Knochensarkome: Können wir das Gelenk retten und trotzdem sicher operieren?

Knochensarkome: Können wir das Gelenk retten und trotzdem sicher operieren?

Knochensarkome, bösartige Tumore in den Knochen, stellen Ärzte vor eine schwierige Entscheidung. Traditionell müssen bei Tumoren in den Wachstumszonen der langen Knochen (Metaphyse) oft ganze Gelenke entfernt werden, um sicherzustellen, dass kein Krebsgewebe zurückbleibt. Doch was, wenn es möglich wäre, das Gelenk zu erhalten und trotzdem eine sichere Operation durchzuführen? Neue Technologien machen dies möglich.

Hintergrund: Warum ist das Gelenk so wichtig?

Bei Knochensarkomen ist die vollständige Entfernung des Tumors entscheidend, um ein Wiederauftreten zu verhindern. Bisher war es oft nötig, das benachbarte Gelenk zu entfernen, da die Tumore nahe an den Gelenkstrukturen liegen. Dies führt zu erheblichen Einschränkungen in der Beweglichkeit und Lebensqualität der Patienten.

Fortschritte in der Bildgebung, wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT), ermöglichen es heute, die genauen Grenzen des Tumors zu erkennen. Kombiniert mit computergestützter Navigation können Chirurgen präzise Schnitte durchführen, um den Tumor zu entfernen und gleichzeitig das Gelenk zu erhalten.

Wie funktioniert die computergestützte Navigation?

Die computergestützte Navigation ist wie ein GPS für Chirurgen. Sie kombiniert CT- und MRT-Daten, um ein 3D-Modell des Tumors und der umgebenden Knochenstrukturen zu erstellen. Dieses Modell hilft dem Chirurgen, die Schnittlinien so zu planen, dass sie mindestens 10 mm vom Tumorrand entfernt sind.

Während der Operation werden spezielle Marker an den Knochen befestigt, die dem System zeigen, wo sich der Patient befindet. So kann der Chirurg die geplanten Schnittlinien exakt umsetzen. Diese Technologie wurde ursprünglich für Wirbelsäulen- und Beckenoperationen entwickelt, hat sich aber auch bei Knochensarkomen bewährt.

Die Rolle von maßgefertigten Prothesen

Nach der Entfernung des Tumors bleibt oft nur ein kurzes Stück Knochen übrig. Hier kommen maßgefertigte Prothesen ins Spiel. Diese Prothesen werden speziell für jeden Patienten angefertigt und passen genau zum verbleibenden Knochen.

Ein besonderes Merkmal ist die sogenannte „extrakortikale Platte“. Diese Platte wird mit Schrauben am verbleibenden Knochen befestigt und sorgt so für zusätzliche Stabilität. Dies ist besonders wichtig, wenn nur wenig Knochen übrig bleibt.

Die Operation Schritt für Schritt

  1. Vorbereitung: Vor der Operation werden Röntgenbilder, CT- und MRT-Aufnahmen gemacht, um den Tumor genau zu kartieren.
  2. Planung: Mit Hilfe der 3D-Modelle werden die Schnittlinien und die Prothese geplant.
  3. Operation: Während der Operation führt der Chirurg die geplanten Schnitte mit Hilfe der Navigation durch.
  4. Reconstruction: Die maßgefertigte Prothese wird eingesetzt und am verbleibenden Knochen befestigt.

Langzeitergebnisse: Was zeigt die Studie?

In einer Studie mit 24 Patienten, die zwischen 2008 und 2015 operiert wurden, zeigten sich vielversprechende Ergebnisse:

  • Onkologische Sicherheit: Bei allen Patienten konnte der Tumor vollständig entfernt werden.
  • Komplikationen: Bei sechs Patienten waren Nachoperationen nötig, z.B. wegen Infektionen oder Prothesenlockerungen.
  • Funktionelle Ergebnisse: Die Patienten erreichten durchschnittlich 91 % der normalen Gelenkfunktion, gemessen an einem speziellen Bewertungssystem (MSTS-Score).

Vorteile der neuen Methode

  1. Präzision: Die computergestützte Navigation ermöglicht millimetergenaue Schnitte.
  2. Stabilität: Die maßgefertigten Prothesen mit extrakortikalen Platten bieten auch bei kurzen Knochenresten gute Stabilität.
  3. Funktion: Das erhaltene Gelenk und die frühe Mobilisierung führen zu besseren funktionellen Ergebnissen.

Einschränkungen und offene Fragen

Die Studie hat einige Grenzen. Zum einen ist die Zahl der Patienten relativ klein. Zum anderen wurden Fälle mit extrem kurzen Knochenresten (<30 mm) nicht untersucht. Hier sind weitere Studien nötig.

Zukunftsperspektiven

Die Kombination aus computergestützter Navigation und maßgefertigten Prothesen könnte die Behandlung von Knochensarkomen revolutionieren. Sie bietet eine Möglichkeit, das Gelenk zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit der Operation zu gewährleisten.

Weitere Forschung soll klären, ob diese Methode auch in schwierigen Fällen mit sehr kurzen Knochenresten anwendbar ist.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001750
For educational purposes only.

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