Kann ein neues Gerät Menschen mit schwer behandelbarer Epilepsie helfen?
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Besonders schwierig ist es, wenn die Epilepsie nicht auf Medikamente anspricht. Diese Form der Epilepsie wird als medikamentenresistente Epilepsie (DRE) bezeichnet. Für viele Patienten gibt es bisher nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten. Doch was, wenn es eine neue Technologie gäbe, die Hoffnung bietet? In China wurde ein neuartiges System entwickelt, das genau das verspricht: die Responsive Neurostimulation (RNS).
Was ist Responsive Neurostimulation (RNS)?
Die Responsive Neurostimulation ist eine innovative Behandlungsmethode, die nicht darauf abzielt, den Bereich im Gehirn, in dem die Anfälle entstehen, chirurgisch zu entfernen. Stattdessen wird versucht, die epileptischen Anfälle zu kontrollieren, indem bestimmte Bereiche im Gehirn gezielt stimuliert werden. Das System überwacht kontinuierlich die Gehirnaktivität und sendet bei Bedarf kleine elektrische Impulse aus, um abnormale Aktivitäten zu unterbrechen. Dies geschieht in Echtzeit – das System reagiert also direkt auf die Gehirnaktivität.
Das erste RNS-System in China
In den USA und Europa wird das NeuroPace-RNS-System bereits seit 2013 eingesetzt. In China war dieses System bisher nicht verfügbar. Ein chinesisches Forschungsteam hat nun ein eigenes RNS-System entwickelt und in einer ersten Studie (First-in-Man-Studie) getestet. Die Studie wurde in drei großen Krankenhäusern in China durchgeführt: dem Xuanwu Hospital in Peking, dem Huashan Hospital in Shanghai und dem Second Affiliated Hospital in Hangzhou.
Wer nahm an der Studie teil?
An der Studie nahmen zehn Patienten im Alter von 14 bis 70 Jahren teil, die an medikamentenresistenter Epilepsie litten. Alle Patienten hatten trotz der Einnahme von mindestens zwei antiepileptischen Medikamenten weiterhin Anfälle. Die Epilepsie der Patienten war auf einen oder zwei bestimmte Bereiche im Gehirn beschränkt, und sie hatten in den letzten sechs Monaten keine neurochirurgischen Eingriffe hinter sich.
Wie wurde das RNS-System implantiert?
Das RNS-System besteht aus Elektroden, die in das Gehirn implantiert werden, und einem kleinen Gerät, das unter der Kopfhaut platziert wird. Die Elektroden werden entweder tief im Gehirn (Tiefenelektroden) oder auf der Oberfläche des Gehirns (Streifenelektroden) positioniert, abhängig davon, wo die epileptischen Anfälle entstehen. Die Platzierung der Elektroden wurde sorgfältig geplant, basierend auf den Ergebnissen vorheriger Untersuchungen wie der Stereo-Elektroenzephalographie (SEEG), die hilft, den genauen Ursprung der Anfälle zu lokalisieren.
Wie funktioniert die Stimulation?
Ein Monat nach der Implantation wurde das Gerät aktiviert. Die Stimulation erfolgte in kurzen Impulsen, die direkt an die betroffenen Bereiche im Gehirn gesendet wurden. Die meisten Patienten erhielten fünf bis sechs Impulse pro Sekunde, wobei jeder Impuls etwa 160 Mikrosekunden dauerte. Die genauen Einstellungen wurden individuell angepasst, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.
Was waren die Ergebnisse der Studie?
Die Patienten wurden über einen durchschnittlichen Zeitraum von 5,1 Monaten beobachtet. Die Ergebnisse zeigten, dass die Häufigkeit der epileptischen Anfälle im Durchschnitt um 42,1 % zurückging. Bei sieben Patienten, die länger als drei Monate beobachtet wurden, reduzierte sich die Anfallshäufigkeit sogar um 61,1 %. Ein Patient wurde komplett anfallsfrei. Zusätzlich berichteten viele Patienten von einer kürzeren Dauer der Anfälle, mehr anfallsfreien Tagen pro Monat und einer geringeren Schwere der Anfälle.
Gab es Nebenwirkungen?
Während der Studie traten sieben Nebenwirkungen auf, die jedoch alle mild waren und durch Anpassung der Stimulationsparameter behoben werden konnten. Drei Patienten hatten vorübergehende Symptome wie Schwindel, leichte Muskelkrämpfe oder ein Kribbeln. Drei Patienten hatten für ein bis zwei Tage leichtes Fieber, was nach neurochirurgischen Eingriffen nicht ungewöhnlich ist. Bei einem Patienten trat ein Hämatom auf, das jedoch ohne weitere chirurgische Eingriffe abheilte.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Studie zeigt, dass das neue RNS-System eine sichere und wirksame Behandlungsoption für Patienten mit medikamentenresistenter Epilepsie in China sein könnte. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass es sich um eine erste Studie mit einer kleinen Anzahl von Patienten und einer kurzen Nachbeobachtungszeit handelt. Weitere Forschung mit größeren Patientengruppen und längeren Beobachtungszeiträumen ist notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Fazit
Die Responsive Neurostimulation ist eine vielversprechende Technologie für Patienten, deren Epilepsie nicht auf Medikamente anspricht. Das in China entwickelte RNS-System könnte in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Behandlung dieser Patienten spielen. Es bietet eine minimalinvasive Alternative zu herkömmlichen chirurgischen Eingriffen und könnte vielen Patienten helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002821