Können Herzbelastung und Nierenfunktion zusammenhängen?

Können Herzbelastung und Nierenfunktion zusammenhängen? Ein Blick auf die chinesische ältere Bevölkerung

Chronische Nierenerkrankungen (CKD) sind weltweit ein ernstes Gesundheitsproblem. Ein erhöhter Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) im Urin ist ein wichtiger Hinweis auf eine eingeschränkte Nierenfunktion und ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber was hat die Belastung des Herzens damit zu tun? Die Rate-Pressure-Product (RPP) und der Pressure-Rate-Quotient (PRQ) sind Messwerte, die in der Medizin verwendet werden, um die Belastung des Herzens und die Reaktion des Körpers auf körperliche Anstrengung zu bewerten. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Werten und der Nierenfunktion, insbesondere bei älteren Menschen?

Diese Frage wurde in einer Studie untersucht, die Teil der REACTION-Studie (Risk Evaluation of cAncers in Chinese diabeTic Individuals: a lONgitudinal Study) war. Die Studie hatte ursprünglich den Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Krebsrisiko in der chinesischen Bevölkerung untersucht. Für diese Analyse wurden 47.808 Teilnehmer aus sieben Regionen Chinas (Dalian, Lanzhou, Guangzhou, Luzhou, Shanghai, Zhengzhou und Wuhan) eingeschlossen. Nach dem Ausschluss von Personen mit Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und solchen mit fehlenden Daten blieben 34.333 Teilnehmer für die endgültige Analyse übrig.

Die Studie sammelte Daten zu verschiedenen Faktoren wie Geschlecht, Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, Körpergröße, Gewicht, Taillenumfang, Hüftumfang, Cholesterinwerten, Leberwerten, Blutzuckerwerten und dem UACR. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: eine normale Gruppe (UACR <30 mg/g) und eine Albuminurie-Gruppe (UACR ≥30 mg/g). RPP wurde als Produkt des systolischen Blutdrucks (SBP) und der Herzfrequenz (HR) berechnet, während PRQ als Mittelwert des arteriellen Drucks (MAP) geteilt durch die Herzfrequenz definiert wurde. Die Teilnehmer wurden weiter in vier Gruppen basierend auf den RPP/PRQ-Perzentilen (<25%, 25%–50%, 50%–75% und ≥75%) eingeteilt.

Die Studie klassifizierte die Teilnehmer auch nach Blutzuckerwerten und Body-Mass-Index (BMI). Normale Glukosetoleranz (NGT) wurde definiert als Nüchternblutzucker (FPG) <6,1 mmol/L und postprandialer Blutzucker (PPG) <7,8 mmol/L; gestörte Glukosetoleranz (IGR) als 6,1 mmol/L ≤ FPG <7,0 mmol/L und/oder 7,8 mmol/L ≤ PPG <11,1 mmol/L; und Diabetes mellitus als FPG ≥7,0 mmol/L und/oder PPG ≥11,1 mmol/L. Die BMI-Gruppen wurden als <18,5 kg/m², 18,5–25,0 kg/m² und ≥25,0 kg/m² kategorisiert.

Die statistische Analyse wurde mit der Software SPSS 25.0 durchgeführt. Kontinuierliche Variablen wurden als Mittelwert ± Standardabweichung ausgedrückt, kategorische Variablen als Häufigkeiten und Prozentsätze. Die Varianzanalyse wurde für quantitative Daten verwendet, während der Chi-Quadrat-Test für qualitative Daten eingesetzt wurde. Eine binäre logistische Regressionsanalyse wurde durchgeführt, um die Beziehungen zwischen RPP oder PRQ und UACR zu bestimmen, wobei drei Modelle dafür erstellt wurden. Ein eingeschränktes kubisches Spline-Modell mit drei Knoten bei den 25., 50. und 75. Perzentilen von RPP und PRQ wurde verwendet, um mögliche nichtlineare Trends zu berücksichtigen.

Unter den 34.333 Teilnehmern (10.577 Männer und 23.756 Frauen) betrug das Durchschnittsalter 58,3±9,2 Jahre. Die Basischarakteristiken zeigten, dass Teilnehmer in der Albuminurie-Gruppe älter waren und höhere Werte bei den Adipositas-Indizes (BMI, Taillenumfang und Hüftumfang), systolischem Blutdruck (SBP), diastolischem Blutdruck (DBP), Herzfrequenz (HR), Blutzucker-Indizes (FPG, PPG, HbA1c und Nüchterninsulin), Triglyceriden (TGs), Leberfunktions-Indizes (ALT, AST und GGT) und Kreatinin (Cr) aufwiesen. Im Gegensatz dazu hatten die Teilnehmer in der Albuminurie-Gruppe niedrigere Werte bei HDL, LDL, Gesamtcholesterin (TC) und der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR).

