Kann ein einfacher Bluttest Schilddrüsenkrebs erkennen?

Kann ein einfacher Bluttest Schilddrüsenkrebs erkennen?

Schilddrüsenkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten im Hormonsystem. Besonders der papilläre Schilddrüsenkrebs (PTC) macht dabei 85–90 % aller Fälle aus. Obwohl es Fortschritte in der Diagnostik gibt, sind viele Methoden invasiv, teuer oder abhängig von der Erfahrung des Arztes. Könnte ein Bluttest die Lösung sein?

Die Herausforderung: Nicht-invasive Diagnostik

Aktuelle Methoden wie die Feinnadelaspirationsbiopsie (FNA) sind zwar effektiv, aber sie haben Nachteile. Sie sind invasiv, können unangenehm sein und sind nicht immer eindeutig. Deshalb suchen Forscher nach einfacheren Wegen, Schilddrüsenkrebs zu erkennen. Eine vielversprechende Möglichkeit sind sogenannte MicroRNAs (miRNAs). Diese kleinen Moleküle spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Genen und sind im Blut stabil nachweisbar.

Die Studie: Ein Drei-MiRNA-Panel

Eine Studie zwischen 2015 und 2017 untersuchte, ob bestimmte miRNAs im Blut als Biomarker für PTC dienen können. Die Studie bestand aus vier Phasen: Screening, Training, Testen und externe Validierung. Insgesamt wurden Blutproben von 100 PTC-Patienten, 96 gesunden Personen und 30 Patienten mit gutartigen Schilddrüsenknoten (NG) analysiert.

Screening-Phase: Die Suche nach Kandidaten

In der ersten Phase wurden 179 miRNAs in Blutproben von 20 PTC-Patienten, 20 NG-Patienten und 10 gesunden Personen untersucht. Dabei wurden 40 miRNAs identifiziert, die bei PTC-Patienten anders exprimiert waren. Vier weitere miRNAs, die in früheren Studien mit Schilddrüsenkrebs in Verbindung gebracht wurden, kamen hinzu, sodass 44 Kandidaten für die nächsten Phasen ausgewählt wurden.

Training, Testen und Validierung

In den folgenden Phasen wurden die vielversprechendsten miRNAs in größeren Gruppen getestet. Dabei wurden drei miRNAs identifiziert, die bei PTC-Patienten im Blut deutlich erhöht waren:

  • miR-25-3p
  • miR-296-5p
  • miR-92a-3p

Diese drei miRNAs wurden zu einem Diagnose-Panel kombiniert. Die Genauigkeit dieses Panels wurde in verschiedenen Phasen überprüft:

  • Training: AUC = 0,727 (95 % KI: 0,600–0,855)
  • Testen: AUC = 0,771 (95 % KI: 0,669–0,874)
  • Externe Validierung: AUC = 0,862 (95 % KI: 0,734–0,990)

Das Panel konnte PTC zuverlässig von gutartigen Schilddrüsenknoten unterscheiden (AUC = 0,969, 95 % KI: 0,927–1,000).

Unterschiede in Gewebe und Exosomen

Interessanterweise waren die Ergebnisse in Gewebeproben und Exosomen (kleine Bläschen, die von Zellen freigesetzt werden) anders. Während die drei miRNAs im Blut erhöht waren, waren miR-25-3p und miR-92a-3p im Gewebe von PTC-Patienten reduziert. In Exosomen war nur miR-296-5p erhöht. Dies deutet darauf hin, dass die Freisetzung von miRNAs in den Blutkreislauf komplex reguliert ist.

Warum sind diese miRNAs wichtig?

Die drei miRNAs sind an verschiedenen Prozessen beteiligt, die mit Krebs in Verbindung stehen. Analysen zeigten, dass sie in Signalwege eingreifen, die das Zellwachstum, den Zelltod und den Stoffwechsel beeinflussen. Dies könnte erklären, warum sie bei Schilddrüsenkrebs verändert sind.

Was bedeutet das für die Praxis?

Das Drei-MiRNA-Panel könnte eine einfache und kostengünstige Methode sein, um Schilddrüsenkrebs zu diagnostizieren. Besonders bei unklaren FNA-Ergebnissen könnte es helfen, unnötige Operationen zu vermeiden. Allerdings gibt es noch einige offene Fragen:

  1. Größere Studien: Die Ergebnisse müssen in größeren Gruppen bestätigt werden.
  2. Mechanismen: Wie genau tragen diese miRNAs zur Entstehung von Schilddrüsenkrebs bei?
  3. Unterschiede: Warum sind die miRNAs in Blut, Gewebe und Exosomen unterschiedlich exprimiert?

Fazit

Die Studie zeigt, dass miR-25-3p, miR-296-5p und miR-92a-3p im Blut ein vielversprechendes Diagnose-Tool für papillären Schilddrüsenkrebs sein könnten. Mit hoher Genauigkeit können sie PTC von gutartigen Erkrankungen unterscheiden. Weitere Forschung ist nötig, um die genauen Mechanismen zu verstehen und das Panel in der klinischen Praxis zu etablieren.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001107

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