HIV weltweit und in China: Warum sterben immer noch so viele Menschen?
Die HIV-Epidemie hat in den letzten drei Jahrzehnten viele Veränderungen durchlaufen. Fortschritte in der Prävention, Behandlung und Politik haben dazu beigetragen, die Situation zu verbessern. Doch trotz dieser Fortschritte bleibt HIV eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Warum sterben immer noch so viele Menschen an HIV? Und warum ist die Situation in China anders als im Rest der Welt?
Die globale HIV-Situation: Fortschritte und Lücken
Seit den 1990er Jahren hat sich die HIV-Lage weltweit deutlich verbessert. Die Zahl der Neuinfektionen ist gesunken, und immer mehr Menschen erhalten eine Behandlung. Die Strategie „90-90-90“ der Vereinten Nationen zielte darauf ab, dass bis 2020 90% der HIV-Infizierten ihren Status kennen, 90% der Diagnostizierten eine Therapie erhalten und 90% der Behandelten eine Virusunterdrückung erreichen.
Tatsächlich ist die Zahl der Neuinfektionen seit dem Höhepunkt im Jahr 1996 gesunken. Damals gab es 56 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen. Bis 2019 sank diese Zahl auf 476 pro 100.000. Auch die Sterberate ging zurück, nachdem sie 2004 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Dies ist vor allem auf die Verfügbarkeit von antiretroviralen Therapien (ART) zurückzuführen.
Doch es gibt weiterhin große Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. Frauen sind weltweit stärker betroffen als Männer, besonders in Afrika südlich der Sahara. Junge und mittelalte Erwachsene (15–49 Jahre) tragen die höchste Last, während Kinder dank früher Behandlung deutlich weniger sterben.
Chinas HIV-Epidemie: Ein anderes Bild
In China verläuft die HIV-Epidemie anders. Hier sind vor allem Männer betroffen. Die Zahl der Neuinfektionen stieg bis 2005 auf 4,8 pro 100.000 und blieb danach relativ stabil. Die Sterberate hingegen stieg kontinuierlich an und erreichte 2018 ihren Höhepunkt mit 2,2 Todesfällen pro 100.000 Menschen.
Ein großer Unterschied zu globalen Trends ist die Altersverteilung. In China sind immer mehr ältere Menschen (über 50 Jahre) von HIV betroffen. Diese Gruppe macht mittlerweile 60% aller HIV-Fälle aus. Gründe dafür sind mangelndes Bewusstsein, geringer Kondomgebrauch und späte Diagnosen.
Warum sterben so viele Menschen in China an HIV?
Ein Hauptproblem in China ist die späte Diagnose. Viele Menschen erfahren erst spät, dass sie HIV-positiv sind, und beginnen die Behandlung zu spät. Dies führt zu einer schnelleren Krankheitsentwicklung und höheren Sterberaten. Ein weiterer Faktor ist der HIV-Subtyp CRF01_AE, der in China weit verbreitet ist und mit einem schnelleren Krankheitsverlauf verbunden ist.
Auch die Stigmatisierung spielt eine große Rolle. Viele Menschen scheuen sich davor, sich testen zu lassen oder eine Behandlung zu beginnen. Dies gilt besonders für ältere Menschen und Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).
Geschlechterunterschiede: Frauen vs. Männer
Weltweit sind Frauen stärker von HIV betroffen als Männer. Dies liegt an biologischen Faktoren und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten. In China ist das Gegenteil der Fall. Hier sind Männer viel stärker betroffen, insbesondere MSM. Die Sterberate bei Männern stieg schneller an als bei Frauen, was auf späte Diagnosen und Stigmatisierung zurückzuführen ist.
Altersspezifische Herausforderungen
Kinder und Jugendliche (0–14 Jahre) haben in China eine stabile, aber niedrige HIV-Rate. Dies ist auf erfolgreiche Programme zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung (PMTCT) zurückzuführen. Ältere Erwachsene hingegen sind zunehmend betroffen. Die Sterberate in dieser Gruppe hat sich zwischen 2013 und 2016 verdoppelt.
Was kann getan werden?
Um die HIV-Epidemie einzudämmen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich:
- Ausweitung der Tests: Besonders ältere Menschen und Risikogruppen sollten regelmäßig getestet werden.
- Frühe Behandlung: Menschen, bei denen HIV diagnostiziert wird, sollten schnell eine Therapie beginnen.
- Bewusstseinsbildung: Kampagnen zur Aufklärung über HIV und den Schutz vor Infektionen sind wichtig, besonders für ältere Menschen.
- Integration der Versorgung: HIV-Behandlung sollte mit der Versorgung anderer chronischer Krankheiten kombiniert werden, da viele ältere Menschen mehrere Erkrankungen haben.
Fazit
Weltweit hat sich die HIV-Situation in den letzten 30 Jahren verbessert. Die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle ist gesunken. In China jedoch steigt die Sterberate weiter an, besonders bei älteren Menschen. Um die Epidemie einzudämmen, müssen Lücken in der Diagnose, Behandlung und Prävention geschlossen werden.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/cm9.0000000000002500