Frühkindliche Skoliose: Wie wird sie behandelt und was sind die Risiken?
Frühkindliche Skoliose (EOS) ist eine Wirbelsäulenverkrümmung, die vor dem 10. Lebensjahr auftritt. Sie kann verschiedene Ursachen haben und stellt Ärzte vor große Herausforderungen. Die Behandlung zielt darauf ab, die Verkrümmung zu minimieren und gleichzeitig das Wachstum der Lunge und des Brustkorbs zu fördern. Doch welche Methoden gibt es, und was sind die Risiken?
Einleitung
Frühkindliche Skoliose ist eine komplexe Erkrankung, die in fünf Haupttypen unterteilt wird: idiopathisch (ohne bekannte Ursache), angeboren, thorakogen (durch Brustkorbprobleme verursacht), neuromuskulär (durch Nerven- oder Muskelerkrankungen) und syndrombedingt (im Rahmen von Syndromen). Die Behandlung hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, aber es bleibt eine schwierige Aufgabe, die richtige Therapie für jedes Kind zu finden.
Konservative Behandlungen
Konservative Methoden sind oft der erste Schritt bei der Behandlung von EOS. Dazu gehören Gipsverbände, Orthesen (Stützapparate), Halo-Gravity-Traktion (HGT) und Physiotherapie. Diese Ansätze können in einigen Fällen ausreichen, um eine Operation zu verzögern oder zu vermeiden.
Serielles Gipsen
Das serielle Gipsen gilt als die effektivste konservative Methode. Dabei wird unter Narkose ein Gipsverband angelegt, der die Wirbelsäule in die richtige Position bringt. Der Gips wird alle 2 bis 3 Monate gewechselt, um das Wachstum zu berücksichtigen. Diese Methode wird bei Verkrümmungen über 25° empfohlen, die sich verschlimmern. Studien zeigen, dass das serielle Gipsen das Wachstum fördern und eine Operation verzögern kann. Allerdings gibt es auch Risiken wie Hautschäden, Blutgerinnsel und in seltenen Fällen sogar tödliche Komplikationen.
Orthesen
Orthesen, also Stützapparate, werden häufig bei jugendlicher Skoliose eingesetzt. Bei frühkindlicher Skoliose ist ihre Wirksamkeit weniger gut belegt. Einige Studien zeigen, dass Orthesen die Verkrümmung stabilisieren können, aber es fehlen Langzeitdaten, um dies zu bestätigen.
Halo-Gravity-Traktion (HGT)
HGT wird oft als zusätzliche Behandlung bei schweren und starren Verkrümmungen eingesetzt. Dabei wird ein Metallring am Kopf befestigt, der über ein Seil mit Gewichten verbunden ist. Diese Methode kann die Wirbelsäule strecken und die Korrektur verbessern, besonders vor einer Operation.
Physiotherapie
Die Rolle der Physiotherapie bei frühkindlicher Skoliose ist umstritten. Einige Studien deuten darauf hin, dass sie helfen kann, aber es gibt noch keine klaren Beweise für ihre Wirksamkeit.
Operative Behandlungen
Wenn konservative Methoden nicht ausreichen, ist eine Operation oft notwendig. Das Ziel ist, die Wirbelsäule zu korrigieren und gleichzeitig das Wachstum zu fördern. Es gibt verschiedene chirurgische Techniken, die je nach Art der Verkrümmung eingesetzt werden.
Distraktionsbasierte Systeme
Diese Methoden nutzen Zugkräfte, um die Wirbelsäule zu strecken. Dazu gehören traditionelle wachsende Stäbe (TGRs), magnetisch gesteuerte wachsende Stäbe (MCGRs) und vertikal expandierbare Titanrippen (VEPTRs).
