Hand-Fuß-Mund-Krankheit in China: Veränderungen nach EV-71-Impfstoff

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in China: Wie hat sich die Krankheit nach der Einführung des EV-71-Impfstoffs verändert?

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMD) ist eine häufige und besorgniserregende Erkrankung, insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren. In China stellt sie ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Die Krankheit wird durch Viren (Enteroviren) verursacht, wobei das Enterovirus 71 (EV-71) und das Coxsackievirus A16 (CV-A16) die Hauptverursacher sind. EV-71 ist besonders gefährlich, da es schwere neurologische Komplikationen und sogar Todesfälle verursachen kann. Im Jahr 2015 führte China drei Impfstoffe gegen EV-71 ein, die zwar sehr wirksam gegen EV-71-bedingte HFMD waren, aber keinen Schutz gegen andere Virenstämme boten. Eine sechsjährige Studie in der Provinz Sichuan untersuchte, wie sich die Krankheit vor und nach der Einführung des Impfstoffs verändert hat.

Wie hat sich die Verbreitung der Krankheit verändert?

Zwischen 2014 und 2019 wurden in Sichuan 565.408 Fälle von HFMD gemeldet. Die durchschnittliche jährliche Erkrankungsrate lag bei 114,3 Fällen pro 100.000 Einwohner. Interessanterweise traten die meisten Fälle in geraden Jahren auf (2014, 2016, 2018), mit einem Höhepunkt im Jahr 2018 (164,6 Fälle pro 100.000). Nach der Einführung des EV-71-Impfstoffs im Jahr 2016 sank der Anteil der durch EV-71 verursachten Fälle deutlich. Während EV-71 vorher durchschnittlich 27,5 % der Fälle ausmachte, lag der Anteil 2018 nur noch bei 2,9 % und 2019 bei 4,6 %. Gleichzeitig stieg die Zahl der Fälle, die durch andere Viren (andere Enteroviren) verursacht wurden, stark an. Nach 2017 machten diese Viren 66,3 % der bestätigten Fälle aus, mit einem Höchststand von 80,1 % im Jahr 2018.

Der Impfstoff hatte auch einen positiven Einfluss auf schwere Verläufe der Krankheit. Unter den 44.022 laborbestätigten Fällen war EV-71 für 14,0 % der Infektionen, aber für 58,3 % der schweren Fälle (585 von 1.003) und alle 23 Todesfälle verantwortlich. Nach der Impfstoff-Einführung ging die Zahl der schweren Fälle deutlich zurück, was mit dem Rückgang von EV-71 zusammenhängt.

Gibt es saisonale Muster oder ungewöhnliche Ausbrüche?

HFMD in Sichuan zeigte normalerweise zwei saisonale Höhepunkte: einen Hauptgipfel zwischen April und Juni und einen kleineren im November. Im Jahr 2018 gab es jedoch eine Abweichung von diesem Muster. Es gab nur einen einzigen Ausbruch zwischen Juli und August. Dieser ungewöhnliche Verlauf fiel mit einem starken Anstieg der Fälle durch andere Viren, insbesondere CV-A6 und CV-A10, sowie mit höheren Temperaturen zusammen. Experten vermuten, dass Klimafaktoren eine Rolle bei der Verbreitung der Viren spielen könnten, obwohl dies nicht eindeutig bewiesen wurde.

Welche Viren sind jetzt die Hauptverursacher?

Von den 73.370 getesteten Fällen wurden 44.022 (59,5 %) als durch Enteroviren verursacht bestätigt. Nach der Einführung des Impfstoffs veränderte sich das Bild der Verursacher:

  • EV-71: Der Anteil sank von 27,5 % (2014–2015) auf 4,6 % (2019).
  • CV-A16: Blieb stabil und verursachte durchschnittlich 26,5 % der Fälle.
  • Andere Enteroviren: Ihr Anteil stieg von 59,5 % auf 80,1 %. Insgesamt wurden 16 verschiedene Virenstämme identifiziert, darunter CV-A6, CV-A10, CV-A4, Echovirus 11 (E-11) und Echovirus 30 (E-30).

Eine genetische Analyse von 1.153 Virussequenzen zeigte folgende Ergebnisse:

  • EV-71: Alle Stämme gehörten zum Untertyp C4a und waren eng mit anderen in China verbreiteten Stämmen verwandt.
  • CV-A16: Zwei Untertypen, B1a (20 %) und B1b (80 %), waren aktiv.
  • CV-A6: Der Untertyp D3 war dominant.
  • CV-A10: Der Genotyp C war am häufigsten.
  • CV-A4: Der Untertyp D2 war verbreitet.

Eine spezielle Analyse (Bayesian Skyline Plot) zeigte, dass sich die Populationen der Viren nach der Impfstoff-Einführung veränderten:

  • EV-71 (C4a): Es gab ein schnelles Wachstum Ende 2017, möglicherweise aufgrund von Anpassungen unter dem Druck des Impfstoffs.
  • CV-A16 (B1b): Die Population vergrößerte sich nach 2016 deutlich.
  • CV-A6 (D3): Es gab einen stetigen Anstieg von 2016 bis 2019.
  • CV-A10 (C): Zwei Wachstumsphasen traten 2018 und 2019 auf.

Was bedeutet die Veränderung der Viren für die Zukunft?

Der Rückgang der EV-71-Fälle zeigt, dass der Impfstoff erfolgreich war, um schwere Verläufe zu verhindern. Gleichzeitig zeigt der Anstieg anderer Viren, dass die Krankheit weiterhin ein Problem bleibt. CV-A16 blieb stabil, während CV-A6 und CV-A10 zu den wichtigsten Verursachern wurden. Diese Viren können in einigen Fällen ebenfalls schwere Symptome verursachen. Die genetische Vielfalt der Viren und ihre schnelle Anpassungsfähigkeit deuten darauf hin, dass sich die Krankheit weiter verändern könnte.

Experten betonen, dass es wichtig ist, die Entwicklung der Viren genau zu beobachten. Es wird empfohlen, Impfstoffe zu entwickeln, die nicht nur gegen EV-71, sondern auch gegen CV-A16, CV-A6 und CV-A10 wirken.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Studie verwendete Daten aus dem nationalen Überwachungssystem für meldepflichtige Infektionskrankheiten in China. Verdachtsfälle wurden nach nationalen Richtlinien definiert und durch spezielle Tests (RT-PCR) bestätigt. Die genetische Analyse der Viren erfolgte mit modernen Methoden und Software. Statistische Auswertungen wurden mit SPSS durchgeführt, um die Zeiträume vor und nach der Impfstoff-Einführung zu vergleichen.

Was sind die Grenzen der Studie?

Da es sich um eine retrospektive Studie handelte, gab es einige Einschränkungen. Nur 13,0 % der Verdachtsfälle wurden getestet, und nur 7,8 % der bestätigten Fälle wurden genetisch analysiert. Seltene Virenstämme könnten daher unterrepräsentiert sein. Außerdem wurden regionale Klima- und sozioökonomische Faktoren, die die Verbreitung der Krankheit beeinflussen könnten, nicht vollständig untersucht.

Fazit

Die sechsjährige Studie liefert wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung der Hand-Fuß-Mund-Krankheit in der Provinz Sichuan. Der EV-71-Impfstoff hat schwere Fälle und Todesfälle reduziert, aber die Krankheit bleibt aufgrund anderer Virenstämme ein Problem. Es ist entscheidend, die Viren weiter zu beobachten und neue Impfstoffe zu entwickeln, um die Krankheit effektiv zu bekämpfen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001632

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