Können wir die Aortenbogen-Chirurgie sicherer und effizienter gestalten? Ein neuer Ansatz: Die „Branch-First Sun’s Procedure“
Die Chirurgie des Aortenbogens (der gebogene Teil der Hauptschlagader, der das Herz verlässt) gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen in der Herzchirurgie. Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren bleibt sie eine Herausforderung. Patienten mit Aortendissektion (einem Riss in der Gefäßwand) oder Aortenaneurysma (einer Aussackung der Gefäßwand) benötigen oft komplexe Operationen, die mit langen Operationszeiten und einem hohen Risiko für Komplikationen verbunden sind. Könnte ein neuer Ansatz, die sogenannte „Branch-First Sun’s Procedure“, hier Abhilfe schaffen?
Das Problem: Komplexität und Risiken der Aortenbogen-Chirurgie
Die klassische Methode zur Behandlung von Aortendissektionen und Aneurysmen ist die „Sun’s Procedure“. Dabei wird der gesamte Aortenbogen ersetzt, und ein spezielles Rohr (Graft) mit vier Abzweigungen wird eingesetzt. Diese Technik hat sich bewährt, ist aber extrem komplex. Die Operation erfordert den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine (CPB) und eine tiefe Unterkühlung des Körpers, um das Gehirn und andere Organe während des Eingriffs zu schützen. Diese Bedingungen können jedoch zu Komplikationen wie Blutgerinnungsstörungen oder Organschäden führen.
Die „Branch-First Sun’s Procedure“ versucht, diese Herausforderungen zu minimieren. Sie konzentriert sich darauf, die drei Hauptabzweigungen des Aortenbogens (die Arterien, die den Kopf und die Arme versorgen) zuerst zu rekonstruieren, oft ohne den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Dies könnte die Operationszeit verkürzen und das Risiko von Komplikationen verringern.
Wie funktioniert die „Branch-First Sun’s Procedure“?
Die „Branch-First Sun’s Procedure“ wurde erstmals am Beijing Anzhen Hospital durchgeführt. Die Operation beginnt mit der Vorbereitung eines speziellen Y-förmigen Rohrs (Y-Graft) auf dem Operationstisch. Während das Herz weiter schlägt, werden die drei Hauptabzweigungen des Aortenbogens nacheinander an das Y-Rohr angeschlossen. Dies geschieht, ohne die Herz-Lungen-Maschine zu verwenden, was eine kontinuierliche Durchblutung des Gehirns und der Organe ermöglicht.
Erst danach wird die Herz-Lungen-Maschine aktiviert. Der Chirurg ersetzt den beschädigten Teil der Aorta und setzt ein spezielles Rohr („frozen elephant trunk“) ein, das in den Aortenbogen und die absteigende Aorta eingesetzt wird. Nachdem alle Verbindungen hergestellt sind, wird die Durchblutung des Körpers wiederhergestellt, und das Herz wird wiederbelebt.
Frühe Ergebnisse: Vielversprechend, aber noch nicht endgültig
In einer Studie, die von Juli 2017 bis Dezember 2018 durchgeführt wurde, wurden 36 Patienten mit der „Branch-First Sun’s Procedure“ behandelt. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Die Sterblichkeitsrate innerhalb von 30 Tagen lag bei 5,6 %, und die durchschnittliche Operationszeit war kürzer als bei der klassischen Methode. Komplikationen wie Schlaganfälle oder vorübergehende Lähmungen traten seltener auf.
Einige Patienten benötigten nach der Operation eine Nierenunterstützung (5,6 %), und bei 8,3 % musste aufgrund von Blutungen erneut operiert werden. Diese Zahlen sind jedoch vergleichbar oder sogar besser als bei der klassischen „Sun’s Procedure“.
Vergleich mit der klassischen Methode
Die klassische „Sun’s Procedure“ erfordert fünf Verbindungen (Anastomosen) unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Die „Branch-First“-Technik reduziert diese Zahl auf drei, da die Abzweigungen des Aortenbogens zuerst rekonstruiert werden. Dies verkürzt nicht nur die Operationszeit, sondern ermöglicht auch eine kontinuierliche Durchblutung des Gehirns während des Eingriffs.
Ein weiterer Vorteil ist die höhere Körpertemperatur während der Operation. Bei der klassischen Methode wird der Körper auf etwa 25°C abgekühlt, um das Gehirn zu schützen. Bei der „Branch-First“-Technik kann die Temperatur auf etwa 28°C erhöht werden, was das Risiko von Blutgerinnungsstörungen verringern könnte.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die „Branch-First Sun’s Procedure“ könnte die Aortenbogen-Chirurgie sicherer und effizienter machen. Die frühen Ergebnisse sind vielversprechend, aber es gibt noch einige Einschränkungen. Die Studie wurde an einem einzigen Zentrum durchgeführt, und die Anzahl der Patienten war relativ klein. Langzeitdaten fehlen ebenfalls.
Weitere Forschungen sind notwendig, um die Vorteile dieser Technik zu bestätigen und ihre langfristigen Auswirkungen zu bewerten. Dennoch bietet die „Branch-First Sun’s Procedure“ einen neuen Ansatz, der das Potenzial hat, die Behandlung von Aortendissektionen und Aneurysmen zu verbessern.
Fazit
Die „Branch-First Sun’s Procedure“ könnte ein wichtiger Schritt in der Herzchirurgie sein. Sie reduziert die Komplexität der Aortenbogen-Chirurgie und könnte das Risiko von Komplikationen verringern. Obwohl weitere Studien erforderlich sind, bietet diese Technik Hoffnung für Patienten, die sich einer solchen Operation unterziehen müssen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000564