Gardner-Fibrom mit lokalisiertem Hypertrichose ohne Mutation im APC-Gen

Gardner-Fibrom mit lokalisiertem Hypertrichose ohne Mutation im Adenomatösen Polyposis Coli-Gen: Was steckt dahinter?

Haben Sie schon einmal von einem seltenen Tumor gehört, der mit übermäßigem Haarwuchs einhergeht? Gardner-Fibrom (GAF) ist ein seltener, gutartiger Weichteiltumor, der oft mit familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) in Verbindung gebracht wird. FAP ist eine Erkrankung, die durch Mutationen im APC-Gen (Adenomatöses Polyposis Coli-Gen) verursacht wird. Doch was, wenn dieser Tumor auftritt, ohne dass eine solche Mutation vorliegt? Dieser Artikel beleuchtet einen einzigartigen Fall von GAF ohne APC-Genmutation, begleitet von lokalisiertem Hypertrichose (übermäßiger Haarwuchs) und einem Tubulären Adenom im Sigma (einem Teil des Dickdarms).

Ein ungewöhnlicher Fall: GAF ohne APC-Genmutation

Ein 29-jähriger chinesischer Mann stellte sich mit einer schmerzlosen Masse am rechten Oberschenkel vor. Diese Masse war seit fünf Jahren vorhanden. Es gab keine familiäre Vorgeschichte ähnlicher Erkrankungen. Bei der körperlichen Untersuchung wurde eine weiche, gut abgegrenzte, braune Masse von etwa 2 cm × 2 cm Größe festgestellt. Auf der Oberfläche befanden sich 28 dunkle, terminale Haare. Eine Blutuntersuchung zeigte einen erhöhten Wert des neuronenspezifischen Enolase (ein Enzym, das bei bestimmten Tumoren erhöht sein kann) von 20,4 ng/mL (Normalwert: 0–16,3 ng/mL).

Eine Ultraschalluntersuchung zeigte einen oberflächlichen, unscharf begrenzten, echoarmen (dunklen) Bereich von 21 mm × 6 mm Größe. Die Masse wies mehrere Streifen von Echoarmut und punktförmige Echogenität (helle Punkte) auf. Eine farbkodierte Doppler-Untersuchung (eine Methode zur Darstellung von Blutfluss) zeigte ein „twinkling artifact“ (ein bestimmtes Muster) innerhalb des Knotens.

Histopathologische Untersuchung: Was wurde gefunden?

Bei der mikroskopischen Untersuchung der Masse wurden Hyperkeratose (verdickte Hornschicht der Haut) und lokale Atrophie (Gewebeschwund) der Epidermis (Oberhaut) festgestellt. In der Dermis (Lederhaut) fand sich eine verminderte Zellzahl mit ungeordneten, groben Kollagenfasern und vereinzelten spindelförmigen Zellen. Lokal zeigte sich degeneriertes Hyalin (eine Art von Gewebeveränderung). Die Kollagenfasern umgaben Fettgewebsläppchen. Auffällig war eine erhöhte Anzahl von Haarfollikeln (Haarbildungsstrukturen) in der tiefen Dermis.

Immunhistochemische Färbungen (Methoden zur Darstellung bestimmter Proteine) waren negativ für β-Catenin, Cyclin-D1, C-myc, CD34, S-100 und Fibroblasten-Wachstumsfaktor 3. Diese Proteine sind oft bei bestimmten Tumoren erhöht, was hier nicht der Fall war.

Weitere Untersuchungen: Was wurde noch entdeckt?

Eine Ganzkörper-Knochenuntersuchung zeigte keine Auffälligkeiten. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches schloss das Vorhandensein von intraabdominalen Fibromen oder Desmoidtumoren (eine Art von Weichteiltumor) aus. Allerdings wurde im Sigma ein Tubuläres Adenom (ein gutartiger Tumor) von 0,5 cm × 0,5 cm Größe mit niedriggradiger Dysplasie (Gewebeveränderung) entdeckt.

Eine genetische Untersuchung des Patienten und seiner Eltern zeigte keine Mutationen in den 15 Exons (kodierenden Abschnitten) und flankierenden Introns (nicht-kodierenden Abschnitten) des APC-Gens.

Was ist ein Gardner-Fibrom?

GAF ist ein seltener, gutartiger Tumor, der oft schmerzlose, einzelne oder multiple Unterhautmassen bildet. Diese treten meist am Rücken, im Bereich der Wirbelsäule und an den oberen Extremitäten auf. Die Größe dieser Massen liegt typischerweise zwischen 0,5 und 2,5 cm. Während GAF oft mit APC-Mutationen verbunden ist, kann er auch sporadisch ohne solche genetischen Veränderungen auftreten.

Studien haben gezeigt, dass GAFs mit positiven APC-Mutationen oft multifokal (an mehreren Stellen) und größer sind, was eine vollständige Entfernung erschwert. Im Gegensatz dazu sind sporadische GAFs ohne APC-Mutationen meist gut entferntbar und weniger aggressiv.

Histopathologische Diagnose: Was macht GAF aus?

Die Diagnose von GAF basiert auf dem Vorhandensein von formlosen Schichten aus dicken, ungeordneten Kollagenbündeln, die mit Fibroblasten (Bindegewebszellen) durchsetzt sind. Der Tumor zeigt ein plattenartiges Wachstumsmuster, das umgebende Strukturen infiltriert und einschließt. Immunhistochemische Färbungen zeigen typischerweise Reaktivität für β-Catenin, Cyclin-D1, C-myc und CD34. Eine Überexpression von β-Catenin und Cyclin-D1 wird oft durch eine abnorme APC-Genaktivität verursacht.

Mutationen im APC-Gen können zu Gardner-Syndrom (GS), FAP oder GAF führen. In seltenen Fällen kann sporadisches GAF ohne APC-Mutationen dennoch mit FAP verbunden sein, was die Bedeutung von GAF als Marker für innere Organ- und Knochenanomalien unterstreicht.

Lokalisierter Hypertrichose: Ein einzigartiges Merkmal

Dieser Fallbericht hebt auch das Vorhandensein von lokalisiertem Hypertrichose als einzigartige Manifestation von GAF hervor. Die erhöhte Anzahl von Haarfollikeln in der Dermis deutet auf eine mögliche Beziehung zwischen fibröser Proliferation (Vermehrung von Bindegewebe) und Haarfollikelbildung bei GAF hin. Dieser Befund erfordert weitere Untersuchungen, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu klären.

Fazit: Was bedeutet das für Patienten?

Patienten mit der Diagnose GAF sollten umfassende Untersuchungen, einschließlich genetischer Mutationsanalysen, durchführen lassen, um potenzielle gastrointestinale und Knochenanomalien zu identifizieren. Das Vorhandensein von GAF, auch ohne APC-Mutationen, sollte Ärzte dazu veranlassen, assoziierte Erkrankungen wie FAP in Betracht zu ziehen. Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung von GAF als Marker und hebt lokalisierten Hypertrichose als einzigartiges klinisches Merkmal hervor, das Einblicke in die Pathogenese (Entstehung) dieses seltenen Tumors bieten könnte.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000383

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