Kann ein Nomogramm die Behandlung von Brustkrebs verbessern?
Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen. Viele Patientinnen erhalten vor einer Operation eine Chemotherapie. Diese Behandlung soll den Tumor verkleinern und die Operation erleichtern. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Therapie ist das Ansprechen der Lymphknoten in der Achselhöhle. Wenn nach der Chemotherapie keine Krebszellen mehr in diesen Lymphknoten zu finden sind, spricht man von einem vollständigen Ansprechen (pCR). Dies kann dazu führen, dass weniger aggressive Operationen möglich sind, was das Risiko von Komplikationen wie Lymphödemen verringert.
Das Problem: Wie kann man das Ansprechen der Lymphknoten vorhersagen?
Bisherige Methoden, wie die Entnahme einzelner Lymphknoten (SLNB), sind nicht immer genau. Dies führt oft dazu, dass unnötige Operationen durchgeführt werden. Ein neues Werkzeug, ein sogenanntes Nomogramm, könnte hier Abhilfe schaffen. Ein Nomogramm ist ein grafisches Hilfsmittel, das auf der Grundlage bestimmter Patientendaten das Risiko oder die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses berechnet.
Die Studie: Entwicklung und Test eines Nomogramms
Eine Studie aus China hat ein solches Nomogramm entwickelt und getestet. Ziel war es, das vollständige Ansprechen der Achsellymphknoten nach einer Chemotherapie vorherzusagen. Die Studie umfasste sowohl rückblickende als auch zukünftige Patientengruppen.
Rückblickende Patientengruppe
Die rückblickende Gruppe bestand aus 467 Patientinnen mit Brustkrebs, bei denen die Lymphknoten in der Achselhöhle bereits vor der Chemotherapie befallen waren. Alle Patientinnen erhielten eine Chemotherapie und anschließend eine Operation, bei der die Lymphknoten entfernt wurden.
Zukünftige Patientengruppen
Zur Überprüfung des Nomogramms wurden zwei weitere Gruppen von Patientinnen untersucht. Die erste Gruppe umfasste 167 Patientinnen, die zwischen 2016 und 2018 behandelt wurden. Die zweite Gruppe bestand aus 114 Patientinnen, die zwischen 2018 und 2020 behandelt wurden.
Behandlung und Bewertung
Die Patientinnen erhielten eine Chemotherapie, die auf Anthrazyklinen und Taxanen basierte. Bei Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs wurde zusätzlich Trastuzumab (ein Antikörper) eingesetzt. Ab 2020 wurde bei HER2-positiven Patientinnen auch Pertuzumab (ein weiterer Antikörper) verwendet.
Das Ansprechen des Tumors wurde mit Ultraschall und nach den RECIST-Kriterien bewertet. Diese Kriterien teilen das Ansprechen in vollständig (CR), teilweise (PR), stabil (SD) oder fortschreitend (PD) ein.
Die pathologische Untersuchung der entfernten Lymphknoten erfolgte nach dem Miller-Payne-System. Ein vollständiges Ansprechen (pCR) lag vor, wenn keine Krebszellen mehr in den Lymphknoten gefunden wurden.
Statistische Analyse und Entwicklung des Nomogramms
Mithilfe von statistischen Methoden wurden Faktoren identifiziert, die das vollständige Ansprechen der Lymphknoten vorhersagen können. Dazu gehörten Alter, klinisches Tumorstadium, Tumorhistologie, histologischer Grad, Ansprechen des Primärtumors, Hormonrezeptorstatus (ER/PR) und HER2-Status.
Das Nomogramm wurde intern anhand der rückblickenden Patientengruppe getestet. Dabei wurde die Gruppe in eine Trainings- und eine Testgruppe aufgeteilt. Die Genauigkeit des Modells wurde anhand der Fläche unter der ROC-Kurve (AUC) bewertet.
Hauptergebnisse
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Rückblickende Patientengruppe
- Rate des vollständigen Ansprechens (pCR): 24,6% (115 von 467 Patientinnen).
- Vorhersagefaktoren für pCR:
- Klinisches T4-Stadium: Verringerte die Wahrscheinlichkeit eines pCR (OR: 0,321).
- Vollständiges Ansprechen des Primärtumors (CR): Stärkster Vorhersagefaktor (OR: 0,189).
- ER-Positivität: Geringere pCR-Raten (OR: 0,530).
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Leistung des Nomogramms
- Interne Überprüfung:
- AUC in der Trainingsgruppe: 0,719.
- AUC in der Testgruppe: 0,753.
- Externe Überprüfung:
- AUC in der CHCAMS-Gruppe: 0,720.
- AUC in der BTH-Gruppe: 0,720.
- Interne Überprüfung:
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Erkenntnisse aus den zukünftigen Patientengruppen
- Höhere pCR-Raten: In den zukünftigen Gruppen waren die pCR-Raten höher (37,1% in CHCAMS, 40,3% in BTH) im Vergleich zur rückblickenden Gruppe (24,6%). Dies könnte auf Fortschritte in der Chemotherapie und gezielten Therapien zurückzuführen sein.
Klinische Bedeutung
Das Nomogramm kombiniert drei leicht verfügbare klinische Variablen: klinisches Tumorstadium, Ansprechen des Primärtumors und ER-Status. Es kann die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Ansprechens der Lymphknoten vorhersagen. Dies hilft Chirurgen bei der Entscheidung, ob eine Entfernung aller Lymphknoten (ALND) notwendig ist oder ob eine weniger aggressive Operation (SLNB) ausreicht.
Einschränkungen und zukünftige Forschung
Die Studie hatte einige Einschränkungen, wie die rückblickende Natur und fehlende Daten. Zukünftige Forschung sollte molekulare Marker und bildgebende Verfahren einbeziehen, um die Vorhersagegenauigkeit zu verbessern.
Zusammenfassung
Das entwickelte Nomogramm ist ein nützliches Werkzeug, um das vollständige Ansprechen der Achsellymphknoten nach einer Chemotherapie vorherzusagen. Es kann dazu beitragen, die Behandlung von Brustkrebspatientinnen zu individualisieren und die Lebensqualität zu verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001876
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