Die binäre logistische Regressionsanalyse zeigte, dass RPP und höhere PRQ-Werte signifikant mit UACR in allen Modellen korrelierten. Die Korrelation zwischen RPP und UACR war stärker als die zwischen PRQ und UACR. Bei männlichen Teilnehmern waren RPP und PRQ signifikant mit UACR korreliert, wobei die Odds Ratios (ORs) mit höheren RPP- und PRQ-Perzentilen anstiegen. Zum Beispiel betrug der OR für RPP im 75. Perzentil 2,66 (95% CI: 2,18–3,25, P <0,001). Bei weiblichen Teilnehmern war RPP signifikant mit UACR korreliert, aber die Korrelation mit PRQ war nur im 50. und 75. Perzentil signifikant. Der OR für RPP im 75. Perzentil bei Frauen betrug 1,64 (95% CI: 1,46–1,84, P <0,001).

Die Studie stratifizierte die Teilnehmer auch nach Blutzuckerwerten und BMI. RPP war positiv mit UACR bei Personen mit unterschiedlichen Blutzuckerwerten assoziiert, wobei die stärkste Korrelation bei Personen mit normaler Glukosetoleranz und Diabetes mellitus beobachtet wurde. Ebenso war RPP positiv mit UACR bei Personen mit einem BMI ≥18,5 kg/m² assoziiert, wobei die stärkste Korrelation bei übergewichtigen Personen (BMI ≥25,0 kg/m²) festgestellt wurde. Höhere PRQ-Werte waren ebenfalls signifikant mit UACR in verschiedenen Blutzucker- und BMI-Untergruppen korreliert.

Die Studie zeigte, dass Albuminurie bei 13,9% der älteren chinesischen Bevölkerung vorhanden war. Erhöhte Proteinurie ist ein wichtiger Faktor für den Rückgang der Nierenfunktion bei verschiedenen Erkrankungen, einschließlich CKD, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Blutdruck und Herzfrequenz sind entscheidende Parameter für die Bewertung der Gesundheit, und die Kombination dieser Variablen, wie in RPP und PRQ, kann bessere Indikatoren für den Sauerstoffverbrauch des Herzmuskels (MVO2) liefern. RPP, das das Produkt von SBP und HR widerspiegelt, ist mit dem Schlagvolumen (SV), dem Gefäßwiderstand (VR) und der Herzfrequenz verbunden. PRQ, berechnet als MAP geteilt durch HR, spiegelt SV und VR wider. Sowohl RPP als auch PRQ werden durch die Aktivität des sympathischen und parasympathischen Nervensystems beeinflusst.

Die Studie fand heraus, dass RPP besser in der Lage ist, Nierenerkrankungen vorherzusagen als Blutdruck und PRQ, wahrscheinlich aufgrund seiner verstärkten Aktivierung des sympathischen Nervensystems, das eine wichtige Rolle bei Niereninsuffizienz spielt. Eine erhöhte Herzfrequenz kann zu Schäden an den Endothelzellen führen, was die Durchlässigkeit der Endothelzellen und die Mikroalbuminurie erhöht. Die Vorhersagefähigkeit von RPP und PRQ für CKD war bei Männern stärker als bei Frauen, was möglicherweise mit Geschlechtshormonen und der renalen Hämodynamik zusammenhängt. Frauen haben im Allgemeinen einen höheren renalen Gefäßwiderstand und einen niedrigeren absoluten Widerstand, eine geringere glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und einen geringeren renalen Plasmafluss. Östrogene erhöhen die Synthese von Angiotensinogen, verringern jedoch die Synthese von Renin und Angiotensin-Converting-Enzym (ACE), während Testosteron mit einer erhöhten Freisetzung von Renin verbunden ist.

Die Studie profitierte von einer großen, gemeindebasierten Stichprobe mit breiter geografischer Verteilung in China, was die Ergebnisse allgemein repräsentativ macht. Da es sich jedoch um eine Querschnittsstudie handelte, konnte sie nur Assoziationen feststellen und keine Kausalität nachweisen, was ihre Vorhersagekraft für Ergebnisse einschränkt. Weitere prospektive Follow-up-Studien sind erforderlich, um die Mechanismen, die der Beziehung zwischen RPP oder PRQ und UACR zugrunde liegen, vollständig zu bestimmen.

Zusammenfassend zeigte diese Studie eine signifikante Korrelation zwischen RPP oder PRQ und UACR in der chinesischen älteren Bevölkerung. Die Korrelation zwischen RPP und UACR war stärker als die zwischen PRQ oder Blutdruck und UACR, was darauf hindeutet, dass RPP ein besserer Prädiktor für CKD sein könnte. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Berücksichtigung hämodynamischer Parameter bei der Bewertung der Nierengesundheit und heben die Notwendigkeit weiterer Forschung hervor, um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002941

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