Können Probiotika und Präbiotika bei akuter Darmentzündung helfen?

Können Probiotika und Präbiotika bei akuter Darmentzündung helfen?

Haben Sie schon einmal von den kleinen Helfern in unserem Darm gehört? Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, ist eine riesige Gemeinschaft von Mikroorganismen, die in unserem Darm leben. Sie hilft uns, gesund zu bleiben, indem sie das Immunsystem unterstützt und schädliche Bakterien abwehrt. Doch was passiert, wenn dieses Gleichgewicht gestört wird? Eine solche Störung kann zu entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) wie Colitis ulcerosa führen. In einer aktuellen Studie wurde untersucht, ob Probiotika (lebende, nützliche Bakterien) und Präbiotika (Nahrung für diese Bakterien) bei akuter Darmentzündung helfen können.


Was wurde untersucht?

Die Studie verwendete Mäuse, bei denen eine akute Darmentzündung durch eine Substanz namens Dextran-Natrium-Sulfat (DSS) ausgelöst wurde. Diese Methode ahmt die Symptome von Colitis ulcerosa beim Menschen nach. Die Forscher teilten die Mäuse in sechs Gruppen ein:

  1. Kontrollgruppe: Keine Behandlung.
  2. Modellgruppe: DSS, aber keine Behandlung.
  3. Probiotika-Gruppe: DSS + eine Mischung aus Lactobacillus acidophilus, L. rhamnosus und Bifidobacterium lactis.
  4. Synbiotika-Gruppe: DSS + Probiotika + Inulin (ein Präbiotikum).
  5. Lactitol-Gruppe: DSS + Lactitol (ein weiteres Präbiotikum).
  6. Kombinationsgruppe: DSS + halbe Dosis Probiotika + Lactitol.

Nach fünf Tagen DSS-Behandlung erhielten die Mäuse sieben Tage lang die jeweilige Behandlung. Danach wurden die Mäuse untersucht, um die Auswirkungen auf die Darmflora und die Entzündung zu bewerten.


Wie wurde die Entzündung gemessen?

Die Forscher bewerteten die Entzündung im Darm anhand von drei Kriterien:

  1. Schwere der Entzündung (0–4: keine bis starke Entzündung).
  2. Ausmaß der Schädigung (0–3: oberflächlich bis tiefgreifend).
  3. Schädigung der Darmzotten (0–4: intakt bis vollständiger Verlust).

Die Ergebnisse zeigten, dass alle Behandlungsgruppen im Vergleich zur Modellgruppe signifikant geringere Entzündungswerte aufwiesen.


Was passierte mit der Darmflora?

Die Forscher analysierten die Darmflora der Mäuse mithilfe von DNA-Sequenzierung. Dabei wurden verschiedene Bakterienarten identifiziert und ihre Häufigkeit verglichen.

Zu Beginn der Studie

Es gab keine Unterschiede in der Darmflora der Mäuse, was eine einheitliche Ausgangsbasis sicherstellte.

Während der Behandlung

Nach vier Tagen DSS-Behandlung zeigten alle Gruppen mit DSS eine verringerte Vielfalt der Darmbakterien. Besonders auffällig war:

  • In der Modellgruppe nahmen Lactobacillus-Bakterien ab, während Bacteroides-Bakterien zunahmen.
  • In der Kombinationsgruppe (Probiotika + Lactitol) stieg die Anzahl von Akkermansia– und Faecalibacterium-Bakterien.

Nach der Behandlung

Die Vielfalt der Darmbakterien blieb in den DSS-Gruppen niedriger. Bacteroides-Bakterien waren weiterhin vermehrt vorhanden, während in den Behandlungsgruppen Lachnospiraceae_NK4A136_group-Bakterien zunahmen.

Unterschiede zwischen Darminhalt und Darmschleimhaut

Die Bakterien in der Darmschleimhaut unterschieden sich stark von denen im Darminhalt. Zum Beispiel war Mucispirillum, ein Bakterium, das die Schleimhaut besiedelt, in den Schleimhautproben häufiger.


Was bedeutet das?

Entzündungshemmende Wirkung

Probiotika und Präbiotika reduzierten die Entzündung im Darm. Dies stimmt mit früheren Studien überein, die zeigen, dass Lactobacillus und Bifidobacterium das Immunsystem stärken und die Darmbarriere schützen. Interessanterweise war die Kombination von Probiotika und Präbiotika nicht wirksamer als die Einzelbehandlungen.

Veränderungen der Darmflora bei Entzündung

Die DSS-induzierte Entzündung führte zu einer Zunahme von Bacteroides-Bakterien, die mit Darmschäden in Verbindung gebracht werden. Gleichzeitig nahmen nützliche Bakterien wie Lactobacillus und Faecalibacterium ab, die entzündungshemmende Substanzen produzieren.

Die Rolle von Lactitol

Lactitol förderte das Wachstum von Akkermansia, einem Bakterium, das die Darmschleimhaut schützt und Entzündungen reduziert. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte Präbiotika gezielt nützliche Bakterien fördern können.


Fazit

Probiotika und Lactitol linderten die durch DSS verursachte Darmentzündung, indem sie nützliche Bakterien wie Bifidobacterium und Lactobacillus wiederherstellten und schädliche Bakterien wie Bacteroides reduzierten. Lactitol förderte speziell Akkermansia, was es zu einem vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von Darmentzündungen macht. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Therapien, die gezielt die Darmflora beeinflussen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000308

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