Krebsvorsorgewissen und Leberkrebsscreening: Wie hängt das zusammen? Ergebnisse aus der ländlichen Provinz Anhui
Leberkrebs (LC) ist eine der häufigsten Todesursachen durch Krebs weltweit. Im Jahr 2020 gab es schätzungsweise 905.677 neue Fälle und 830.180 Todesfälle. In China ist die Situation besonders ernst: Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt bei nur 10,1 % bis 12,1 %. Der Grund? Viele Fälle werden zu spät erkannt. Dabei könnte ein frühzeitiges Screening Leben retten.
Seit 2007 gibt es in China ein nationales Screeningprogramm für Leberkrebs, das vor allem Menschen in ländlichen Gebieten anspricht. Doch die Teilnahmeraten sind niedrig. Warum? Eine mögliche Erklärung ist das Wissen über Krebsvorsorge. Studien zeigen, dass Menschen mit mehr Gesundheitswissen eher an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Aber gibt es diesen Zusammenhang auch beim Leberkrebsscreening in China? Eine Studie aus der Provinz Anhui hat das untersucht.
Wer wurde untersucht?
Die Studie konzentrierte sich auf Bewohner der ländlichen Provinz Anhui, einer Region mit hohen Leberkrebsraten. Teilnehmen konnten Männer im Alter von 35–64 Jahren und Frauen zwischen 45–64 Jahren. Ausgeschlossen wurden Personen mit einer früheren Krebsdiagnose, schweren Erkrankungen oder eingeschränkter Selbstversorgungsfähigkeit. Insgesamt füllten 180.756 Personen einen ersten Gesundheitsfragebogen aus. Davon wurden 46.425 als Hochrisikogruppe eingestuft, und 4.204 lieferten vollständige Daten für die Studie.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Teilnehmer beantworteten zwei Fragebögen:
- Gesundheitsfragebogen (HFQ): Hier wurden demografische Daten (z. B. Alter, Bildung, Einkommen), Lebensgewohnheiten (z. B. Rauchen, Alkoholkonsum) und medizinische Vorgeschichte (z. B. Hepatitis-B-Infektion, Krebs in der Familie) erfasst.
- Gesundheitswissen-Fragebogen (HKQ): Dieser testete das Wissen über Krebs und Vorsorgemaßnahmen mit 11 Fragen. Die Punktzahl reichte von 0 bis 22.
Die Teilnahme am Screening wurde definiert als die Durchführung eines AFP-Tests (Alpha-Fetoprotein), einer Ultraschalluntersuchung oder beidem.
Was wurde herausgefunden?
Insgesamt nahmen 45,2 % der Hochrisikogruppe am Screening teil. Das durchschnittliche Wissen über Krebsvorsorge lag bei 13,78 Punkten. Es gab jedoch deutliche Unterschiede:
- Geschlecht: Frauen nahmen häufiger teil (59,2 %) als Männer (38,1 %).
- Alter: Die höchste Teilnahme gab es bei den 61–64-Jährigen (52,1 %).
- Bildung: Personen ohne Schulbildung nahmen häufiger teil (48,8 %) als diejenigen mit Schulbildung.
- Lebensstil: Nichtraucher (58,7 %) und Nichttrinker (50,0 %) waren eher bereit, am Screening teilzunehmen.
- Medizinische Vorgeschichte: Personen mit Krebs in der Familie hatten eine Teilnahmerate von 57,9 %, fast doppelt so hoch wie diejenigen ohne familiäre Vorgeschichte (29,7 %).
Teilnehmer mit höherem Krebsvorsorgewissen (Punktzahl 11–15 oder ≥16) nahmen eher am Screening teil als diejenigen mit niedrigem Wissen (Punktzahl 1–10). Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Geschlecht und Lebensstil bestehen.
Unterschiede in Untergruppen
Die Analyse zeigte weitere interessante Muster:
- Geschlecht: Bei Frauen war der Zusammenhang zwischen Wissen und Teilnahme stärker als bei Männern.
- Alter: Bei Personen über 50 Jahren war der Einfluss des Wissens größer als bei jüngeren.
- Bildung: Personen ohne Schulbildung mit hohem Wissen nahmen 70 % häufiger teil als diejenigen mit niedrigem Wissen.
- Hepatitis-B-Status: Trotz ihres hohen Risikos nahmen Hepatitis-B-positive Personen mit höherem Wissen seltener am Screening teil. Dies könnte daran liegen, dass sie eher Krankenhausdienste nutzen.
Was bedeutet das?
Die Studie zeigt, dass mehr Wissen über Krebsvorsorge die Teilnahme am Leberkrebsscreening erhöhen kann. Besonders wichtig sind gezielte Aufklärungskampagnen für Männer, jüngere Erwachsene und Hepatitis-B-positive Personen. Allerdings hat die Studie auch Grenzen: Sie basiert auf einer Momentaufnahme und kann keine Ursache-Wirkung-Beziehung beweisen. Zudem könnte die Auswahl der Teilnehmer die Ergebnisse beeinflusst haben.
Fazit
Mehr Wissen über Krebsvorsorge kann dazu beitragen, dass mehr Menschen am Leberkrebsscreening teilnehmen. Besonders in ländlichen Gebieten, wo die Belastung durch Leberkrebs hoch ist, sind gezielte Bildungsmaßnahmen wichtig. Gleichzeitig müssen auch finanzielle und logistische Hindernisse abgebaut werden, um die Wirksamkeit des nationalen Screeningprogramms zu verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001735
For educational purposes only.