Kann Folsäure vor Fettleber schützen? Neue Erkenntnisse aus den USA
Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) betrifft weltweit etwa 24 % der Bevölkerung. Diese Erkrankung, bei der sich Fett in der Leber ansammelt, ohne dass übermäßiger Alkoholkonsum vorliegt, kann zu schwerwiegenden Folgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Folsäure, ein wichtiges B-Vitamin (B9), spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und ist an Prozessen wie der DNA-Herstellung und der Regulierung von Homocystein (einem Stoff, der mit Entzündungen in Verbindung gebracht wird) beteiligt. Doch wie hängen Folsäure und das Risiko für NAFLD zusammen? Eine aktuelle Studie aus den USA liefert neue Einblicke.
Die Studie im Überblick
Die Untersuchung nutzte Daten aus der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) 2011–2016, einer großen Gesundheitsstudie in den USA. Von ursprünglich 29.902 Teilnehmern wurden 3.995 Erwachsene über 20 Jahren in die Analyse einbezogen. Diese Personen hatten keine übermäßigen Alkoholgewohnheiten, keine Hepatitis B oder C und vollständige Daten zu ihrem Folsäurestatus.
Die NAFLD-Diagnose wurde anhand des U.S. Fatty Liver Index (USFLI) gestellt, einem Test, der Leberverfettung anzeigt. Die Folsäurewerte im Blut, einschließlich Gesamtfolsäure, 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF) und nicht verstoffwechselte Folsäure (UMFA), wurden genau gemessen. Die Aufnahme von Folsäure durch die Ernährung wurde über 24-Stunden-Erinnerungsinterviews erfasst und in sogenannte „Dietary Folate Equivalents“ (DFE) umgerechnet, um sowohl Nahrungsmittel als auch Nahrungsergänzungsmittel zu berücksichtigen.
Folsäure im Blut und NAFLD-Risiko
In der Studie hatten 33,9 % der Teilnehmer (1.355 von 3.995) eine NAFLD. Personen mit NAFLD wiesen niedrigere Werte an Gesamtfolsäure (Median: 37,0 vs. 45,7 nmol/L) und 5-MTHF (34,7 vs. 43,4 nmol/L) im Blut auf als gesunde Personen. UMFA, ein kleiner Bestandteil der Folsäure im Blut, zeigte hingegen keine Unterschiede.
Die Analyse ergab, dass höhere Werte an Gesamtfolsäure und 5-MTHF mit einem geringeren NAFLD-Risiko verbunden waren. Personen in der höchsten Folsäuregruppe (>56,9 nmol/L) hatten ein um 60 % geringeres Risiko für NAFLD im Vergleich zur niedrigsten Gruppe (≤26,5 nmol/L). Ähnlich war das Risiko in der höchsten 5-MTHF-Gruppe (>54,4 nmol/L) um 61 % reduziert. Diese Zusammenhänge blieben auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Körpergewicht und Blutfettwerten bestehen.
Folsäure aus der Ernährung
Auch die Aufnahme von Folsäure durch die Ernährung zeigte einen schützenden Effekt. Personen, die am meisten Folsäure (>894,5 μg/Tag) zu sich nahmen, hatten ein um 31 % geringeres NAFLD-Risiko im Vergleich zu denen mit der niedrigsten Aufnahme (<361,8 μg/Tag). Besonders stark war dieser Effekt bei Frauen. Interessanterweise war der Zusammenhang bei Personen ohne Bluthochdruck oder Diabetes stärker ausgeprägt, was auf eine Wechselwirkung zwischen Folsäure und Stoffwechselgesundheit hinweist.
Wie könnte Folsäure schützen?
Die schützende Wirkung von Folsäure könnte auf ihre Rolle im sogenannten „Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel“ zurückzuführen sein. Dieser Prozess hilft, Homocystein abzubauen, das mit Entzündungen und oxidativem Stress in Verbindung gebracht wird. Studien im Labor deuten darauf hin, dass ein Folsäuremangel die Fettansammlung in Leberzellen fördern kann, möglicherweise durch Veränderungen in der DNA-Methylierung (einem Prozess, der Gene an- und ausschalten kann). Zudem könnte Folsäure Entzündungsprozesse in der Leber hemmen und so vor Schäden schützen.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Studie hat mehrere Stärken, darunter die große, repräsentative Stichprobe und die genaue Messung der Folsäurewerte. Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, kann keine Ursache-Wirkung-Beziehung festgestellt werden. Die NAFLD-Diagnose wurde ohne Leberbiopsie gestellt, was zu Fehlern führen könnte. Zudem basiert die Ernährungserfassung auf Selbstangaben, die ungenau sein können.
Fazit
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass höhere Folsäurewerte im Blut, insbesondere 5-MTHF, und eine ausreichende Folsäureaufnahme durch die Ernährung mit einem geringeren NAFLD-Risiko verbunden sind. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer gesunden Ernährung und könnten die Grundlage für zukünftige Studien bilden, die untersuchen, ob Folsäurepräparate zur Vorbeugung von NAFLD beitragen können.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002516