Herzschwäche bei älteren Menschen: Warum Begleiterkrankungen so wichtig sind
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist ein großes Gesundheitsproblem, besonders bei älteren Menschen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Herzschwäche zu erkranken. Doch was viele nicht wissen: Herzschwäche tritt selten allein auf. Oft gibt es zusätzliche Gesundheitsprobleme, die den Krankheitsverlauf stark beeinflussen. Diese Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) sind bei älteren Patienten besonders häufig und können die Behandlung erschweren.
Studie: Altersgruppen im Vergleich
Eine Studie aus dem China-Japan Friendship Hospital untersuchte 1.053 Patienten über 65 Jahren, die wegen Herzschwäche ins Krankenhaus kamen. Die Patienten wurden in drei Altersgruppen eingeteilt:
- Junge Alte: 65–74 Jahre
- Alte Alte: 75–84 Jahre
- Hochbetagte: 85 Jahre und älter
Die Forscher sammelten Daten zu Alter, Geschlecht, Krankheitssymptomen, Begleiterkrankungen und Medikamenten. Besonderes Augenmerk lag auf nicht-herzbedingten Erkrankungen wie Blutarmut (Anämie), Diabetes, Nierenschwäche (chronische Nierenerkrankung, CKD), Schlaganfall, Infektionen und anderen.
Ergebnisse: Was ändert sich mit dem Alter?
Krankenhausaufenthalte und Gesundheit
- Notaufnahmen: Je älter die Patienten, desto häufiger kamen sie als Notfall ins Krankenhaus. Bei den Hochbetagten waren es 41 %, bei den Jungen Alten nur 24 %.
- Krankenhausdauer: Die Hochbetagten blieben mit durchschnittlich 18 Tagen am längsten im Krankenhaus, verglichen mit 15 Tagen bei den Jungen Alten.
- Blutwerte: Der Hämoglobinspiegel (Eisen im Blut) sank mit dem Alter, während die Werte für Herzschwäche-Marker (BNP und NT-proBNP) stiegen.
- Herzfunktion: Bei den Hochbetagten war die Herzfunktion (LVEF) häufiger erhalten, was bedeutet, dass das Herz zwar schwach ist, aber noch relativ gut pumpt.
Begleiterkrankungen: Was ist typisch?
- Gesamtbelastung: Fast alle Patienten (97,1 %) hatten mindestens zwei Begleiterkrankungen. Die Zahl der Erkrankungen stieg mit dem Alter.
- Herzerkrankungen: Koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) war bei den Älteren häufiger, während Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathie) seltener auftraten.
- Nicht-herzbedingte Erkrankungen:
- Junge Alte: Blutarmut (53,6 %), Fettstoffwechselstörungen (45,9 %) und Diabetes (42,4 %) waren am häufigsten.
- Hochbetagte: Blutarmut (73,1 %), Infektionen (58,2 %) und Nierenschwäche (44,0 %) dominierten.
- Altersbedingte Anstiege: Infektionen, Nierenschwäche, Schlaganfall und Knochenschwäche (Osteoporose) nahmen mit dem Alter deutlich zu.
Medikamente: Was wird verschrieben?
- Polypharmazie: 93 % der Patienten nahmen fünf oder mehr Medikamente ein. Bei den Hochbetagten waren es sogar 65,7 %, die zehn oder mehr Medikamente bekamen.
- Überverschreibung:
- Antibiotika: Viele Patienten erhielten Antibiotika, obwohl nur bei 40,3 % eine Infektion nachgewiesen wurde. Bei den Hochbetagten war die Überverschreibung am höchsten.
- Eisentherapie: Obwohl 60,4 % der Patienten Blutarmut hatten, erhielten nur 8,9 % eine Behandlung mit Eisen.
- Herzschwäche-Medikamente: Die Verschreibung von ACE-Hemmern (Blutdrucksenker) und Betablockern (Herzmedikamente) nahm mit dem Alter ab.
Warum sind Begleiterkrankungen so wichtig?
Blutarmut (Anämie)
Blutarmut war bei den Hochbetagten am häufigsten (73,1 %). Trotzdem wurde bei weniger als 1 % der Patienten ein Eisenmangel (Ferritin-Test) überprüft. Blutarmut kann die Herzschwäche verschlimmern, wird aber oft nicht ausreichend behandelt.
Infektionen
Infektionen sind ein häufiger Auslöser für eine Verschlechterung der Herzschwäche. Die hohe Verschreibungsrate von Antibiotika ohne klaren Infektionsnachweis ist problematisch, da sie zu Resistenzen und Nebenwirkungen führen kann.
Schlaganfall
Bei den Hochbetagten war die Schlaganfallrate (35,1 %) deutlich höher als der nationale Durchschnitt in China (5,2 %). Dies zeigt, dass Herzschwäche und Schlaganfall oft gemeinsame Ursachen haben, wie z. B. Gefäßerkrankungen.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Die Studie zeigt, dass ältere Herzschwäche-Patienten eine komplexe Mischung aus Herz- und Begleiterkrankungen haben. Die Behandlung muss altersspezifisch angepasst werden:
- Junge Alte: Fokus auf Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.
- Hochbetagte: Vorbeugung von Infektionen, Erhalt der Nierenfunktion und Behandlung von Blutarmut.
- Medikamente: Reduzierung von unnötigen Medikamenten und bessere Einhaltung der Behandlungsrichtlinien.
Fazit
Herzschwäche bei älteren Menschen ist oft von zahlreichen Begleiterkrankungen begleitet. Die Studie zeigt, dass diese Erkrankungen mit dem Alter zunehmen und die Behandlung erschweren. Es ist wichtig, die Therapie an die Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen anzupassen, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000560
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