Ist das Verhältnis von Bauchfett zu Gesamtkörperfett der beste Indikator für Herzkrankheiten?

Ist das Verhältnis von Bauchfett zu Gesamtkörperfett der beste Indikator für Herzkrankheiten?

Herzkrankheiten sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Viele Menschen wissen, dass Übergewicht ein Risikofaktor ist. Doch nicht alle Fettarten sind gleich gefährlich. Neue Forschungen zeigen, dass das Verhältnis von Bauchfett (viszerales Fett) zu Gesamtkörperfett ein besserer Indikator für Herzkrankheiten sein könnte als bisherige Messmethoden.

Warum ist Bauchfett so gefährlich?

Fett ist nicht gleich Fett. Während Unterhautfett (subkutanes Fett) eher harmlos ist, kann Bauchfett (viszerales Fett) schädlich sein. Bauchfett umgibt die inneren Organe und setzt entzündungsfördernde Stoffe frei. Diese Stoffe können zu Insulinresistenz, hohem Cholesterinspiegel und Schäden an den Blutgefäßen führen. Herzkrankheiten sind oft die Folge.

Bisherige Messmethoden wie der Body-Mass-Index (BMI) oder der Taillen-Hüft-Quotient (WHR) berücksichtigen nicht, wo das Fett sitzt. Ein neuer Index, das Verhältnis von Bauchfett zu Gesamtkörperfett (VBR), könnte hier Abhilfe schaffen.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Studie basiert auf Daten von 12.060 Erwachsenen aus China, die zwischen September 2018 und Januar 2020 an jährlichen Gesundheitsuntersuchungen teilnahmen. Die Teilnehmer waren zwischen 20 und 91 Jahre alt, darunter 5.109 Männer und 6.951 Frauen.

Die Forscher maßen Körpergröße, Gewicht, Taillen- und Hüftumfang. Mit einer speziellen Methode (bioelektrische Impedanzanalyse) wurden das Bauchfett (VFA), das Gesamtkörperfett (BFM) und der Körperfettanteil (PBF) bestimmt. Der neue Index VBR wurde berechnet, indem das Bauchfett durch das Gesamtkörperfett geteilt wurde.

Die Teilnehmer füllten auch Fragebögen zu ihrem Lebensstil, ihrer Krankengeschichte und anderen Faktoren aus. Die Daten wurden nach Geschlechtern getrennt analysiert, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu erkennen.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Bei Menschen mit Herzkrankheiten waren alle gemessenen Werte (VBR, BMI, WHR, BFM, PBF, VFA) höher als bei gesunden Personen. Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Rauchen und körperlicher Aktivität zeigte sich, dass ein Anstieg des VBR das Risiko für Herzkrankheiten bei beiden Geschlechtern erhöht.

Bei Frauen war der Zusammenhang zwischen VBR und Herzkrankheiten besonders stark. Das Risiko für Herzkrankheiten stieg bei Frauen um das Doppelte, wenn der VBR anstieg. Bei Männern war das Bauchfett (VFA) der stärkste Indikator, gefolgt vom Körperfettanteil (PBF) und dem VBR.

VBR als bester Indikator

Die Forscher untersuchten, wie gut die verschiedenen Messmethoden Herzkrankheiten vorhersagen konnten. Dabei schnitt der VBR am besten ab. Bei Frauen lag die Genauigkeit (AUC) des VBR bei 0,821, deutlich höher als bei anderen Methoden wie dem Bauchfett (0,745) oder dem BMI (0,689). Bei Männern war der VBR mit einem AUC von 0,753 ebenfalls der beste Indikator.

Die optimalen Grenzwerte für den VBR wurden bei 4,84 cm²/kg für Frauen und 4,63 cm²/kg für Männer festgelegt. Diese Werte könnten in Zukunft dazu dienen, das Risiko für Herzkrankheiten besser einzuschätzen.

Warum ist der VBR so aussagekräftig?

Der VBR kombiniert zwei wichtige Aspekte: die Menge des Bauchfetts und das Gesamtkörperfett. Bauchfett ist besonders gefährlich, weil es Entzündungen fördert und den Stoffwechsel negativ beeinflusst. Gleichzeitig kann Unterhautfett sogar schützend wirken, indem es überschüssige Fette speichert und entzündungshemmende Hormone freisetzt.

Geschlechtsspezifische Unterschiede erklären, warum der VBR bei Frauen besser funktioniert. Männer haben in der Regel mehr Bauchfett, während Frauen mehr Unterhautfett haben. Bei Männern ist das Bauchfett stärker mit Entzündungen verbunden, was seine Vorhersagekraft für Herzkrankheiten beeinträchtigen könnte.

Einschränkungen und zukünftige Forschung

Die Studie hat einige Grenzen. Da es sich um eine Momentaufnahme handelt, kann sie keine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen VBR und Herzkrankheiten beweisen. Langzeitstudien sind nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Zudem wurde das Bauchfett mit einer einfachen Methode (bioelektrische Impedanzanalyse) gemessen. Genauere Methoden wie CT oder MRT könnten die Ergebnisse verbessern. Zukünftige Forschungen sollten auch untersuchen, ob der VBR bei anderen Krankheiten wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen hilfreich ist.

Fazit

Das Verhältnis von Bauchfett zu Gesamtkörperfett (VBR) könnte ein besserer Indikator für Herzkrankheiten sein als bisherige Messmethoden. Besonders bei Frauen zeigt der VBR eine hohe Vorhersagekraft. Diese neue Methode könnte helfen, Herzkrankheiten früher zu erkennen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002601

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