Kann eine vollständige Rückbildung des Brustkrebses nach Chemotherapie die Ausbreitung in die Lymphknoten verhindern? Ergebnisse der CSBrS-012-Studie
Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen. Die Behandlung hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Eine wichtige Methode ist die neoadjuvante Chemotherapie (NAC). Dabei wird die Chemotherapie vor der Operation durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern. Die CSBrS-012-Studie aus China hat untersucht, wie sich diese Behandlung auf die Lymphknoten auswirkt. Die Ergebnisse könnten die Art und Weise, wie Brustkrebs behandelt wird, grundlegend verändern.
Wie wird die neoadjuvante Chemotherapie in China eingesetzt?
Zwischen 2010 und 2020 wurde die NAC in China immer häufiger verwendet. Der Anteil stieg von 9,3 % auf 16,2 %. Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den Regionen und Krankenhäusern. In einigen Kliniken wurde die NAC nur bei 3,8 % der Patientinnen angewendet, in anderen bei 36,4 %. Diese Unterschiede zeigen, dass die Behandlung oft von den Ressourcen und den Vorlieben der Ärzte abhängt.
Besonders bei Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs hat sich die Behandlung verbessert. Bis 2020 erhielten 65,1 % dieser Patientinnen gezielte Therapien. Gleichzeitig wurde die Operation schonender. Immer mehr Frauen konnten ihre Brust behalten. Auch die Entfernung von Lymphknoten wurde reduziert. Diese Trends entsprechen den weltweiten Bemühungen, die Nebenwirkungen der Behandlung zu verringern.
Wie wirkt die Chemotherapie bei verschiedenen Brustkrebsarten?
Die Studie hat gezeigt, dass die Wirkung der NAC stark vom Typ des Brustkrebses abhängt. Bei Patientinnen mit Luminal-A-Brustkrebs war die vollständige Rückbildung des Tumors (bpCR) am seltensten. Nur 5,8 % dieser Frauen erreichten eine bpCR. Bei Luminal-B-Brustkrebs lag die Rate bei 13,3 %.
Anders sah es bei HER2-positivem und triple-negativem Brustkrebs (TNBC) aus. Hier erreichten 31,9 % bzw. 30,4 % der Patientinnen eine bpCR. Diese Ergebnisse zeigen, dass aggressive Krebsarten oft besser auf die NAC ansprechen.
Auch die Lymphknoten wurden durch die NAC beeinflusst. Bei 15,3 % der Patientinnen verschwanden sowohl der Tumor als auch die Krebszellen in den Lymphknoten. Bei 30,1 % blieben die Lymphknoten frei, obwohl noch Resttumore in der Brust vorhanden waren. Allerdings gab es auch Fälle, in denen der Tumor in der Brust verschwand, aber die Lymphknoten befallen blieben.
Kann die Rückbildung des Tumors die Lymphknoten beeinflussen?
Die Studie hat untersucht, ob eine bpCR die Lymphknoten entlastet. Dafür wurden 6.142 Patientinnen mit kleinen Tumoren (cT1-2) und entweder befallenen oder nicht befallenen Lymphknoten (cN0 oder cN1) analysiert.
Bei Patientinnen ohne Lymphknotenbefall (cN0) war die bpCR ein starker Hinweis darauf, dass auch die Lymphknoten frei waren. Bei Luminal-A-Brustkrebs erreichten alle Frauen mit bpCR eine ypN0 (keine Krebszellen in den Lymphknoten). Bei anderen Brustkrebsarten lag die Rate zwischen 85,3 % und 94,5 %.
Auch bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall (cN1) war die bpCR mit einer höheren ypN0-Rate verbunden. Hier erreichten 71,8 % der Frauen mit bpCR eine ypN0, im Vergleich zu nur 31,9 % ohne bpCR. Allerdings blieben bei einigen Brustkrebsarten wie HER2-positivem und TNBC trotz bpCR Krebszellen in den Lymphknoten zurück.
Was bedeuten diese Ergebnisse für die Behandlung?
Die Studie hat wichtige Hinweise für die Behandlung von Brustkrebs geliefert. Bei Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, die eine bpCR erreichen, könnte auf die Entfernung der Lymphknoten verzichtet werden. Besonders bei HER2-positivem und TNBC ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Lymphknoten frei sind, sehr hoch.
Bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall, die nach der NAC eine ypN0 erreichen, könnte eine schonendere Operation ausreichen. Die Entfernung von weniger Lymphknoten könnte die Nebenwirkungen verringern, ohne die Sicherheit zu gefährden.
Was sind die Grenzen der Studie?
Die CSBrS-012-Studie liefert wertvolle Daten, hat aber auch Schwächen. Zum Beispiel wurde der Zustand der Lymphknoten vor der NAC oft nur durch bildgebende Verfahren bestimmt. Eine Biopsie (Gewebeentnahme) wurde nicht immer durchgeführt. Außerdem fehlen Langzeitdaten zur Überlebensrate.
Weitere Studien sind nötig, um die Sicherheit von schonenderen Operationen zu bestätigen. Auch die Rolle der Strahlentherapie nach der NAC muss genauer untersucht werden.
Fazit
Die CSBrS-012-Studie zeigt, wie sich die Behandlung von Brustkrebs in China verändert hat. Die neoadjuvante Chemotherapie wird immer häufiger eingesetzt, aber es gibt noch regionale Unterschiede. Die Ergebnisse der Studie könnten dazu beitragen, die Behandlung individueller zu gestalten.
Bei Frauen ohne Lymphknotenbefall, die eine vollständige Rückbildung des Tumors erreichen, könnte auf die Entfernung der Lymphknoten verzichtet werden. Bei Frauen mit Lymphknotenbefall ist eine sorgfältige Untersuchung der Lymphknoten nach der NAC wichtig. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer personalisierten Behandlung und einer engen Zusammenarbeit zwischen den Fachärzten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002849
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