Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft: Warum spezifische Referenzwerte wichtig sind

Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft: Warum spezifische Referenzwerte wichtig sind

Die Schilddrüse spielt eine entscheidende Rolle während der Schwangerschaft. Sie beeinflusst nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern auch die Entwicklung des Babys. Doch wie genau sollten die Schilddrüsenwerte in dieser besonderen Zeit aussehen? Und warum können allgemeine Richtlinien manchmal zu Fehldiagnosen führen? Eine aktuelle Studie aus China gibt Antworten.

Warum sind Schilddrüsenwerte in der Schwangerschaft so wichtig?

Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Stoffwechsel, das Wachstum und die Entwicklung des Körpers steuern. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an diesen Hormonen, da sie auch für die Entwicklung des Babys, insbesondere des Gehirns, entscheidend sind. Eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse kann zu schwerwiegenden Folgen führen, wie Fehlgeburten, Frühgeburten oder Entwicklungsstörungen des Kindes.

Das Problem: Allgemeine Richtlinien passen nicht immer

Bisher gab es keine spezifischen Referenzwerte für die Schilddrüsenfunktion in der chinesischen Bevölkerung. Stattdessen wurden oft die Richtlinien der American Thyroid Association (ATA) verwendet. Doch diese Richtlinien basieren auf Daten aus anderen Ländern und können daher nicht immer auf die chinesische Bevölkerung übertragen werden. Das führt dazu, dass manche Frauen fälschlicherweise als krank eingestuft werden, während andere eine notwendige Behandlung nicht erhalten.

Die Studie: Ein Blick auf die chinesische Bevölkerung

Um dieses Problem zu lösen, wurde eine große Studie durchgeführt. Über 52.000 schwangere Frauen aus Shanghai wurden zwischen 2013 und 2016 untersucht. Nach dem Ausschluss von Frauen mit bestimmten Vorerkrankungen oder Behandlungen blieben 46.262 Frauen übrig. Bei ihnen wurden die Werte des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons (TSH), des freien Schilddrüsenhormons (FT4) und der Schilddrüsenperoxidase-Antikörper (TPOAb) im ersten und dritten Schwangerschaftstrimester gemessen.

Die Ergebnisse: Neue Referenzwerte für China

Die Studie ergab, dass die TSH-Werte im ersten Trimester zwischen 0,03 und 3,52 mU/L und im dritten Trimester zwischen 0,39 und 3,67 mU/L liegen sollten. Für FT4 wurden im ersten Trimester Werte von 11,7 bis 19,7 pmol/L und im dritten Trimester Werte von 9,1 bis 14,4 pmol/L als normal festgelegt. Diese Werte unterscheiden sich von den ATA-Richtlinien, was bedeutet, dass die Verwendung der ATA-Richtlinien in China zu Fehldiagnosen führen kann.

Vergleich mit den ATA-Richtlinien

Die Studie verglich die neuen Referenzwerte mit den ATA-Richtlinien von 2011 und 2017. Dabei zeigte sich, dass nach den 2011er Richtlinien 7,0% der Frauen im ersten Trimester und 4,0% im dritten Trimester fälschlicherweise als krank eingestuft worden wären. Nach den 2017er Richtlinien wären dagegen 1,2% im ersten und 0,8% im dritten Trimester nicht als krank erkannt worden. Das zeigt, wie wichtig es ist, spezifische Referenzwerte für jede Bevölkerung zu haben.

Die Rolle der TPOAb-Antikörper

Die Studie untersuchte auch den Einfluss der TPOAb-Antikörper auf die Schilddrüsenwerte. Frauen, die positiv auf TPOAb getestet wurden, hatten im ersten Trimester höhere TSH-Werte (1,53 vs. 1,14 mU/L) und niedrigere FT4-Werte (14,7 vs. 14,8 pmol/L) als Frauen ohne diese Antikörper. Im dritten Trimester hatten TPOAb-positive Frauen höhere FT4-Werte (11,7 vs. 11,5 pmol/L). Diese Unterschiede zeigen, dass der TPOAb-Status bei der Beurteilung der Schilddrüsenfunktion berücksichtigt werden muss.

Empfehlungen für die Praxis

Die Studie empfiehlt, in China spezifische Referenzwerte für die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft zu verwenden. Wenn solche Werte nicht verfügbar sind, können die 2017er ATA-Richtlinien verwendet werden, allerdings mit einem angepassten TSH-Grenzwert. Für Frauen ohne TPOAb-Antikörper sollte der obere Grenzwert bei 4,0 mU/L liegen, während für Frauen mit TPOAb-Antikörpern der Grenzwert bei 2,5 mU/L liegen sollte.

Warum ist das wichtig?

Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, spezifische Referenzwerte für die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft zu haben. Fehldiagnosen können nicht nur unnötige Behandlungen zur Folge haben, sondern auch dazu führen, dass notwendige Behandlungen nicht durchgeführt werden. Durch die Verwendung von populationsspezifischen Referenzwerten können Ärzte die Schilddrüsenfunktion genauer beurteilen und so die Gesundheit von Mutter und Kind besser schützen.

Fazit

Die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft ist ein komplexes Thema, das eine genaue Diagnose erfordert. Die Studie aus China zeigt, dass allgemeine Richtlinien nicht immer ausreichen und dass spezifische Referenzwerte für jede Bevölkerung notwendig sind. Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, die Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft zu verbessern und so die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen.

For educational purposes only

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000051

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