Kann LBBAP gefährliche elektrische Verzögerungen am Herzen beheben?

Kann eine neue Methode zur Herzschrittmacherstimulation gefährliche elektrische Verzögerungen beheben?

Stellen Sie sich vor, das elektrische System Ihres Herzens verlangsamt sich plötzlich, wie ein Stau auf der Autobahn. Das ist nicht nur frustrierend – es kann lebensbedrohlich sein. Der Linksschenkelblock (LBBB), eine Erkrankung, bei der die elektrischen Signale auf der linken Seite des Herzens verzögert sind, betrifft Millionen von Menschen weltweit. Er führt dazu, dass das Herz ungleichmäßig schlägt, was das Risiko für Herzinsuffizienz, unregelmäßige Herzrhythmen und sogar den Tod erhöht. Seit Jahrzehnten helfen Behandlungen wie die biventrikuläre Schrittmachertherapie (BiV-CRT) einigen Patienten, doch viele sprechen nicht darauf an. Nun zeigt ein neuer Ansatz, die linksschenkelblocknahe Stimulation (LBBAP), vielversprechende Ergebnisse. Könnte dies die Lösung sein, nach der Ärzte gesucht haben?


Das Problem: Wenn das elektrische System des Herzens versagt

Ihr Herz ist auf präzise elektrische Timing angewiesen, um Blut zu pumpen. Beim LBBB wird die linke Seite des Herzens später aktiviert als die rechte, was zu einem ineffizienten „gestaffelten“ Herzschlag führt. Diese Verzögerung verlängert den QRS-Komplex (ein Teil des Herzschlags, der im Elektrokardiogramm, EKG, sichtbar ist) über die normalen Grenzen hinaus. Mit der Zeit schwächt diese Fehlfunktion den Herzmuskel, reduziert den Blutfluss und erhöht das Risiko für Komplikationen.

Traditionelle Lösungen wie BiV-CRT verwenden zwei Schrittmacherdrähte, um die Herzkammern zu koordinieren. Allerdings verbessern sich 30–40 % der Patienten mit dieser Methode nicht. Andere können sie aufgrund von Venenblockaden oder anderen körperlichen Einschränkungen nicht nutzen. Eine weitere Option, die His-Bündel-Stimulation (HBP), zielt auf einen Schlüsselteil des elektrischen Netzwerks des Herzens ab, scheitert jedoch oft an hohem Energiebedarf oder schwachen Signalen.


Der neue Ansatz: Die Verkabelung von innen reparieren

Im Jahr 2017 versuchten Ärzte in China etwas Neues. Bei einem Patienten mit schwerem LBBB und Herzinsuffizienz, der sich mit BiV-CRT oder HBP nicht verbessert hatte, platzierten sie einen Schrittmacherdraht tief in die Wand, die die linke und rechte Herzkammer trennt. Dieser Bereich, der sogenannte linksschenkelblock, ist Teil des natürlichen elektrischen Systems des Herzens. Das Ergebnis? Der Herzschlag des Patienten synchronisierte sich, die Symptome besserten sich, und die Herzfunktion erholte sich. Diese Technik, die jetzt als linksschenkelblocknahe Stimulation (LBBAP) bezeichnet wird, zielt darauf ab, das Herz von innen zu „verkabeln“.


Wie funktioniert LBBAP?

LBBAP beinhaltet das Einführen eines dünnen Drahts durch eine Vene in die rechte Herzkammer. Der Draht wird dann in die Wand (Septum) geschraubt, die die rechte und linke Seite trennt. Sobald er an Ort und Stelle ist, sendet der Schrittmacher elektrische Signale direkt an den linksschenkelblock – den natürlichen Weg, der bei LBBB blockiert ist. Dies reaktiviert das natürliche elektrische System des Herzens und stellt möglicherweise das normale Timing wieder her.

Ärzte verwenden Röntgenbilder und EKG-Aufzeichnungen, um die korrekte Platzierung zu bestätigen. Eine erfolgreiche LBBAP-Prozedur zeigt zwei Schlüsselmerkmale:

  1. Der Schrittmacher-Herzschlag sieht im EKG wie ein Rechtsschenkelblock (ein Spiegelbild des LBBB) aus.
  2. Der QRS-Komplex (ein Maß für die elektrische Geschwindigkeit) verkürzt sich auf unter 130 Millisekunden.

Was hat die Studie ergeben?

Forscher in China testeten LBBAP bei 39 Patienten mit LBBB, die Schrittmacher benötigten. Hier sind ihre Ergebnisse:

  1. Hohe Erfolgsrate: LBBAP funktionierte bei 31 Patienten (79,5 %). Bei acht anderen wechselten die Ärzte zu alternativen Methoden.
  2. Schnellere elektrische Signale: Patienten mit schwacher Herzfunktion (LVEF <50 %, ein Maß für die Pumpkraft) sahen ihre QRS-Dauer von 175 Millisekunden auf 115 Millisekunden sinken – eine Verbesserung von 34 %.
  3. Bessere Herzfunktion: Innerhalb von sechs Monaten verbesserten Patienten mit schwachen Herzen ihre LVEF von 34,6 % auf 45,8 %. Ihre Symptome besserten sich, und die Blutwerte eines Stresshormons (NT-proBNP) sanken deutlich.
  4. Wenige Komplikationen: Nur ein Patient hatte ein geringfügiges Problem (Bewegung des Drahtes), das die Ärzte schnell beheben konnten. Während der Nachbeobachtung traten keine größeren Probleme auf.

Warum ist das wichtig?

Die Vorteile von LBBAP gehen über Zahlen hinaus. Indem es das natürliche elektrische System des Herzens nutzt, vermeidet es die Schwächen älterer Methoden:

  • Keine „ungleichmäßige“ Stimulation: BiV-CRT erfordert die Stimulation von zwei Herzkammern, was sich immer noch unnatürlich anfühlen kann. LBBAP nutzt die natürlichen Wege des Herzens für eine reibungslosere Koordination.
  • Geringerer Energieverbrauch: Im Gegensatz zu HBP, das oft hohe Leistung benötigt, funktioniert LBBAP mit Standard-Schrittmachereinstellungen.
  • Einfachere Geräte: Die meisten Patienten erhielten grundlegende Zwei-Kammer-Schrittmacher, die günstiger und einfacher zu implantieren sind als komplexe BiV-CRT-Systeme.

Aber Moment – ist das eine Heilung?

Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, ist LBBAP kein Wundermittel. Die Studie war klein (39 Patienten) und kurzfristig (sechs Monate). Größere, langfristige Studien sind nötig, um Sicherheit und Nutzen zu bestätigen. Außerdem erfordert LBBAP Geschick: Ärzte müssen den Draht präzise in einem schwierigen Bereich platzieren. Noch verfügen nicht alle Krankenhäuser über die nötige Expertise.


Das große Ganze

Herzrhythmusstörungen wie LBBB betreffen 1–2 % der Erwachsenen weltweit. Mit der Alterung der Bevölkerung werden die Fälle zunehmen. Innovationen wie LBBAP könnten Lücken schließen, die ältere Behandlungen hinterlassen haben, und Hoffnung bieten, wo die Möglichkeiten bisher begrenzt waren. Zukünftige Forschungen werden untersuchen, ob LBBAP Herzinsuffizienz verhindern, Krankenhausaufenthalte reduzieren oder sogar BiV-CRT bei bestimmten Patienten ersetzen kann.


Nur zu Bildungszwecken.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001380

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