Könnte die Grippe COVID-19 tödlicher machen? Was eine neue Studie enthüllt
Stellen Sie sich vor, Sie erkranken während der Grippesaison an COVID-19. Könnte eine vorherige Grippeinfektion Ihren Coronavirus-Verlauf verschlimmern? Eine aktuelle Studie aus Wuhan, China, weist auf diese beunruhigende Möglichkeit hin. Forscher fanden heraus, dass COVID-19-Patienten, die kürzlich dem Influenza-A-Virus (der häufigsten saisonalen Grippe) ausgesetzt waren, ein höheres Risiko für schwere Symptome und Tod hatten. Hier ist, was Sie wissen müssen.
Der Zusammenhang zwischen Grippe und COVID-19
Die COVID-19-Pandemie begann während der Grippesaison auf der Nordhalbkugel. Krankenhäuser waren mit Patienten überflutet, die an beiden Atemwegserkrankungen litten. Ärzte fragten sich: Könnten diese beiden Viren auf gefährliche Weise interagieren?
Um dies zu klären, untersuchten Wissenschaftler 70 COVID-19-Patienten, die Anfang 2020 in einem Krankenhaus in Wuhan aufgenommen wurden. Alle Patienten wurden mittels Rachenabstrich und CT-Scans positiv auf das Coronavirus getestet. Anschließend untersuchten die Forscher ihr Blut auf Anzeichen einer kürzlichen Grippeexposition. Etwa die Hälfte (45%) hatte Antikörper, die auf eine kürzliche Begegnung mit Influenza A (Grippe A) hindeuteten, entweder kurz vor oder während ihrer COVID-19-Erkrankung.
Diese Entdeckung führte zu einer entscheidenden Frage: Hat die Grippe-A-Exposition die Art und Weise verändert, wie diese Patienten COVID-19 bekämpften?
Was die Studie herausfand
1. Frauen und Müdigkeit
Frauen machten 59% der Grippe-exponierten Gruppe aus, verglichen mit 34% in der nicht-exponierten Gruppe. Müdigkeit war auch bei Grippe-exponierten Patienten häufiger (59% vs. 34%). Während Fieber und Husten in beiden Gruppen gleich häufig auftraten, berichteten Grippe-exponierte Patienten über mehr Symptome insgesamt.
2. Überraschende Entzündungshinweise
Ärzte maßen Proteine, die mit Entzündungen (der Abwehrreaktion des Körpers) verbunden sind. Grippe-exponierte Patienten hatten niedrigere Werte bei zwei wichtigen Markern:
- sIL-2R (ein Protein, das Immunzellen aktiviert): 791 vs. 1.075 Einheiten bei nicht-exponierten Patienten.
- TNFα (ein Protein, das Fieber und Gewebeschäden verursacht): 10,75 vs. 11,5 Einheiten.
Dies war unerwartet. Sowohl Grippe als auch COVID-19 erhöhen normalerweise diese Marker. Forscher vermuten, dass eine Grippeexposition das Gleichgewicht des Immunsystems stören könnte, was die Bekämpfung des Coronavirus erschwert.
3. Höhere Risiken für Grippe-exponierte Patienten
Grippe-exponierte Patienten hatten ein doppelt so hohes Risiko, einen kritischen COVID-19-Verlauf zu entwickeln (31% vs. 16%), und ein dreimal so hohes Risiko zu sterben (22% vs. 8%). Obwohl diese Unterschiede aufgrund der kleinen Studiengröße nicht statistisch signifikant waren, ist der Trend besorgniserregend.
Ein lebensrettendes Medikament für einige?
Hier die Überraschung: Grippe-exponierte Patienten, die Oseltamivir (ein antivirales Grippemedikament, das als Tamiflu® verkauft wird) erhielten, hatten eine Sterberate von 0%. Diejenigen, die das Medikament nicht erhielten, hatten eine Sterberate von 37%.
Bedeutet dies, dass Oseltamivir COVID-19 behandelt? Nein. Das Medikament wirkt nur gegen das Grippevirus. Forscher glauben, dass eine frühzeitige Behandlung der Grippe verhindern könnte, dass der Körper geschwächt wird, bevor das Coronavirus zuschlägt. Diese Erkenntnis muss jedoch in größeren Studien bestätigt werden.
Warum ist das wichtig?
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Gefahren der Grippesaison
Die Studie legt nahe, dass eine Grippe-A-Exposition während COVID-19 einen „Doppelschlag“ für das Immunsystem darstellen könnte. Selbst wenn die Grippe allein keine schwere Erkrankung verursacht, könnte sie den Weg für schwerere Coronavirus-Verläufe ebnen. -
Lücken bei Tests und Behandlung
Die meisten Krankenhäuser testen COVID-19-Patienten nicht routinemäßig auf Grippeantikörper. Wenn sie dies täten, könnten Ärzte Hochrisikopatienten früher identifizieren. -
Bedeutung der Impfung
Grippeimpfungen könnten mehr tun, als nur Influenza zu verhindern – sie könnten auch das COVID-19-Risiko verringern, indem sie das Immunsystem darauf konzentrieren, das Coronavirus zu bekämpfen.
Einschränkungen der Studie
Diese Forschung hat einige Einschränkungen:
- Kleine Stichprobe: Es wurden nur 70 Patienten untersucht.
- Ungewissheit beim Timing: Bluttests zeigten eine Grippeexposition, aber keine aktive Grippeinfektion. Einige Patienten könnten die Grippe Wochen vor COVID-19 gehabt haben.
- Keine Bestätigung des Grippevirus: Die Tests suchten nach Antikörpern, nicht nach dem Grippevirus selbst. Dies macht es schwer, Co-Infektionen (gleichzeitiges Vorhandensein beider Viren) zu beweisen.
Was kommt als Nächstes?
Forscher fordern größere Studien, um:
- Zu bestätigen, ob Grippe A COVID-19 tatsächlich verschlimmert.
- Zu verstehen, wie Grippeviren mit Coronaviren im Körper interagieren.
- Zu untersuchen, ob Grippeimpfungen oder antivirale Medikamente wie Oseltamivir während COVID-19-Ausbrüchen helfen könnten.
Das Fazit
Die Grippesaison könnte während der COVID-19-Pandemie noch riskanter sein, als wir dachten. Obwohl diese Studie nicht beweist, dass Grippe A schwere Coronavirus-Fälle verursacht, unterstreicht sie die dringende Notwendigkeit für:
- Doppeltes Testen: COVID-19-Patienten auf Grippeexposition zu überprüfen.
- Präventive Maßnahmen: Grippeimpfungen und Hygienemaßnahmen, um Doppelinfektionen zu vermeiden.
- Forschung: Zu verstehen, wie häufige Viren zusammenwirken, um unsere Gesundheit zu gefährden.
Für jetzt ist die Botschaft klar: Die Vermeidung der Grippe könnte ein entscheidender Schritt sein, um sich vor COVID-19 zu schützen.
Zu Bildungszwecken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000966