Traditionelle wachsende Stäbe (TGRs)
TGRs sind die am häufigsten verwendete Technik. Dabei werden Metallstäbe in die Wirbelsäule eingesetzt, die alle 6 bis 12 Monate verlängert werden, um das Wachstum zu ermöglichen. Die Korrekturrate liegt zwischen 30% und 60%, aber die Komplikationsrate ist hoch. Dazu gehören Implantatversagen, Infektionen und Wundheilungsprobleme.
Magnetisch gesteuerte wachsende Stäbe (MCGRs)
MCGRs sind eine weniger invasive Alternative zu TGRs. Die Stäbe werden mit einem externen Gerät verlängert, ohne dass eine Operation notwendig ist. Die Korrekturrate ist ähnlich, aber die Komplikationsrate ist niedriger. Allerdings gibt es häufiger Probleme mit den Implantaten.
Vertikal expandierbare Titanrippen (VEPTRs)
VEPTRs werden hauptsächlich bei Patienten mit Thoraxinsuffizienzsyndrom (TIS) eingesetzt. Die Komplikationsrate ist sehr hoch, was ihre Anwendung einschränkt.
Kompressionsbasierte Systeme
Diese Methoden nutzen Druckkräfte, um das Wachstum auf der konvexen Seite der Verkrümmung zu hemmen. Dazu gehören Wirbelkörperklammern (VBS) und Wirbelkörperverankerung (VBT).
Wirbelkörperverankerung (VBT)
VBT verwendet ein flexibles Implantat, das die Verkrümmung während des Wachstums korrigiert. Die Methode ist minimalinvasiv und hat eine niedrige Komplikationsrate, aber es kann zu Überkorrekturen kommen.
Wirbelkörperklammern (VBS)
VBS nutzt Klammern aus Nitinol, um das Wachstum auf der konvexen Seite zu hemmen. Die Methode wird bei leichten Verkrümmungen eingesetzt, aber es gibt Risiken wie Klammerbruch und Überkorrektur.
Wachstumsgesteuerte Systeme
Diese Methoden ermöglichen es der Wirbelsäule, entlang eines Stabs zu wachsen. Dazu gehören das Shilla-Wachstumsführungssystem (SGGS) und das moderne Luque-Trolley-System (MLT).
Shilla-Wachstumsführungssystem (SGGS)
SGGS korrigiert die Verkrümmung und ermöglicht ein normales Wachstum. Die Methode reduziert die Notwendigkeit von weiteren Operationen, aber die Komplikationsrate ist hoch.
Modernes Luque-Trolley-System (MLT)
MLT ist eine neuere Technik, die das Wachstum der Wirbelsäule ermöglicht, während die Verkrümmung korrigiert wird. Es gibt noch wenige Daten zu dieser Methode.
Osteotomie und kurze Fusion
Bei angeborener Skoliose durch einen einzelnen Halbwirbel ist die Resektion des Halbwirbels und eine kurze Fusion die Standardbehandlung. Die Methode korrigiert die Verkrümmung effektiv, aber die Komplikationsrate ist bei jungen Patienten höher.
Hybride Technik
Bei schweren Verkrümmungen kann eine Kombination aus Osteotomie, kurzer Fusion und wachsenden Stäben eingesetzt werden. Diese Methode verbessert die Korrektur und reduziert das Risiko von Implantatversagen.
Komplikationen
Die Behandlung von EOS ist mit einem hohen Risiko für Komplikationen verbunden. Dazu gehören Implantatversagen, Infektionen, Wundheilungsprobleme und neurologische Schäden. Das Risiko hängt von Faktoren wie dem Alter des Patienten und der gewählten Methode ab.
Fazit
Die Behandlung von frühkindlicher Skoliose erfordert ein individuelles Vorgehen. Konservative Methoden können in einigen Fällen ausreichen, aber oft ist eine Operation notwendig. Die Wahl der Methode hängt von der Art der Verkrümmung und den Bedürfnissen des Patienten ab. Trotz der Risiken bieten neue Techniken Hoffnung auf bessere Ergebnisse.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000614