutplättchen unter 10 × 10⁹/L) ist schnelles Handeln erforderlich:
- Hochdosiertes Methylprednisolon: 1 g/Tag für 3 Tage.
- IVIg: 1 g/kg/Tag für 1–2 Tage.
- Zusätzliche Maßnahmen: Blutplättchentransfusionen, Blutdruckkontrolle.
Zweitlinientherapien
- Kombinationstherapie: Prednison oder Methylprednisolon mit IVIg bei schweren Fällen.
- Thrombopoietin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RAs):
- Recombinant Human Thrombopoietin (rhTPO): Kann im letzten Schwangerschaftsdrittel in erfahrenen Zentren eingesetzt werden.
- TPO-RAs (z. B. Romiplostim, Eltrombopag): Nur in Ausnahmefällen, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt.
- Milzentfernung (Splenektomie): Nur bei schwerer, therapieresistenter ITP, idealerweise im zweiten Schwangerschaftsdrittel.
Cytostatika wie Rituximab oder Cyclophosphamid sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.
Blutplättchentransfusionen
Blutplättchentransfusionen werden ergänzend zur medikamentösen Therapie eingesetzt:
- Indikationen: Vor der Geburt, bei aktiven Blutungen oder vor Operationen.
- Wirksamkeit: Die Kombination mit IVIg oder Kortikosteroiden verbessert die Wirkung.
Geburtsmanagement
- Entbindungsart: ITP allein ist kein Grund für einen Kaiserschnitt; die Entscheidung hängt von geburtshilflichen Faktoren ab.
- Während der Geburt:
- Natürliche Geburt: Sicher bei Blutplättchen über 50 × 10⁹/L.
- Epiduralanästhesie: Erfordert Blutplättchen über 80 × 10⁹/L.
- Schnelle Erhöhung der Blutplättchen: IVIg (1 g/kg) ± Kortikosteroide ± Transfusionen.
Risiko für Nachblutungen
Das MONITOR-Modell bewertet das Risiko für Nachblutungen (PPH) bei ITP-Patientinnen. Es berücksichtigt Faktoren wie mütterliche Komplikationen, Blutungsneigung und die Blutplättchenzahl.
Betreuung des Neugeborenen
- Thrombozytopenie-Risiko: Die Blutplättchenzahl der Mutter sagt nicht zuverlässig das Risiko für das Baby voraus.
- Untersuchungen:
- Blutplättchenzahl aus der Nabelschnur bei der Geburt.
- Regelmäßige Überwachung der Blutplättchen beim Baby.
- Behandlung:
- IVIg (1 g/kg) bei Blutplättchen unter 30 × 10⁹/L oder Blutungen.
- Blutplättchentransfusionen bei schweren Blutungen.
- Ultraschall des Kopfes, um Hirnblutungen auszuschließen.
Finanzierung und Interessenkonflikte
Dieser Konsens wurde durch das National Key Research and Development Program of China (2017YFA0105503), die National Natural Science Foundation of China (81970113, 81730004) und die Beijing Natural Science Foundation (H2018206423) unterstützt. Die Autoren erklärten keine Interessenkonflikte.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002043