Können inhalierte Kortikosteroide (ICS) das Überleben von älteren Patienten mit Lungenentzündung verbessern?
Lungenentzündungen, die außerhalb des Krankenhauses auftreten (sogenannte ambulant erworbene Lungenentzündungen oder CAP), sind eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung, insbesondere für ältere Menschen. Viele dieser Patienten leiden zusätzlich an chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Eine häufige Behandlung für diese Erkrankungen sind inhalierte Kortikosteroide (ICS), die Entzündungen in den Atemwegen reduzieren sollen. Doch wie wirken sich diese Medikamente auf den Verlauf einer Lungenentzündung aus? Können sie das Überleben der Patienten verbessern?
Eine kürzlich durchgeführte Studie aus China hat diese Frage untersucht. Die Studie konzentrierte sich auf ältere Patienten, die wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wurden und gleichzeitig an einer chronischen Lungenerkrankung litten. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Verwendung von ICS während des Krankenhausaufenthalts die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen nach der Aufnahme beeinflusst.
Die Studie umfasste 2437 Patienten im Alter von 65 Jahren und älter, die zwischen Januar und Dezember 2014 in verschiedenen Krankenhäusern in China behandelt wurden. Die meisten Patienten (81,9 %) hatten keine chronische Lungenerkrankung, während 14,6 % an COPD, 2,6 % an Asthma und 0,9 % an einer Mischform aus Asthma und COPD (ACO) litten.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Verwendung von ICS während des Krankenhausaufenthalts mit einer geringeren 30-Tage-Sterblichkeit verbunden war. Dies galt insbesondere für Patienten mit COPD. Die Studie verwendete eine Methode namens „Propensity Score Matching“, um die Daten von Patienten, die ICS erhielten, mit denen zu vergleichen, die keine ICS erhielten. Dabei wurden Faktoren wie Alter, Geschlecht und Schwere der Erkrankung berücksichtigt.
Die Analyse ergab, dass niedrige Natriumwerte im Blut (<130 mmol/L), eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (>10 × 10^9/L) und ein hoher CURB-65-Score (ein Maß für die Schwere der Lungenentzündung) unabhängige Risikofaktoren für eine höhere Sterblichkeit waren. Im Gegensatz dazu war die Verwendung von ICS ein Schutzfaktor, der das Sterberisiko verringerte.
Interessanterweise zeigte die Studie, dass ICS bei Patienten mit COPD die 30-Tage-Sterblichkeit signifikant reduzierten, obwohl sie kein unabhängiger Schutzfaktor waren. Dies deutet darauf hin, dass ICS möglicherweise indirekt dazu beitragen, das Überleben dieser Patienten zu verbessern, beispielsweise durch die Reduzierung von Entzündungen oder die Verbesserung der Atemwegsfunktion.
Die Studie hatte jedoch auch einige Einschränkungen. Zum Beispiel wurden Daten zur ICS-Dosis, zur Dauer der Behandlung und zur Kombination mit anderen Medikamenten wie langwirksamen Beta-Agonisten oder M-cholinergen Rezeptorblockern nicht systematisch erfasst. Außerdem basierten die Diagnosen von COPD und Asthma auf Selbstauskünften der Patienten, und es fehlten Daten zur Lungenfunktion.
Trotz dieser Einschränkungen bieten die Ergebnisse der Studie neue Einblicke in die potenziellen Vorteile von ICS bei der Behandlung von Lungenentzündungen bei älteren Patienten. Sie legen nahe, dass die Verwendung von ICS während des Krankenhausaufenthalts dazu beitragen könnte, das Überleben dieser Patienten zu verbessern.
Die Rolle von Kortikosteroiden bei der Behandlung von Lungenentzündungen ist jedoch nach wie vor umstritten. Einige Studien haben gezeigt, dass Patienten mit schwerer Lungenentzündung von systemischen Kortikosteroiden profitieren können. Andere Studien haben jedoch keine signifikanten Vorteile festgestellt.
In der aktuellen Studie wurde festgestellt, dass etwa ein Drittel der Patienten ohne chronische Lungenerkrankung Symptome wie Keuchen oder Engegefühl in der Brust hatten. Bei diesen Patienten wurde in 11,2 % der Fälle ICS verschrieben. Bei Patienten mit chronischer Lungenerkrankung lag die ICS-Verwendungsrate zwischen 33,3 % und 37,5 %.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer individuellen Behandlungsstrategie für Patienten mit Lungenentzündung. Die Entscheidung, ICS zu verwenden, sollte auf der Grundlage der spezifischen Bedürfnisse und Risiken des Patienten getroffen werden. Weitere Forschungen sind erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen von ICS auf das Überleben und die Lebensqualität von Patienten mit Lungenentzündung zu untersuchen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verwendung von ICS während des Krankenhausaufenthalts mit einer geringeren 30-Tage-Sterblichkeit bei älteren Patienten mit Lungenentzündung verbunden war. Diese Ergebnisse bieten neue Perspektiven auf die potenziellen Vorteile von ICS als immunmodulatorische Therapie bei älteren Patienten mit Lungenentzündung. Weitere multizentrische, prospektive Studien sind jedoch erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002936
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