Hailey-Hailey-Krankheit mit lichenoiden Läsionen um den After: Ein Fallbericht und die Entdeckung einer neuen Mutation im ATP2C1-Gen
Haben Sie schon einmal von einer Hautkrankheit gehört, die schmerzhafte Blasen und Wunden in den Hautfalten verursacht? Die Hailey-Hailey-Krankheit (HHD), auch bekannt als familiäre gutartige chronische Pemphigus, ist eine seltene Erbkrankheit, die genau das bewirkt. Betroffene leiden unter wiederkehrenden Hautproblemen, die oft in Bereichen wie dem Hals, den Achseln und der Leiste auftreten. Doch was passiert, wenn die Krankheit an ungewöhnlichen Stellen wie dem After auftritt? Dieser Fallbericht beschreibt eine Patientin mit einer seltenen Form der HHD und einer bisher unbekannten Mutation im ATP2C1-Gen.
Klinisches Bild und diagnostische Herausforderungen
Eine 51-jährige Frau suchte zunächst wegen weit verbreiteter Blasen und Rötungen an Brust, Achseln und Taille ärztliche Hilfe. Die Symptome deuteten auf eine schwere Hautkrankheit namens Pemphigus vulgaris (PV) hin. Die Behandlung mit Kortison zeigte zunächst Erfolg, und die Hautveränderungen verschwanden. Doch sieben Monate später traten hartnäckige Hautveränderungen um den After auf. Diese bestanden aus kleinen, weißen oder hautfarbenen Knötchen (0,1–0,5 cm Durchmesser) und lichenoiden Plaques (fleckenartige Hautveränderungen) in der Gesäßfalte [Abbildung 1B]. Die Patientin litt zudem unter chronischem Durchfall, was die Hautprobleme verschlimmerte.
Eine Gewebeprobe aus dem betroffenen Bereich zeigte typische Merkmale der HHD: verdickte Hornschicht, unvollständige Verhornung und eine Ablösung von Hautzellen in der oberen Hautschicht [Abbildung 1C]. Zudem wurden sogenannte „Körner“ (abgeflachte, längliche Hautzellen) und „Rundkörper“ (runde, eosinophile Zellen mit geschrumpften Kernen) beobachtet [Abbildung 1D]. Eine spezielle Untersuchung zum Nachweis von Antikörpern (Immunfluoreszenz) war negativ, wodurch eine PV ausgeschlossen wurde. Eine genetische Untersuchung bestätigte schließlich die Diagnose HHD: Es wurde eine bisher unbekannte Mutation im ATP2C1-Gen gefunden (c.1504C>T, p.Arg502Ter) [Abbildung 1E]. Diese Mutation führt zu einem vorzeitigen Stoppsignal in der Erbinformation, wodurch ein wichtiges Eiweiß (ATPase) verkürzt wird und seine Funktion verliert.
Die neue Mutation und ihre Bedeutung
Die Mutation c.1504C>T im ATP2C1-Gen ist eine bisher unbeschriebene Veränderung, die zur HHD führt. Das ATP2C1-Gen spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Kalzium in den Hautzellen. Ein Defekt in diesem Gen führt zu einer Fehlfunktion des Kalziumtransports, was die Verbindung zwischen den Hautzellen schwächt und die typischen Hautveränderungen verursacht. Die neu entdeckte Mutation p.Arg502Ter unterbricht die Funktion der ATPase vollständig und verstärkt die Kalziumfehlregulation.
Interessanterweise ähnelten die Hautveränderungen um den After einer seltenen Hauterkrankung namens papuläre akantholytische Dyskeratose (PAD). Einige Experten vermuten, dass PAD eine lokalisierte Form der HHD sein könnte, da beide Erkrankungen ähnliche genetische Ursachen haben. Bei dieser Patientin unterstützt das Vorliegen der neuen Mutation diese Theorie.
Differentialdiagnose und mögliche Fehler
Die Hautveränderungen um den After stellten eine diagnostische Herausforderung dar. Ähnliche Symptome können bei anderen Erkrankungen wie extramammärem Morbus Paget, bowenoider Papulose oder Infektionen (z. B. Pilzinfektionen, Herpes) auftreten. Eine sorgfältige Untersuchung des Gewebes war entscheidend, um diese Erkrankungen auszuschließen. Auch andere Hautkrankheiten wie Morbus Darier oder Grover-Krankheit wurden in Betracht gezogen, aber aufgrund fehlender typischer Merkmale verworfen.
Die anfängliche Fehldiagnose PV zeigt, wie wichtig eine genaue Untersuchung ist. Im Gegensatz zur PV fehlen bei der HHD Antikörper in der Haut, und die Ablösung der Hautzellen tritt in einer anderen Schicht auf. Die vorübergehende Besserung der PV-ähnlichen Symptome durch Kortison erschwerte die Diagnose zusätzlich.
Therapie und Verlauf
Die Behandlung von HHD im Analbereich ist schwierig, da Feuchtigkeit, Reibung und Entzündungen die Heilung behindern. Bei dieser Patientin wurde eine topische Behandlung mit 0,1% Tacrolimus-Salbe zweimal täglich erfolgreich eingesetzt. Innerhalb von zwei Monaten verschwanden die Hautveränderungen vollständig [Abbildung 1F], und die Patientin blieb über ein Jahr beschwerdefrei. Tacrolimus hemmt die Aktivierung von Immunzellen und reduziert Entzündungen, ohne die Haut zu verdünnen – ein häufiges Problem bei Kortison.
In schweren Fällen können chirurgische Verfahren wie CO₂-Laser oder Dermabrasion eingesetzt werden. Diese zerstören die betroffene Haut und fördern die Neubildung gesunder Haut. Allerdings besteht das Risiko von Narbenbildung und Rückfällen. Dieser Fall zeigt, dass Tacrolimus eine sichere und wirksame Option für die Behandlung von HHD in sensiblen Bereichen ist.
Bedeutung für die Praxis
Dieser Fallbericht unterstreicht mehrere wichtige Punkte:
- Genetische Tests sind unverzichtbar, um HHD zu diagnostizieren, insbesondere bei ungewöhnlichen Hautveränderungen.
- Äußere Faktoren wie Feuchtigkeit und Reibung beeinflussen den Verlauf der Krankheit stark. Begleitende Maßnahmen, z. B. die Behandlung von Durchfall, sind wichtig.
- PAD und HHD könnten genetisch verwandt sein, was eine Neubewertung ihrer Klassifizierung erfordert.
- Tacrolimus ist eine wirksame Alternative zu Kortison oder chirurgischen Eingriffen bei HHD im Analbereich.
Fazit
Die Entdeckung der neuen ATP2C1-Mutation erweitert das Wissen über die genetischen Ursachen der HHD und bestätigt die Rolle der Kalziumfehlregulation bei dieser Krankheit. Der Fall zeigt auch, dass Tacrolimus eine vielversprechende Behandlungsoption für hartnäckige Hautveränderungen in sensiblen Bereichen ist. Ärzte sollten bei ungewöhnlichen Hautausschlägen in Hautfalten oder im Analbereich immer an HHD denken, insbesondere wenn herkömmliche Therapien nicht wirken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000097
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