Können IL-17-Hemmer das Fortschreiten von Gelenkschäden bei Psoriasis-Arthritis aufhalten?
Psoriasis-Arthritis (PsA) ist eine chronische Entzündungserkrankung, die bis zu 30 % der Menschen mit Schuppenflechte betrifft. Sie kann Gelenke, Wirbelsäule, Sehnenansätze und die Haut betreffen. Besonders besorgniserregend ist die fortschreitende Schädigung der Gelenke, die durch Röntgenbilder sichtbar gemacht wird. Bisherige Behandlungen wie TNF-Hemmer (Tumornekrosefaktor-Hemmer) haben die Therapie verbessert, doch die Rolle von IL-17-Hemmern (Interleukin-17-Hemmern) bleibt umstritten. Dieser Artikel fasst die neuesten Erkenntnisse zusammen, um zu klären, ob IL-17-Hemmer das Fortschreiten von Gelenkschäden bei PsA verlangsamen können.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Untersuchung folgte strengen wissenschaftlichen Standards (PRISMA-Richtlinien) und wurde in der Datenbank PROSPERO registriert. Forscher durchsuchten mehrere medizinische Datenbanken wie PubMed, Embase und die Cochrane Library bis zum 20. Januar 2023. Eingeschlossen wurden nur Studien, die die Wirkung von IL-17-Hemmern auf Gelenkschäden bei Erwachsenen mit PsA untersuchten. Insgesamt wurden zehn Artikel aus vier Studien analysiert, an denen 2.630 Patienten teilnahmen.
Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 48,9 Jahre alt, etwas mehr Frauen (52,7 %) als Männer, und die Krankheitsdauer lag zwischen 5,6 und 8,2 Jahren. Die Schwere der Gelenkschäden wurde mit einem speziellen Röntgenscore (van der Heijde modifizierter Total Sharp Score, vdH-mTSS) gemessen, der Werte zwischen 12,9 und 28,1 zeigte.
Die Qualität der Studien wurde als hoch eingestuft, da sie gut durchgeführt waren und nur wenige Teilnehmer die Studie vorzeitig verließen. Untersucht wurden die Wirkstoffe Secukinumab, Ixekizumab und Bimekizumab, die in den üblichen Dosierungen verabreicht wurden.
Kurzfristige Wirkung (24 Wochen)
Nach 24 Wochen wurde die Wirkung der IL-17-Hemmer an zwei Kriterien gemessen: (1) die Veränderung des vdH-mTSS-Werts und (2) der Anteil der Patienten, bei denen die Gelenkschäden nicht weiter fortschritten.
Die Ergebnisse zeigten, dass die IL-17-Hemmer-Gruppe eine deutlich geringere Verschlechterung des vdH-mTSS-Werts aufwies als die Placebo-Gruppe (standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] –1,82, 95 % Konfidenzintervall [KI] –3,05 bis –0,60). Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den Studien, was möglicherweise auf unterschiedliche Ausgangswerte und individuelle Reaktionen zurückzuführen ist.
86,1 % der Patienten in der IL-17-Hemmer-Gruppe zeigten keine weitere Verschlechterung der Gelenkschäden, verglichen mit 76,2 % in der Placebo-Gruppe (Risikoverhältnis [RR] 1,13, 95 % KI 1,08–1,18). Diese Ergebnisse waren konsistent, unabhängig von der Dosierung der Medikamente.
Langfristige Wirkung (1–3 Jahre)
In den Langzeitdaten wurden nur Patienten berücksichtigt, die kontinuierlich mit IL-17-Hemmern behandelt wurden, da die Placebo-Gruppe nach 24 Wochen auf die aktive Behandlung umgestellt wurde.
Nach einem Jahr lag die durchschnittliche Verschlechterung des vdH-mTSS-Werts bei +0,13 (95 % KI +0,02 bis +0,24), was auf ein minimales Fortschreiten der Gelenkschäden hinweist. 88 % der Patienten zeigten keine weitere Verschlechterung.
Nach zwei Jahren stieg der vdH-mTSS-Wert auf +0,48 (95 % KI +0,26 bis +0,69), und 84 % der Patienten blieben stabil. Bei den üblichen Dosierungen waren die Ergebnisse noch besser (+0,35, 95 % KI +0,03 bis +0,67).
Nach drei Jahren lag der vdH-mTSS-Wert bei +1,45 (95 % KI +0,90 bis +1,99), und 75 % der Patienten zeigten keine weitere Verschlechterung. Diese Ergebnisse sind besser als die historischen Daten zu älteren Behandlungen, bei denen die jährliche Verschlechterung oft über 1,0 lag.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Analyse zeigt, dass IL-17-Hemmer das Fortschreiten von Gelenkschäden bei PsA sowohl kurzfristig als auch langfristig deutlich verlangsamen können. Nach 24 Wochen war die Verschlechterung der Gelenkschäden nahezu gestoppt, und die Wirkung hielt über mehrere Jahre an.
IL-17-Hemmer blockieren das Entzündungsmolekül IL-17A, das bei PsA eine Schlüsselrolle bei der Zerstörung von Knochen und Gelenken spielt. Ihre Wirksamkeit bei PsA ähnelt der bei anderen entzündlichen Erkrankungen wie axialer Spondyloarthritis und Schuppenflechte.
Einschränkungen und offene Fragen
Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, gibt es einige Einschränkungen. Die Langzeitdaten stammen nur von Patienten, die kontinuierlich behandelt wurden, was die Wirksamkeit in der Praxis möglicherweise überschätzt. Zudem gab es Unterschiede in den Ausgangswerten und den vorherigen Behandlungen der Patienten.
Vergleiche mit anderen Wirkstoffen wie TNF-Hemmern oder IL-23-Hemmern fehlen, sodass weitere Studien nötig sind, um die beste Behandlungsstrategie zu ermitteln.
Fazit
IL-17-Hemmer sind ein wichtiger Fortschritt in der Behandlung von Psoriasis-Arthritis. Sie können das Fortschreiten von Gelenkschäden effektiv verlangsamen und bieten damit eine vielversprechende Option für Patienten mit einem hohen Risiko für schwere Gelenkschäden. Weitere Forschung ist nötig, um die Langzeitwirkung und die besten Kombinationstherapien zu untersuchen.
doi.org/10.1097/cm9.0000000000002860
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