Kann eine endoskopische Behandlung (POEM) bei Achalasie langfristig helfen?
Achalasie ist eine seltene, aber belastende Erkrankung der Speiseröhre. Betroffene haben Schwierigkeiten, Nahrung und Flüssigkeiten zu schlucken. Seit 2010 gibt es eine neue Behandlungsmethode: die perorale endoskopische Myotomie (POEM). Diese Methode verspricht, die Beschwerden zu lindern. Doch wie gut wirkt sie wirklich über einen längeren Zeitraum? Eine Studie mit mindestens sieben Jahren Nachbeobachtung gibt Antworten.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie untersuchte 39 Patienten, die zwischen Dezember 2010 und Juni 2012 eine POEM-Behandlung erhielten. Von diesen konnten 32 Patienten (16 Männer, 16 Frauen) mindestens sieben Jahre lang nachbeobachtet werden. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 38,6 Jahren. Die meisten hatten bereits seit durchschnittlich 24 Monaten Beschwerden, bevor sie behandelt wurden.
Vor der Behandlung mussten die Patienten 48 Stunden fasten. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) stellte sicher, dass die Speiseröhre leer war. Während der Behandlung, die unter Vollnarkose stattfand, wurde die Speiseröhrenmuskulatur durch einen kleinen Schnitt gelockert. Die gesamte Prozedur dauerte im Durchschnitt 65 Minuten.
Was geschah nach der Behandlung?
Nach der Behandlung durften die Patienten drei Tage lang nichts essen. Danach begannen sie mit flüssiger Nahrung und weicher Kost, bevor sie nach einem Monat wieder normal essen konnten. Alle Patienten erhielten Medikamente, um die Magensäure zu reduzieren und Infektionen zu verhindern.
Die Nachbeobachtung umfasste regelmäßige Kontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten. Dabei wurden verschiedene Tests durchgeführt, darunter eine Magenspiegelung, eine Druckmessung in der Speiseröhre (Hochauflösungsmanometrie) und Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel. Die letzte Untersuchung fand im Juni 2019 statt und konzentrierte sich auf die Schwere der Beschwerden, Gewichtsveränderungen und Ernährungsgewohnheiten.
Welche langfristigen Ergebnisse zeigten sich?
Wirksamkeit der Behandlung
Nach sieben Jahren hatten 88% der Patienten (28 von 32) eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden. Der sogenannte Eckardt-Score, der die Schwere der Achalasie misst, sank von durchschnittlich 7,0 vor der Behandlung auf 2,0 danach.
- 64% der Patienten (18 von 28) hatten stabile Werte über die gesamte Nachbeobachtungszeit.
- 29% (8 von 28) erlebten eine Rückkehr der Beschwerden, meist nach durchschnittlich 36 Monaten.
- 6% (2 von 28) zeigten eine weitere Verbesserung.
Vier Patienten (12%) hatten keine ausreichende Besserung.
Druckmessung in der Speiseröhre
Bei 15 Patienten wurde der Druck im unteren Speiseröhrenschließmuskel (LESP) gemessen. Dieser sank von durchschnittlich 39,5 mmHg vor der Behandlung auf 22,5 mmHg danach.
Gewichtsveränderungen
66% der Patienten (21 von 32) nahmen durchschnittlich 10 kg zu, was auf eine bessere Ernährung hindeutet. 31% (10 von 32) hielten ihr Gewicht stabil, und ein Patient verlor 8 kg.
Gab es Komplikationen?
Während und direkt nach der Behandlung
Bei 22% der Patienten (7 von 32) traten gasbedingte Komplikationen auf:
- Drei Patienten benötigten eine Thoraxdrainage wegen eines Pneumothorax (Luft in der Brusthöhle).
- Vier Patienten hatten Haut- oder Mediastinalemphyseme (Luftansammlungen im Gewebe), die sich innerhalb von 2–3 Tagen von selbst zurückbildeten.
Langfristige Refluxbeschwerden
38% der Patienten (12 von 32) berichteten über Sodbrennen. Dies wurde erfolgreich mit Medikamenten behandelt, die die Magensäure reduzieren.
Welche Ernährungsempfehlungen halfen?
Basierend auf den Erfahrungen der Patienten wurden vier Strategien identifiziert, die die Beschwerden lindern können:
- Abwechselnd Essen und Trinken: Flüssigkeiten zwischen den Bissen trockener Nahrung zu sich nehmen (15 Patienten).
- Aktivität nach dem Essen: 10–30 Minuten nach dem Abendessen spazieren gehen, um Sodbrennen zu vermeiden (13 Patienten).
- Abendliche Fastenzeit: Mindestens 4 Stunden zwischen Abendessen und Schlafengehen lassen (10 Patienten).
- Reizstoffe vermeiden: Scharfe Gewürze, Meeresfrüchte und Alkohol weglassen (10 Patienten).
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Studie zeigt, dass POEM eine langfristig wirksame Behandlung für Achalasie sein kann. Die meisten Patienten hatten auch nach sieben Jahren stabile Beschwerdefreiheit. Allerdings erlebte etwa ein Drittel der Patienten eine Rückkehr der Symptome, was weitere Forschung nötig macht.
Sodbrennen bleibt eine häufige Nebenwirkung, lässt sich aber gut mit Medikamenten und Anpassungen der Lebensweise kontrollieren. Die identifizierten Ernährungsstrategien könnten zukünftig Teil der Nachsorgeempfehlungen werden.
Nur zu Bildungszwecken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000735