Lebertransplantation bei Leberkrebs: Was Sie wissen müssen
Leberkrebs, auch bekannt als hepatozelluläres Karzinom (HCC), ist eine der häufigsten Krebsarten in China. Viele Patienten fragen sich: Gibt es Hoffnung, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist? Die Lebertransplantation (LT) ist eine der vielversprechendsten Behandlungsmöglichkeiten, aber wer kommt dafür infrage? Und wie sieht die Behandlung danach aus?
In diesem Artikel erfahren Sie, was die neuesten Richtlinien aus China (2021) zur Lebertransplantation bei Leberkrebs empfehlen. Wir erklären, wer für eine Transplantation infrage kommt, welche Vorbereitungen nötig sind und wie die Nachsorge aussieht.
Wer kommt für eine Lebertransplantation infrage?
Die sogenannten Milan-Kriterien gelten weltweit als Standard. Diese besagen, dass Patienten mit einem einzelnen Tumor, der nicht größer als 5 cm ist, oder bis zu drei Tumoren, die jeweils nicht größer als 3 cm sind, infrage kommen. Wichtig ist auch, dass keine Gefäßinvasion (Ausbreitung in die Blutgefäße) oder Metastasen (Tochtergeschwülste in anderen Organen) vorliegen.
Doch diese Kriterien sind sehr streng. Deshalb wurden in China die Hangzhou-Kriterien entwickelt, die mehr Patienten eine Chance geben. Diese Kriterien teilen Patienten in zwei Gruppen ein:
- Gruppe A: Tumore bis zu 8 cm Durchmesser oder größer, wenn der AFP-Wert (ein Blutmarker für Leberkrebs) unter 100 ng/mL liegt.
- Gruppe B: Tumore größer als 8 cm mit einem AFP-Wert zwischen 100 und 400 ng/mL.
Studien zeigen, dass Patienten aus Gruppe A ähnlich gute Überlebensraten haben wie nach den Milan-Kriterien. Bei Gruppe B ist die Überlebensrate zwar geringer, aber immer noch akzeptabel.
Was ist mit einer Lebendspende?
Bei einer Lebendspende (LDLT) spendet eine gesunde Person einen Teil ihrer Leber. Hier können die Kriterien etwas großzügiger sein, solange keine Gefäßinvasion oder Metastasen vorliegen. Allerdings muss der Spender sorgfältig untersucht werden, um sicherzustellen, dass er gesund ist und psychisch bereit.
Vorbereitung auf die Transplantation
Für Patienten, die die Kriterien nicht erfüllen, gibt es die Möglichkeit der Downstaging-Therapie. Dabei wird der Tumor vor der Transplantation verkleinert. Mögliche Behandlungen sind:
- Transarterielle Chemoembolisation (TACE): Ein Medikament wird direkt in die Blutgefäße gespritzt, die den Tumor versorgen.
- Radioembolisation (TARE): Winzige radioaktive Kügelchen werden in die Blutgefäße gespritzt.
- Lokale Ablation: Der Tumor wird durch Hitze (Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation) oder Kälte (Kryoablation) zerstört.
- Systemische Therapien: Medikamente wie Tyrosinkinasehemmer (z. B. Sorafenib) oder Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren) werden eingesetzt.
Kombinationen dieser Therapien sind oft wirksamer als Einzelbehandlungen.
Immuntherapie: Vorsicht ist geboten
Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren) können zwar helfen, den Tumor zu verkleinern, bergen aber das Risiko einer Abstoßungsreaktion nach der Transplantation. Deshalb wird empfohlen, die Therapie einige Zeit vor der Transplantation abzusetzen und die Nachsorge intensiv zu gestalten.
Behandlung von Virusinfektionen
Viele Leberkrebspatienten haben auch eine Hepatitis-B- (HBV) oder Hepatitis-C-Infektion (HCV). Hier ist eine sorgfältige Behandlung wichtig:
- HBV: Vor der Transplantation werden Medikamente wie Entecavir oder Tenofovir eingesetzt, um das Virus zu unterdrücken. Während der Operation wird Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) verabreicht. Nach der Transplantation wird eine Kombination aus HBIG und Medikamenten empfohlen.
- HCV: Direkt wirkende antivirale Medikamente (DAAs) können das Virus vor der Transplantation eliminieren und so das Risiko einer erneuten Infektion nach der Transplantation verringern.
Nach der Transplantation: Was kommt danach?
Nach der Transplantation ist die richtige Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems, um Abstoßungen zu verhindern) entscheidend. Traditionelle Medikamente wie Tacrolimus oder Cyclosporin können das Risiko eines erneuten Leberkrebses erhöhen. Deshalb wird oft zu mTOR-Inhibitoren (z. B. Sirolimus) gewechselt, die dieses Risiko verringern.
Auch die Nachsorge ist wichtig. Regelmäßige Untersuchungen wie CT- oder MRT-Aufnahmen sowie Blutuntersuchungen (z. B. AFP) helfen, eine erneute Erkrankung frühzeitig zu erkennen.
Was tun, wenn der Krebs zurückkommt?
Falls der Krebs nach der Transplantation zurückkehrt, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:
- Operative Entfernung: Wenn der Tumor lokalisiert ist, kann er chirurgisch entfernt werden.
- Lokale Therapien: Ablation oder TACE können eingesetzt werden.
- Systemische Therapien: Medikamente wie Lenvatinib oder Immuntherapien können helfen.
Fazit
Die Lebertransplantation ist eine wichtige Behandlungsoption für Patienten mit Leberkrebs. Die neuesten Richtlinien aus China (2021) bieten eine umfassende Anleitung, wer infrage kommt, wie die Vorbereitung aussieht und was nach der Transplantation zu beachten ist. Durch sorgfältige Auswahl der Patienten, optimierte Therapien und intensive Nachsorge können die Überlebenschancen verbessert werden.
For educational purposes only.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000002515