Kann eine Stammzelltransplantation bei aggressivem Knochenmarkkrebs helfen?
Knochenmarkkrebs, auch multiples Myelom genannt, ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung. In China wurden im Jahr 2016 über 16.500 neue Fälle diagnostiziert, und mehr als 10.000 Menschen starben daran. Trotz moderner Therapien wie Proteasomhemmer und immunmodulierende Medikamente gibt es eine Gruppe von Patienten, die besonders schlechte Überlebenschancen haben. Diese Patienten haben sogenannte „Double-Hit“ oder „Triple-Hit“-Anomalien in ihren Krebszellen. Diese Begriffe bedeuten, dass die Krebszellen zwei oder drei bestimmte genetische Veränderungen aufweisen, die den Krebs besonders aggressiv machen.
In den letzten Jahren wurde die autologe periphere Blutstammzelltransplantation (APBSCT) als mögliche Behandlung für diese Hochrisikopatienten diskutiert. Doch wie effektiv ist diese Methode wirklich? Eine aktuelle Studie aus China hat dies untersucht.
Studie und Patienten
Die Studie analysierte die Daten von 240 Patienten, bei denen zwischen 2010 und 2019 in der Beijing Chao-Yang Hospital ein multiples Myelom diagnostiziert wurde. Alle Patienten erhielten eine APBSCT als Teil ihrer Erstbehandlung. Vor der Transplantation durchliefen sie eine sogenannte Induktionstherapie, bei der moderne Medikamente wie Bortezomib, Thalidomid oder Lenalidomid eingesetzt wurden.
Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt:
- Standardrisiko: Keine Hochrisiko-Anomalien (110 Patienten).
- Hochrisiko: Eine Hochrisiko-Anomalie (96 Patienten).
- Double/Triple-Hit: Zwei oder drei Hochrisiko-Anomalien (34 Patienten).
Die Behandlungsergebnisse wurden nach der Induktionstherapie und nach der Transplantation überprüft.
Ergebnisse
Ansprechen auf die Behandlung
Nach der Induktionstherapie erreichten 71,7% der Patienten eine sehr gute Teilremission (VGPR) oder besser. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Nach der Transplantation stieg diese Rate auf 84,6%. Interessanterweise verbesserten 30,3% der Patienten ihren Zustand weiter, unabhängig von ihren genetischen Risikofaktoren.
Überlebensraten
Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 33,5 Monate. Die Gesamtgruppe hatte ein medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 41 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 89 Monaten. Allerdings gab es deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen:
- Standardrisiko: PFS 82 Monate; OS 107 Monate.
- Hochrisiko: PFS 33 Monate; OS 70 Monate.
- Double/Triple-Hit: PFS 28 Monate; OS 44 Monate.
Obwohl die Double/Triple-Hit-Patienten ähnliche Ansprechraten hatten, war ihr Überleben deutlich kürzer. Dies zeigt, wie aggressiv diese Form des Myeloms ist.
Vergleich mit anderen Studien
In anderen Studien, in denen Double/Triple-Hit-Patienten keine APBSCT erhielten, lag das mediane PFS zwischen weniger als 6 und 19,7 Monaten, und das mediane OS zwischen 6 und 22,2 Monaten. Im Vergleich dazu hatten die APBSCT-behandelten Patienten in dieser Studie ein medianes PFS von 28 Monaten und ein medianes OS von 44 Monaten. Die 2-Jahres-Überlebensrate lag bei 79,2%, was höher ist als in früheren Berichten.
Faktoren, die das Überleben beeinflussen
Die Studie identifizierte mehrere Faktoren, die das Überleben der Patienten beeinflussen:
- PFS: Hochrisiko- und Double/Triple-Hit-Status erhöhten das Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit. Eine weitere Remission nach der Transplantation verringerte dieses Risiko.
- OS: Hochrisiko- und Double/Triple-Hit-Status waren mit einem kürzeren Gesamtüberleben verbunden. Tiefere Remissionen nach der Transplantation verlängerten das Überleben.
Weitere ungünstige Faktoren waren bestimmte Untertypen der Krankheit, ein fortgeschrittenes Stadium und das Vorhandensein von Tumoren außerhalb des Knochenmarks.
Bedeutung für die Praxis
Diese Studie zeigt, dass die APBSCT eine wichtige Behandlungsoption für Hochrisikopatienten mit multiplem Myelom bleibt. Für Double/Triple-Hit-Patienten scheint die Transplantation einen Überlebensvorteil gegenüber reinen Chemotherapien zu bieten. Dennoch bleiben die Ergebnisse unbefriedigend im Vergleich zu Patienten mit Standardrisiko.
Zukünftige Strategien könnten die sogenannte Tandem-Transplantation oder eine Kombination aus autologer und allogener Transplantation umfassen. Diese Ansätze haben in anderen Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt, insbesondere bei Patienten mit Tumoren außerhalb des Knochenmarks.
Fazit
Double-Hit und Triple-Hit Myelome sind besonders aggressive Formen von Knochenmarkkrebs. Diese Studie zeigt, dass die APBSCT das Überleben dieser Patienten im Vergleich zu alleinigen Chemotherapien verbessern kann. Dennoch bleibt eine deutliche Lücke zwischen Hochrisiko- und Standardrisikopatienten. Weitere Forschung ist notwendig, um die molekularen Ursachen dieser Krankheit besser zu verstehen und gezieltere Therapien zu entwickeln.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001678