Gibt es eine Verbindung zwischen Essenziellem Tremor und Parkinson?
Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, unter Zittern oder Bewegungsstörungen leidet, haben Sie vielleicht schon von Essenziellem Tremor (ET) und Parkinson (PD) gehört. Beide Erkrankungen sind weit verbreitet, aber was passiert, wenn sie zusammen auftreten? Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es eine spezielle Form gibt, bei der sich Parkinson nach einer langen Geschichte von Essenziellem Tremor entwickelt. Diese Kombination wird als ET-PD-Syndrom bezeichnet. Doch was bedeutet das für die Betroffenen?
Was ist das ET-PD-Syndrom?
Essenzieller Tremor ist eine Erkrankung, die hauptsächlich durch Zittern bei Bewegung gekennzeichnet ist. Parkinson hingegen zeigt sich durch langsame Bewegungen, Steifheit, Zittern in Ruhe und Gleichgewichtsprobleme. Das ET-PD-Syndrom tritt auf, wenn jemand zuerst Essenziellen Tremor hat und später Parkinson entwickelt. Forscher vermuten, dass dies eine besondere Form von Parkinson ist, die sich von der klassischen Parkinson-Krankheit unterscheidet.
Eine Studie des West China Hospital der Sichuan University hat untersucht, wie sich das ET-PD-Syndrom von der klassischen Parkinson-Krankheit unterscheidet. Die Studie hat auch versucht, Untergruppen innerhalb des ET-PD-Syndroms zu identifizieren, um besser zu verstehen, wie man diese Patienten behandeln kann.
Hauptunterschiede zwischen ET-PD und klassischem Parkinson
Die Studie verglich 93 Patienten mit ET-PD-Syndrom mit 93 Patienten, die nur an Parkinson litten. Beide Gruppen waren in Alter, Geschlecht, Bildung und Krankheitsdauer ähnlich. Hier sind die wichtigsten Unterschiede:
-
Familienvorgeschichte:
- ET-PD-Patienten hatten häufiger Familienmitglieder mit Essenziellem Tremor (55,91 % vs. 0 % bei Parkinson-Patienten).
- Parkinson-Patienten hatten dagegen häufiger Familienmitglieder mit Parkinson (19,35 % vs. 8,60 %).
-
Motorische Symptome:
- Zittern: ET-PD-Patienten hatten stärkeres Zittern (gemessen an der UPDRS-Zittern-Skala: 7,54 vs. 5,11).
- Bewegungsverlangsamung und Gleichgewichtsprobleme: Parkinson-Patienten hatten stärkere Probleme mit langsamen Bewegungen und Gleichgewicht (UPDRS-Scores: 8,82 vs. 5,68 und 1,32 vs. 0,41).
-
Nicht-motorische Symptome:
- Geruchssinnverlust: ET-PD-Patienten hatten seltener Probleme mit dem Geruchssinn (15,05 % vs. 33,33 %).
- Orthostatische Hypotonie (niedriger Blutdruck beim Aufstehen): ET-PD-Patienten hatten weniger Probleme mit dem Blutdruck (NMSS D1-Score: 0,41 vs. 0,68).
- Stimmung und Schlaf: ET-PD-Patienten hatten insgesamt weniger nicht-motorische Symptome, aber die Clusteranalyse zeigte, dass es innerhalb dieser Gruppe große Unterschiede gibt.
Zwei Untergruppen des ET-PD-Syndroms
Um die Unterschiede innerhalb des ET-PD-Syndroms besser zu verstehen, führten die Forscher eine Clusteranalyse durch. Dabei wurden 11 Variablen wie klinische Scores und Familienvorgeschichte untersucht. Es wurden zwei Untergruppen identifiziert:
Cluster 1: Komplexer Typ (n = 34)
- Kürzere ET-Dauer vor Parkinson: Im Durchschnitt hatten diese Patienten 12,89 Jahre Essenziellen Tremor, bevor Parkinson diagnostiziert wurde.
- Stärkere nicht-motorische Symptome: Sie hatten mehr Probleme mit niedrigem Blutdruck, Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen.
- Schlechtere Lebensqualität: Ihre Lebensqualität war deutlich beeinträchtigt (PDQ-39-Score: 28,79).
- Weniger familiäre Vorgeschichte von ET: Nur 35,29 % hatten Familienmitglieder mit Essenziellem Tremor.
Cluster 2: Einfacher Typ (n = 59)
- Längere ET-Dauer: Diese Patienten hatten länger Essenziellen Tremor, bevor Parkinson auftrat.
- Mildere Symptome: Sie hatten weniger nicht-motorische Symptome und eine bessere Lebensqualität.
- Stärkere familiäre Vorgeschichte von ET: 67,80 % hatten Familienmitglieder mit Essenziellem Tremor.
Vergleich mit klassischem Parkinson
Im Vergleich zu klassischen Parkinson-Patienten:
- Motorische Symptome: Beide ET-PD-Untergruppen hatten weniger Probleme mit Bewegungsverlangsamung und Gleichgewicht als Parkinson-Patienten.
- Nicht-motorische Symptome:
- Der komplexe Typ hatte stärkere Stimmungs- und Schlafprobleme als klassische Parkinson-Patienten.
- Der einfache Typ hatte mildere nicht-motorische Symptome und ähnelte einem „gutartigen“ Verlauf.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Die Studie legt nahe, dass der komplexe Typ des ET-PD-Syndroms eine schnellere Verschlechterung der Dopamin-Produktion im Gehirn haben könnte. Der einfache Typ scheint dagegen langsamer fortzuschreiten und könnte mit genetischen Faktoren im Zusammenhang mit Essenziellem Tremor verbunden sein.
Für die Behandlung bedeutet dies:
- Komplexer Typ: Diese Patienten benötigen möglicherweise eine intensivere Behandlung von nicht-motorischen Symptomen wie Depressionen und niedrigem Blutdruck.
- Einfacher Typ: Bei diesen Patienten könnte die Behandlung stärker auf das Zittern fokussiert werden, und sie benötigen möglicherweise weniger häufige Kontrollen.
Einschränkungen und zukünftige Forschung
Die Studie hat einige Einschränkungen. Zum Beispiel wurde die Familienvorgeschichte rückblickend erhoben, was zu Fehlern führen kann. Zukünftige Studien könnten Biomarker (körpereigene Anzeichen für die Krankheit) oder bildgebende Verfahren wie DAT-Scans (Messung der Dopamin-Transporte im Gehirn) verwenden, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Fazit
Diese Studie zeigt erstmals, dass das ET-PD-Syndrom in zwei Untergruppen unterteilt werden kann: den komplexen Typ und den einfachen Typ. Diese Unterscheidung hilft, die Krankheit besser zu verstehen und die Behandlung individueller zu gestalten. Weitere Forschung ist nötig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen zu klären.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002229
For educational purposes only.