Kann der Tri-Ponderal-Mass-Index (TMI) den Body-Mass-Index (BMI) bei der Bewertung von Herz-Kreislauf-Risiken bei Kindern und Jugendlichen ersetzen?
Die Zahl übergewichtiger und fettleibiger Kinder und Jugendlicher steigt weltweit rasant an. In China hat sich die Zahl der übergewichtigen Schüler im Alter von 7 bis 18 Jahren seit 1985 mehr als verdoppelt. Übergewicht im Kindesalter erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter. Doch wie können wir frühzeitig feststellen, welche Kinder gefährdet sind?
Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein weit verbreitetes Maß zur Beurteilung von Übergewicht. Doch bei Kindern und Jugendlichen ist der BMI nicht immer zuverlässig. Während der Pubertät verändert sich der Körper stark. Der BMI kann nicht immer genau anzeigen, ob ein Kind zu viel Fett oder eher Muskeln hat. Zudem gibt es für den BMI alters-, geschlechts- und ethnienabhängige Grenzwerte, was seine Anwendung erschwert.
Ein neueres Maß, der Tri-Ponderal-Mass-Index (TMI), könnte eine bessere Alternative sein. Der TMI berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Körpergröße hoch drei (kg/m³). Einige Studien deuten darauf hin, dass der TMI genauer ist als der BMI, wenn es darum geht, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen. Doch stimmt das wirklich? Eine aktuelle Studie aus China hat den TMI und den BMI bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren verglichen.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
An der Studie nahmen 1.587 Kinder und Jugendliche aus Peking teil. Die Forscher maßen das Gewicht, die Körpergröße, den Taillenumfang und den Blutdruck der Teilnehmer. Zudem wurden Blutproben genommen, um Cholesterin-, Triglycerid- und Blutzuckerwerte zu bestimmen. Aus den Daten wurden der BMI und der TMI berechnet. Der Taillenumfang im Verhältnis zur Körpergröße (WHtR) diente als Maß für Bauchfett.
Die Forscher untersuchten, wie gut der BMI und der TMI Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, erhöhte Blutzuckerwerte, Bauchfett und das Vorliegen mehrerer Risikofaktoren gleichzeitig (geclustert) erkennen konnten. Dazu verwendeten sie statistische Methoden wie logistische Regression und die Berechnung der Fläche unter der Kurve (AUC), um die Genauigkeit der beiden Maße zu vergleichen.
Was waren die Ergebnisse?
Die Studie ergab, dass der TMI im Vergleich zum BMI besser darin war, Bluthochdruck, Bauchfett und geclusterte Risikofaktoren zu erkennen. Beispielsweise war die Wahrscheinlichkeit, Bluthochdruck zu haben, bei einem höheren TMI um 1,19-fach erhöht, während sie beim BMI nur um 1,14-fach erhöht war. Bei der Erkennung von Bauchfett war der TMI deutlich überlegen (AUC: 0,92 vs. 0,85).
Allerdings schnitt der TMI bei der Erkennung von Fettstoffwechselstörungen und erhöhten Blutzuckerwerten schlecht ab. Hier waren die AUC-Werte mit 0,58 und 0,49 niedrig. Bei der Erkennung geclusterter Risikofaktoren waren der TMI und der BMI ähnlich gut (AUC: 0,83 vs. 0,85). Die Gesamtfehlerrate lag für den TMI zwischen 6,5 % und 16,4 %, was nicht signifikant anders war als beim BMI.
Interessanterweise verbesserte die Kombination von TMI und WHtR die Genauigkeit bei der Erkennung von Risikofaktoren deutlich. Die Wahrscheinlichkeit, geclusterte Risikofaktoren zu haben, stieg bei der Kombination von TMI und WHtR auf das 8,06-fache an.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Studie zeigt, dass der TMI eine vielversprechende Alternative zum BMI sein könnte, um bei Kindern und Jugendlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen. Der TMI war besonders gut darin, Bluthochdruck und Bauchfett zu identifizieren. Zudem war der TMI stabiler über verschiedene Altersgruppen hinweg und einfacher anzuwenden.
Allerdings war der TMI weniger geeignet, um Fettstoffwechselstörungen und erhöhte Blutzuckerwerte zu erkennen. Dies deutet darauf hin, dass der TMI nicht für alle Risikofaktoren gleichermaßen gut geeignet ist. Weitere Forschung ist nötig, um die Langzeitwirkung des TMI zu untersuchen und seine Anwendung in anderen Bevölkerungsgruppen zu testen.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Studie hat mehrere Stärken. Dazu gehören die große Teilnehmerzahl, die Einbeziehung von Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren und der Vergleich von TMI und BMI mit verschiedenen statistischen Methoden. Allerdings hat die Studie auch Schwächen. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, können keine kausalen Zusammenhänge abgeleitet werden. Zudem beschränkte sich die Studie auf eine Stadt in China, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken könnte.
Fazit
Der TMI könnte eine bessere Alternative zum BMI sein, um bei Kindern und Jugendlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen. Er war besonders gut darin, Bluthochdruck und Bauchfett zu identifizieren und zeigte ähnliche Ergebnisse wie der BMI bei geclusterten Risikofaktoren. Allerdings war der TMI weniger geeignet, um Fettstoffwechselstörungen und erhöhte Blutzuckerwerte zu erkennen. Weitere Studien sind nötig, um die Rolle des TMI in der klinischen Praxis zu bestätigen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002349