Ist die Brustwarzen-erhaltende Mastektomie (NSM) eine sichere Option für Brustkrebspatientinnen?

Ist die Brustwarzen-erhaltende Mastektomie (NSM) eine sichere Option für Brustkrebspatientinnen?

Die Behandlung von Brustkrebs hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Eine dieser Entwicklungen ist die Brustwarzen-erhaltende Mastektomie (Nipple-Sparing Mastectomy, NSM). Diese Methode ermöglicht es, die Brustwarze und den Warzenhof (NAC) zu erhalten, während das Brustgewebe entfernt wird. Doch wie sicher ist diese Methode wirklich? Eine große Studie in China hat nun die Anwendung, Komplikationen und Ergebnisse der NSM untersucht.

Studie und Patientenmerkmale

Die Studie analysierte rückblickend 615 Patientinnen (641 NSM-Eingriffe) aus 28 medizinischen Zentren in China. Die Daten wurden zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2018 erhoben. Interessanterweise lag der Anteil der NSM-Eingriffe an allen Brustoperationen in China bei nur 2,67%. Die Anwendung variierte stark zwischen den Zentren (0,22% bis 14,21%).

Das Durchschnittsalter der Patientinnen betrug 43 Jahre (Spanne: 22–79 Jahre), wobei 74,2% zwischen 31 und 50 Jahre alt waren. Fast alle Teilnehmerinnen waren Frauen (99,5%), darunter drei Männer mit Brustvergrößerung (Gynäkomastie) oder Brustkrebs. Die meisten NSM-Eingriffe wurden aufgrund von bösartigen Tumoren durchgeführt (87,2%, 559/641). Die häufigsten Krebsarten waren invasives duktales Karzinom (63,2%), duktales Karzinom in situ (20,4%) und invasives lobuläres Karzinom (2,8%). Gutartige Erkrankungen machten 10,3% der Fälle aus, darunter intraduktale Papillome, Phyllodes-Tumoren und Gynäkomastie.

Chirurgische Techniken und Wiederaufbau

Von den 615 Patientinnen erhielten 475 (77,3%) eine NSM mit sofortigem Wiederaufbau der Brust. Am häufigsten wurde ein Implantat verwendet (53,7%), gefolgt von Gewebeexpandern (12,2%) und autologem Gewebe (8,7%). Die Wahl des Wiederaufbaus hing stark vom Alter ab (P < 0,001): 84,6% der Patientinnen unter 35 Jahren entschieden sich für einen Wiederaufbau, während es bei den über 55-Jährigen nur 45,6% waren.

Bei den Schnitttechniken wurden radiale Schnitte am häufigsten verwendet (31,4%). Kurvenförmige Schnitte waren bei Wiederaufbau-Fällen häufiger (18,4%), während kreisförmige Schnitte um den Warzenhof bei Nicht-Wiederaufbau-Fällen bevorzugt wurden (19,1%). Schnitte unter der Brust (inframammär) machten 11,9% der Eingriffe aus.

Sicherheit und Tumormerkmale

Die Tumorgröße lag im Durchschnitt bei 2,4 cm (Spanne: 0,2–15 cm), wobei 49% der Tumore ≤2 cm groß waren. Der Abstand zwischen Tumor und Brustwarze (TND) spielte eine entscheidende Rolle: Bei 12,5% der Patientinnen lag der TND ≤2 cm, was mit höheren Komplikationsraten verbunden war (8,8% vs. 1,8% bei TND >2 cm, P = 0,004).

Mehrfach auftretender Brustkrebs (multizentrisch) zeigte höhere Rückfallraten (5,0% vs. 0,8% bei einzelnen Tumoren) und Komplikationen (5,0% vs. 2,7%). Die Beteiligung der Achsellymphknoten erhöhte das Metastasenrisiko (2,2% vs. 0,1% bei negativen Lymphknoten, P < 0,01). In 90,9% der Fälle waren die Ränder des entfernten Gewebes frei von Krebszellen. Bei 3,0% (19/641) waren die Ränder positiv, was in 68,4% dieser Fälle zur Entfernung der Brustwarze führte.

Komplikationen und Rückfälle

Postoperative Komplikationen traten bei 2,93% der Patientinnen auf (18/615). Dazu gehörten teilweise Nekrosen des Warzenhofs (4 Fälle), Hautlappennekrosen (1 Fall), schlechte Wundheilung (9 Fälle), Hämatome (1 Fall) und Serome (3 Fälle). Weder Tumorgröße, Lage, molekulare Untertypen noch Brustwarzenausfluss korrelierten mit Komplikationen.

Nach einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von sechs Monaten erlebten sieben Patientinnen (1,1%) einen Rückfall oder Metastasen: zwei lokale Rückfälle an der Brustwand und fünf Fernmetastasen (zwei in den Organen). Alle Rückfälle betrafen invasives duktales Karzinom ohne Brustwarzenausfluss, mit einem durchschnittlichen TND von 2,85 cm und einer Tumorgröße von 3,58 cm.

Strahlentherapie und zusätzliche Behandlungen

Die Strahlentherapie zeigte eine Komplikationsrate von 13,3% bei Bestrahlung der Brustwarze gegenüber 3,1% bei Bestrahlung der Brustwand, allerdings ohne statistische Signifikanz (P = 0,161). Systemische Therapien umfassten neoadjuvante Chemotherapie (14,4%), adjuvante Chemotherapie (43,5%) und zielgerichtete Therapien wie Herceptin. Bemerkenswert ist, dass zwei Patientinnen mit positiven Rändern trotz zusätzlicher Behandlung Fernmetastasen entwickelten, was die Bedeutung einer vollständigen Entfernung des Tumorgewebes unterstreicht.

Diskussion und klinische Bedeutung

Die Studie zeigt, dass NSM in China eine praktikable Option mit akzeptablen Komplikationsraten ist, wenn strenge Auswahlkriterien eingehalten werden. Besonders der Abstand zwischen Tumor und Brustwarze (TND >2 cm) ist entscheidend. Die niedrige nationale Anwendungsrate deutet jedoch auf ungenutztes Potenzial hin.

Zukünftige Forschungen sollten sich auf die Standardisierung chirurgischer Techniken, die Optimierung von Strahlentherapiestrategien und Langzeitstudien konzentrieren, um die Rolle der NSM in der modernen Brustkrebsbehandlung zu festigen.

Nur zu Bildungszwecken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001350

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