Intra-operative Cell Salvage bei Kaiserschnitt: Eine sichere Alternative zur Fremdbluttransfusion?
Ein Kaiserschnitt kann lebensrettend sein, birgt aber auch Risiken. Besonders gefährlich ist dabei der Blutverlust, der weltweit eine der häufigsten Ursachen für mütterliche Sterblichkeit darstellt. Bei Frauen mit einer Plazenta praevia, bei der die Plazenta den Muttermund bedeckt, ist das Risiko für starke Blutungen noch höher. Bisher war die Standardbehandlung in solchen Fällen die Fremdbluttransfusion (ABT). Doch diese Methode bringt eigene Risiken mit sich, wie Infektionen, Abwehrreaktionen des Körpers und Engpässe in der Blutversorgung. Könnte die intra-operative Zellsalvage (IOCS), bei der das eigene Blut der Patientin während der Operation gesammelt, aufbereitet und zurückgeführt wird, eine sichere Alternative sein?
Studiendesign und Patientengruppen
In dieser retrospektiven Studie wurden 361 Frauen untersucht, bei denen zwischen Mai 2016 und Dezember 2018 ein Kaiserschnitt aufgrund einer zentralen Plazenta praevia in einem Krankenhaus der Maximalversorgung durchgeführt wurde. Von diesen erhielten 196 Frauen eine autologe Transfusion mittels IOCS, während 165 Frauen eine Fremdbluttransfusion bekamen. Um Verzerrungen zu minimieren, wurde eine sogenannte Propensity-Score-Matching-Methode eingesetzt. Dabei wurden Faktoren wie Alter, Gewicht, Gesundheitszustand (ASA-Klassifikation), Art der Betäubung und Operationsdauer berücksichtigt. Nach dieser Anpassung wurden 137 Paare in jeder Gruppe verglichen, sodass beide Gruppen in ihren Merkmalen vergleichbar waren.
Das IOCS-Verfahren
Für die IOCS wurde das Cell-Saver-System BW-8200B (WanDong Health Sources Corporation, Peking, China) verwendet. Das während der Operation verlorene Blut wurde über ein spezielles Saugsystem gesammelt, das mit Heparin behandelt war, um die Gerinnung zu verhindern. Um eine Vermischung mit Fruchtwasser zu vermeiden, wurde ein separater Saugkanal verwendet. Das gesammelte Blut wurde dann zentrifugiert, um die roten Blutkörperchen (RBCs) zu isolieren. Anschließend wurde es mit Kochsalzlösung gewaschen, um unerwünschte Bestandteile wie Plasma, Blutplättchen und Zellreste zu entfernen. Schließlich wurde das Blut durch einen Filter geleitet, um eventuell verbliebene fetale Zellen, Fruchtwasserbestandteile und Bakterien zu entfernen, bevor es der Patientin wieder zugeführt wurde.
Wichtige Ergebnisse
Weniger Fremdbluttransfusionen und bessere Blutwerte
In der IOCS-Gruppe war der Bedarf an Fremdbluttransfusionen deutlich geringer. Nur 27 % der Frauen in dieser Gruppe benötigten zusätzliches Fremdblut, während in der ABT-Gruppe alle Frauen eine Transfusion erhielten. Die durchschnittliche Menge des zurückgeführten Eigenbluts betrug 300 ml (Spannweite: 100–1.800 ml). Nach der Operation waren die Hämoglobinwerte in der IOCS-Gruppe signifikant höher (101,3 ± 15,4 g/l vs. 96,3 ± 16,6 g/l, P = 0,009). Auch der Hämatokritwert, der den Anteil der roten Blutkörperchen im Blut angibt, war höher (30,7 % ± 4,3 % vs. 28,8 % ± 4,4 %, P = 0,001).
Kürzere Krankenhausaufenthalte
Frauen, die IOCS erhielten, hatten kürzere Krankenhausaufenthalte insgesamt (8,9 ± 4,1 Tage vs. 10,3 ± 5,2 Tage, P = 0,013) und kürzere Aufenthalte nach der Operation (5,3 ± 1,4 Tage vs. 6,6 ± 3,6 Tage, P < 0,001). Eine Kaplan-Meier-Analyse bestätigte, dass die IOCS-Gruppe früher entlassen wurde (P < 0,001). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass es weniger Komplikationen durch Fremdbluttransfusionen gab und die Frauen sich schneller erholten.
Sicherheit und Gerinnungswerte
Es gab keine Fälle von Fruchtwasserembolie, einer schweren Komplikation, bei der Fruchtwasser in den Blutkreislauf gelangt, oder von anderen schwerwiegenden Problemen wie Gerinnungsstörungen oder Atemnotsyndrom. Die Gerinnungswerte, wie die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (APTT), die Prothrombinzeit (PT) und der Fibrinogenwert (FIB), blieben in beiden Gruppen stabil. Während der Rückführung des Eigenbluts blieben auch der Blutdruck und die Herzfrequenz stabil.
Entzündungsreaktion
Der CRP-Wert (C-reaktives Protein), ein Marker für Entzündungen im Körper, war in der IOCS-Gruppe nach der Operation niedriger (49,9 ± 36,9 mg/l vs. 59,2 ± 37,1 mg/l, P = 0,038). Dies deutet darauf hin, dass die IOCS-Methode weniger Entzündungsreaktionen im Körper auslöst als die Fremdbluttransfusion.
Bedeutung und Grenzen der Studie
Die Studie zeigt, dass IOCS eine sichere und effektive Methode zur Behandlung von starken Blutungen bei risikoreichen Kaiserschnitten sein kann. Durch die Reduzierung der Abhängigkeit von Fremdbluttransfusionen werden nicht nur die damit verbundenen Risiken verringert, sondern auch die knappen Blutressourcen geschont. Die kürzeren Krankenhausaufenthalte könnten zudem Kosten sparen und die Belastung für das Gesundheitssystem verringern.
Allerdings hat die Studie auch ihre Grenzen. Da es sich um eine retrospektive Analyse handelt, können keine direkten Ursache-Wirkungs-Beziehungen abgeleitet werden. Außerdem wurden die Daten nur in einem Krankenhaus erhoben, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Einrichtungen einschränken könnte. Langzeitfolgen, wie mögliche Auswirkungen auf das Immunsystem der Mutter oder das Neugeborene, wurden nicht untersucht.
Fazit
Diese Studie liefert starke Hinweise darauf, dass die intra-operative Zellsalvage eine sinnvolle Ergänzung in der Geburtshilfe bei Frauen mit Plazenta praevia sein könnte. Die Methode reduziert nicht nur den Bedarf an Fremdbluttransfusionen, sondern verbessert auch die Genesung der Patientinnen, wie die höheren Hämoglobinwerte und kürzeren Krankenhausaufenthalte zeigen. Weitere Studien, insbesondere prospektive und multizentrische Untersuchungen, sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und langfristige Auswirkungen zu erforschen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000620
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