Müssen Patienten mit positivem Atemtest bei Reizdarmsyndrom identifiziert werden?

Müssen Patienten mit positivem Atemtest bei Reizdarmsyndrom identifiziert werden? Eine klinische Studie zu Mikrobiom und Rifaximin-Empfindlichkeit

Leiden Sie unter Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall? Diese Symptome sind typisch für das Reizdarmsyndrom (RDS), eine häufige Magen-Darm-Erkrankung. Doch was, wenn die Ursache nicht nur im Reizdarm liegt, sondern auch in einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms (SIBO)? Eine neue Studie zeigt, warum es wichtig ist, Patienten mit positivem Atemtest (BT) zu identifizieren und wie das Mikrobiom (Darmflora) und die Empfindlichkeit gegenüber Rifaximin (ein Antibiotikum) dabei eine Rolle spielen.

Was ist das Reizdarmsyndrom und SIBO?

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Typische Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und ein unregelmäßiger Stuhlgang. Eine häufige Begleiterkrankung ist die bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO), bei der zu viele Bakterien im Dünndarm vorhanden sind. SIBO tritt besonders häufig bei Patienten mit Durchfall-dominantem RDS (RDS-D) auf.

Warum ist der Atemtest wichtig?

Der Wasserstoff- und Methan-Atemtest (BT) ist eine einfache und nicht-invasive Methode, um SIBO zu diagnostizieren. Studien zeigen, dass etwa 40% der RDS-D-Patienten einen positiven BT haben. Doch die Symptome von RDS und SIBO überschneiden sich stark, was die Diagnose schwierig macht. Daher ist es entscheidend, Patienten mit positivem BT zu identifizieren, um gezielte Behandlungen einzuleiten.

Die Studie: Wer wurde untersucht?

Die Studie umfasste 176 Teilnehmer: 49 gesunde Kontrollpersonen (HC) und 127 RDS-D-Patienten. Von den RDS-D-Patienten hatten 51 einen positiven BT (IBSP-Gruppe) und 76 einen negativen BT (IBSN-Gruppe). Die Forscher untersuchten Unterschiede in der Darmflora, Entzündungsmarkern und der Wirksamkeit von Rifaximin.

Was wurde herausgefunden?

Körpergewicht und Ernährung

Die IBSP-Gruppe hatte einen signifikant niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) als die IBSN-Gruppe. Außerdem ernährten sich mehr Teilnehmer der IBSP-Gruppe fettreich, was zu einem höheren Fett-Energie-Verhältnis führte.

Symptome und Darmfunktion

Beide RDS-Gruppen litten stärker unter Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen als die gesunden Kontrollen. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede in der Symptomstärke zwischen der IBSP- und IBSN-Gruppe. Die Stuhlkonsistenz (Bristol Stool Form, BSF) war in beiden Gruppen wässrig. Eine Überempfindlichkeit des Darms wurde bei beiden RDS-Gruppen festgestellt, aber es gab keine Unterschiede zwischen ihnen.

Entzündungsmarker

Die IBSN-Gruppe zeigte eine leichte systemische Entzündung, mit erhöhten Werten von Interleukin-12 (IL12) in Blut- und Darmgewebe. Das Verhältnis von IL12 zu Interleukin-10 (IL10) war im Serum der IBSN-Gruppe verringert, was auf einen entzündlichen Zustand hindeutet. Die IBSP-Gruppe hatte erhöhte IL12-Werte im Dünndarm, aber nicht im Dickdarm oder systemisch. Das Tight-Junction-Protein ZO1, das für die Darmbarrierefunktion wichtig ist, war in beiden RDS-Gruppen reduziert. Die Anzahl der Mastzellen (Entzündungszellen) war im Dünndarm und Dickdarm beider RDS-Gruppen erhöht.

Darmflora

Die Analyse der Darmflora zeigte deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. Die IBSP-Gruppe hatte die höchste mikrobielle Vielfalt (Shannon-Index) und die niedrigste Dominanz (Simpson-Index). Die Bakteriengruppe Proteobacteria war in der IBSN-Gruppe angereichert, während Tenericutes in der IBSP-Gruppe häufiger vorkam. Auf Familienebene waren Enterobacteriaceae, Enterococcaceae und Lachnospiraceae in der IBSN-Gruppe erhöht, während Synergistaceae in der IBSP-Gruppe häufiger war. Auf Gattungsebene waren Escherichia-Shigella, Blautia, Klebsiella, Enterococcus, Citrobacter, Enterobacter und Cronobacter in der IBSN-Gruppe angereichert, während Blautia, Prevotella_2, Lachnospiraceae NC2004 group, Cronobacter und Romboutsia in der IBSP-Gruppe häufiger vorkamen.

Funktionelle Analyse

Die funktionelle Analyse der Darmflora zeigte, dass die IBSN-Gruppe eine Anreicherung von Stoffwechselwegen im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten, Energiestoffwechsel, Membrantransport, Lipidstoffwechsel und Vitaminstoffwechsel aufwies. Der Weg der bakteriellen Invasion von Epithelzellen war in der IBSN-Gruppe signifikant erhöht. Die Lipopolysaccharid (LPS)-Biosynthese und der Abbau von Geraniol waren in der IBSP-Gruppe im Vergleich zu den gesunden Kontrollen verringert.

Mikrobielle Interaktionen

Die gesunden Kontrollen hatten komplexere mikrobielle Interaktionen als die RDS-Gruppen. In den RDS-Gruppen waren die Interaktionen weniger aktiv und auf bestimmte Bakterienfamilien beschränkt. Korrelationsanalysen zeigten, dass Bakterien wie Enterobacteriaceae positiv mit IL12-Werten und Symptom-Scores korrelierten, aber negativ mit der Toleranz gegenüber Darmdehnung.

Rifaximin-Therapie

Rifaximin wurde 15 IBSN-Patienten und 24 IBSP-Patienten über vier Wochen verabreicht. Die Symptome verbesserten sich in der IBSP-Gruppe stärker, insbesondere Bauchschmerzen, Unzufriedenheit mit dem Stuhlgang, Lebensqualität und Stuhlkonsistenz. In der IBSN-Gruppe verbesserten sich nur die Bauchschmerzen signifikant. Die mikrobielle Analyse nach der Behandlung zeigte eine Abnahme der mikrobiellen Vielfalt in beiden Gruppen. In der IBSP-Gruppe nahmen Romboutsia und Cronobacter ab, während Alteromonas, Dyella, Gordonibacter, Butyricimonas und Parabacteroides zunahmen. In der IBSN-Gruppe blieben Bakterien wie Escherichia-Shigella, Cronobacter und Enterococcus weitgehend unverändert.

Fazit

Die Studie zeigt, dass RDS-D-Patienten mit SIBO (IBSP) eine andere Darmflora und Entzündungsprofile haben als Patienten ohne SIBO (IBSN). Die bessere Ansprechrate auf Rifaximin bei IBSP-Patienten könnte auf die Reduktion schädlicher Bakterien wie Cronobacter und die Anreicherung nützlicher Bakterien wie Butyricimonas zurückzuführen sein. Bei IBSN-Patienten bleiben schädliche Bakterien trotz Behandlung weitgehend unverändert, was die schlechte Ansprechrate erklärt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Atemtests, um SIBO bei RDS-D-Patienten zu identifizieren und gezielte Behandlungen einzuleiten.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002294
For educational purposes only.

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