Kann unsere Ernährung das Risiko für Leberkrebs beeinflussen?
Leberkrebs, insbesondere das hepatozelluläre Karzinom (HCC), ist eine der tödlichsten Krebsarten weltweit. Im Jahr 2020 war Leberkrebs die siebthäufigste Krebsdiagnose und die zweithäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle. Besonders in China ist die Krankheit weit verbreitet, wo fast die Hälfte aller Fälle auftritt. Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt zwischen 5% und 30%, was die Dringlichkeit von Präventionsstrategien unterstreicht. Könnten bestimmte Nährstoffe in unserer Ernährung dabei eine Rolle spielen?
Die Rolle von Kupfer und Zink
Kupfer (Cu) und Zink (Zn) sind lebenswichtige Spurenelemente. Sie sind an vielen Prozessen im Körper beteiligt, wie der Abwehr von freien Radikalen, der Immunfunktion und der Regulierung des Stoffwechsels. Beide Elemente stehen im Fokus der Forschung, da sie möglicherweise das Krebsrisiko beeinflussen können. Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob die Aufnahme von Kupfer und Zink über die Ernährung sowie deren Konzentration im Blut mit dem Risiko für Leberkrebs zusammenhängen.
Studiendesign und Teilnehmer
Die Studie nutzte ein sogenanntes 1:1-Matched-Case-Control-Design. Das bedeutet, dass jeder Leberkrebs-Patient mit einer gesunden Person verglichen wurde, die in Alter und Geschlecht ähnlich war. Insgesamt wurden 434 Paare untersucht. Die Patienten stammten aus der Guangdong Liver Cancer Cohort (GLCC), einer Studie, die neu diagnostizierte Leberkrebsfälle verfolgt. Die gesunden Kontrollpersonen wurden aus der Guangzhou Nutrition and Health Study (GNHS) rekrutiert, einer bevölkerungsbasierten Studie.
Erfassung der Ernährung und Blutwerte
Die Ernährung der Teilnehmer wurde mithilfe eines Fragebogens erfasst, der 79 Lebensmittel umfasste. Dieser Fragebogen gab Auskunft über die übliche Ernährung im vergangenen Jahr. Die Nährstoffaufnahme wurde basierend auf der China Food Composition Table 2009 berechnet und an die gesamte Energieaufnahme angepasst. Die Konzentration von Kupfer und Zink im Blut wurde mit einer speziellen Methode, der sogenannten ICP-MS (Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry), gemessen. Das Verhältnis von Kupfer zu Zink (Cu/Zn-Verhältnis) wurde sowohl für die Ernährung als auch für die Blutwerte berechnet.
Wichtige Ergebnisse
Basisdaten der Teilnehmer
Leberkrebs-Patienten rauchten häufiger (61,1% vs. 24,7%), tranken mehr Alkohol (41,7% vs. 15,4%) und hatten häufiger eine Hepatitis-B-Infektion (84,8% vs. 11,8%) oder eine Fettleber (21,9% vs. 12,0%) im Vergleich zu den gesunden Kontrollen. Die Ernährung der Patienten war zudem von geringerer Qualität.
Zink und Kupfer in der Ernährung
Eine höhere Zinkaufnahme war mit einem geringeren Leberkrebsrisiko verbunden. Jede Erhöhung der Zinkaufnahme um eine Standardabweichung (1,81 mg/Tag) reduzierte das Risiko um 35%. Personen mit der höchsten Zinkaufnahme hatten ein 74% geringeres Risiko im Vergleich zu denen mit der niedrigsten Aufnahme. Im Gegensatz dazu zeigte die Kupferaufnahme und das Cu/Zn-Verhältnis in der Ernährung keine signifikanten Zusammenhänge mit dem Krebsrisiko.
Zink und Kupfer im Blut
Die Zinkkonzentration im Blut hatte einen starken schützenden Effekt. Jede Erhöhung um eine Standardabweichung (404 µg/L) reduzierte das Leberkrebsrisiko um 89%. Die höchste Zinkkonzentration war mit einer 98%igen Risikoreduktion verbunden. Kupfer im Blut hingegen war mit einem höheren Risiko assoziiert. Jede Erhöhung der Kupferkonzentration um eine Standardabweichung (122 µg/L) erhöhte das Risiko um das Zweifache. Das Cu/Zn-Verhältnis im Blut zeigte den stärksten Zusammenhang: Jede Erhöhung um eine Standardabweichung (0,21) war mit einem sechsfach höheren Risiko verbunden.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Die schützende Wirkung von Zink war geschlechtsspezifisch. Bei Männern reduzierte eine höhere Zinkaufnahme und eine höhere Zinkkonzentration im Blut das Risiko signifikant, während bei Frauen kein solcher Zusammenhang beobachtet wurde. Die Zusammenhänge für Kupfer und das Cu/Zn-Verhältnis unterschieden sich nicht zwischen den Geschlechtern.
Mögliche Erklärungen
Zink könnte aufgrund seiner antioxidativen und immunmodulierenden Funktionen schützend wirken. Es ist ein wichtiger Bestandteil des Enzyms Kupfer-Zink-Superoxid-Dismutase (Cu/Zn-SOD), das freie Radikale neutralisiert und so oxidativen Stress reduziert. Zink unterstützt auch die DNA-Reparatur und die Funktion des Tumorsuppressorproteins p53. Kupfer hingegen könnte eher ein Indikator für Leberfunktionsstörungen sein. Bei Leberkrebs könnte geschädigtes Lebergewebe Kupfer ins Blut freisetzen, was zu höheren Konzentrationen führt. Das Cu/Zn-Verhältnis zeigt, wie wichtig eine ausreichende Zinkversorgung ist, um mögliche Schäden durch Kupfer zu verhindern.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Studie hat mehrere Stärken, wie die gleichzeitige Erfassung von Ernährung und Blutwerten, eine sorgfältige Auswahl der Teilnehmer und die Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren. Allerdings können die Ergebnisse nicht vollständig beweisen, dass Zink oder Kupfer direkt das Krebsrisiko beeinflussen. Da die Daten nach der Krebsdiagnose erhoben wurden, könnte auch die Krankheit die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem waren die meisten Teilnehmer männlich, was die Übertragbarkeit auf Frauen einschränkt.
Fazit
Die Studie liefert starke Hinweise darauf, dass eine höhere Zinkaufnahme und höhere Zinkkonzentrationen im Blut das Risiko für Leberkrebs verringern könnten, insbesondere bei Männern. Kupfer und das Cu/Zn-Verhältnis im Blut könnten eher als Indikatoren für Leberfunktionsstörungen dienen. Eine zinkreiche Ernährung oder Zinkergänzung könnte eine mögliche Strategie zur Vorbeugung von Leberkrebs sein, besonders in Risikogruppen. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um diese Zusammenhänge zu bestätigen und gezielte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002761