Multisystemische Beteiligung bei chinesischen Patienten mit neuromyopathischem Phänotyp des mitochondrialen trifunktionalen Proteinmangels
Haben Sie schon einmal von einer seltenen Krankheit gehört, die Muskeln, Nerven und sogar das Gehirn betreffen kann? Der mitochondriale trifunktionale Proteinmangel (MTP-Mangel) ist eine solche Erkrankung, die durch genetische Mutationen verursacht wird und zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen kann. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über drei chinesische Patienten, die an dieser seltenen Form des MTP-Mangels leiden und bei denen nicht nur Muskeln und Nerven, sondern auch das zentrale Nervensystem (ZNS) betroffen waren.
Was ist MTP-Mangel?
Das mitochondriale trifunktionale Protein (MTP) ist ein Enzymkomplex, der eine wichtige Rolle beim Abbau langkettiger Fettsäuren in den Mitochondrien spielt. Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen, die Energie für den Körper produzieren. MTP besteht aus zwei Arten von Untereinheiten, die von den Genen HADHA und HADHB kodiert werden. Mutationen in einem dieser Gene können die Funktion von MTP beeinträchtigen und zu verschiedenen Krankheitsbildern führen. Eine dieser Formen ist der neuromyopathische Phänotyp, der sich durch Muskelschwäche, Nervenschäden und wiederkehrende Muskelschädigungen (Rhabdomyolyse) äußert.
Drei chinesische Fälle mit ungewöhnlichen Symptomen
In einer aktuellen Studie wurden drei chinesische Patienten beschrieben, die an diesem seltenen Phänotyp leiden. Zwei der Patienten waren Schwestern, die aus einer gesunden, nicht verwandten Familie stammten. Der dritte Patient war ein zuvor berichteter Fall. Alle drei Patienten zeigten nicht nur die typischen Symptome des neuromyopathischen Phänotyps, sondern auch ungewöhnliche Beteiligungen des ZNS und der Augen.
Patient 1: Ein Fall mit verzögerter Entwicklung und Katarakten
Patient 1, ein 13-jähriges Mädchen, hatte eine leicht verzögerte motorische Entwicklung. Sie begann erst mit 21 Monaten zu laufen und zeigte bereits im Alter von fünf Jahren Gangstörungen und Muskelschwäche. Mit zehn Jahren wurde sie aufgrund von leichter geistiger Behinderung und Katarakten (grauer Star) in die Klinik überwiesen. Untersuchungen ergaben eine distale Muskelschwäche, erhöhte Kreatinkinase (CK)-Werte und Verkalkungen im Gehirn. Eine genetische Analyse bestätigte eine Mutation im HADHB-Gen. Sie wurde mit einer speziellen Diät und L-Carnitin behandelt. Trotz einer Episode von Rhabdomyolyse im Alter von elf Jahren blieb ihr Zustand stabil.
Patient 2: Ein tragischer Verlauf
Die jüngere Schwester von Patient 1 hatte ähnliche, aber mildere Symptome. Im Alter von fünf Jahren erlitt sie während einer Grippeinfektion einen Herzstillstand und fiel ins Koma. Trotz erfolgreicher Wiederbelebung verstarb sie drei Tage später. Auch bei ihr wurde die gleiche Mutation im HADHB-Gen nachgewiesen. Ihr tragischer Verlauf zeigt, wie schwerwiegend der MTP-Mangel sein kann, insbesondere bei Infektionen.
Patient 3: Wiederkehrende Rhabdomyolyse und Atemversagen
Patient 3, ein weiteres Kind mit MTP-Mangel, entwickelte ab dem Alter von drei Jahren fortschreitende Muskelschwäche und wiederkehrende Rhabdomyolyse. Im Alter von elf Jahren erlitt sie während eines Fiebers ein Atemversagen und musste beatmet werden. Obwohl sie sich langsam erholte, verlor sie die Fähigkeit zu laufen. Ihre Intelligenz blieb jedoch unbeeinträchtigt.
Warum sind das ZNS und die Augen betroffen?
Normalerweise betrifft der neuromyopathische Phänotyp des MTP-Mangels hauptsächlich Muskeln und Nerven. Die in dieser Studie beschriebenen Patienten zeigten jedoch auch Beteiligungen des ZNS und der Augen. Patient 1 hatte Verkalkungen im Gehirn und Katarakte, während Patient 2 und 3 infektionsbedingte Lethargie (Bewusstseinstrübung) entwickelten. Diese Symptome könnten auf eine unzureichende Energieversorgung des Gehirns oder auf Schäden durch abnormale Stoffwechselprodukte zurückzuführen sein.
Zusammenhang mit Hypoparathyreoidismus
Interessanterweise wurde bei drei Patienten mit MTP-Mangel ein Hypoparathyreoidismus (Unterfunktion der Nebenschilddrüsen) berichtet, der möglicherweise die Verkalkungen und Katarakte erklärt. Bei Patient 1 waren die Kalzium-, Phosphor- und Nebenschilddrüsenhormon (PTH)-Werte jedoch normal, sodass kein Hinweis auf einen Hypoparathyreoidismus vorlag. Mutationen im HADHB-Gen könnten dennoch mit einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen verbunden sein, wie bei zwei japanischen Geschwistern mit der gleichen Mutation beobachtet wurde.
Fazit
Diese Studie beschreibt die multisystemische Beteiligung bei drei chinesischen Patienten mit dem neuromyopathischen Phänotyp des MTP-Mangels. Neben den typischen Symptomen wie Muskelschwäche und Nervenschäden waren auch das ZNS und möglicherweise die Nebenschilddrüsen betroffen. Diese Fälle unterstreichen die Komplexität des MTP-Mangels und die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000805
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