Frühe Lungenrehabilitation auf der Intensivstation: Was wissen wir und wie wird es in China umgesetzt?
Patienten auf der Intensivstation (ICU) leiden oft unter schwerwiegenden Folgen wie eingeschränkter Bewegungsfähigkeit und verminderter Lebensqualität. Kann frühe Lungenrehabilitation (PR) hier Abhilfe schaffen? Eine landesweite Umfrage in China aus dem Jahr 2019 gibt Einblicke in das Bewusstsein und die Umsetzung dieser wichtigen Maßnahme.
Frühe Lungenrehabilitation in der ICU zielt darauf ab, das Auftreten des sogenannten Post-ICU-Syndroms zu reduzieren, die Anzahl der Tage ohne Beatmungsgerät zu erhöhen, die funktionelle Kapazität wiederherzustellen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Obwohl PR in der ICU als äußerst wirksam gilt, gibt es in China nur begrenzte Daten zur Umsetzung dieser Maßnahmen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 untersuchte daher das Bewusstsein und die Anwendung früher PR in Krankenhäusern mit spezialisierten Abteilungen für Lungen- und Intensivmedizin (PCCM).
Die Umfrage wurde von einem multidisziplinären Team entwickelt, das Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Experten für klinische Forschung umfasste. Es wurden zwei Versionen des Fragebogens erstellt: eine für Abteilungsleiter und eine für das allgemeine medizinische Personal. Die Fragen beinhalteten Qualitätskontrollen zu den Prinzipien und Kontraindikationen früher PR. Nur Mitarbeiter, die mit PR vertraut waren, konnten die Fragen korrekt beantworten und zur nächsten Frage übergehen. Die Umfrage wurde über eine Online-Plattform und WeChat-Links an medizinisches Personal in ganz China verteilt. Insgesamt nahmen 1.537 Personen aus 407 Krankenhäusern teil, darunter 110 ICU-Leiter.
Die Ergebnisse zeigten, dass 83,6% der ICUs PR durchführten, und 62,7% davon setzten frühe PR bei schwer kranken Patienten ein. Von den befragten Personen hatten 62,9% bereits frühe Rehabilitationsmaßnahmen bei Patienten durchgeführt. Pflegekräfte waren am häufigsten beteiligt (94,1%), gefolgt von Ärzten (92,3%) und Angehörigen (37,3%).
Obwohl 95,0% der Teilnehmer von PR gehört hatten, kannten nur 55,5% die genauen Details. Ähnlich verhielt es sich mit der frühen PR: 85,0% hatten davon gehört, aber nur 47,9% wussten, worum es genau ging. Atmungstherapeuten hatten das höchste Bewusstsein für die Details früher PR (74,4%). Die Hauptquellen des Wissens waren Schulungen in der Abteilung (82,5%), die Teilnahme an Konferenzen (68,7%), Online-Lernen (37,6%), Kurzkurse (31,3%) und die Ausbildung in der Schule (8,7%).
Es gab jedoch eine Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen und der tatsächlichen Beteiligung der medizinischen Mitarbeiter an PR-Programmen. Beispielsweise glaubten 96,5% der Teilnehmer, dass Atmungstherapeuten in die frühe PR einbezogen werden sollten, aber nur 79,7% waren tatsächlich beteiligt. Frauen waren weniger wahrscheinlich an früher Rehabilitation beteiligt als Männer (OR = 0,53), und Personen im Alter von 36 bis 45 Jahren waren eher beteiligt als jüngere Kollegen (OR = 2,28). Atmungstherapeuten führten häufiger frühe Rehabilitation durch als Ärzte (OR = 5,39), und Mitarbeiter in allgemeinen ICU-Abteilungen waren eher beteiligt als solche in Lungenfachabteilungen (OR = 2,44). Teilnehmer mit höheren Berufsbezeichnungen führten ebenfalls häufiger frühe Rehabilitation durch als jüngere Kollegen (OR = 2,38).
ICU-Leiter nannten mehrere Gründe, warum PR nicht durchgeführt wurde, darunter Personalmangel (14/18), fehlende Fachkenntnisse (11/18), unzureichende Schulungen (10/18) und mangelnde Ausrüstung (7/18). Die Studie zeigte auch, dass die Rate der frühen PR bei schwer kranken Patienten in Krankenhäusern der höchsten Versorgungsstufe (65,3%) höher war als in Krankenhäusern der mittleren Versorgungsstufe (41,7%). Dies stellt eine deutliche Steigerung gegenüber einer Umfrage aus dem Jahr 2016 dar, die Raten von 12,2% bzw. 6,0% berichtete.
Trotz dieser Fortschritte besteht weiterhin eine Lücke zwischen der PR-Situation in China und der internationalen Praxis. Beispielsweise zeigte eine Umfrage aus den USA aus dem Jahr 2015, dass frühe Rehabilitation in 45% der ICUs eingesetzt wurde, mit Nutzungsraten von 39% in kleinen, 40% in mittleren und 58% in großen Krankenhäusern. Die Studie betont die Notwendigkeit einheitlicher Standards und Richtlinien für frühe PR, da die derzeitigen Praktiken eher auf den Erfahrungen des medizinischen Personals als auf etablierten Protokollen basieren.
Die Studie räumt einige Einschränkungen ein, darunter eine mögliche Verzerrung bei der Auswahl der Teilnehmer und eine begrenzte Stichprobengröße, die sich auf Krankenhäuser mit PCCM-Zertifizierung beschränkte. Dennoch liefert sie wertvolle Einblicke in das Bewusstsein und die Umsetzung früher PR bei schwer kranken Patienten in PCCM-Abteilungen in China. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dringend Maßnahmen erforderlich sind, um das Bewusstsein für PR zu schärfen, Personalmangel und Ausrüstungsdefizite zu beheben und Richtlinien zur Förderung und Entwicklung von PR-Programmen zu entwickeln.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Bewusstsein und die Umsetzung von PR in China in den letzten Jahren verbessert haben, aber erhebliche Herausforderungen bestehen bleiben. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert mehr Personal, bessere Schulungen und die Entwicklung standardisierter Richtlinien. Diese Studie bietet eine theoretische Grundlage für die Entwicklung von PR-Richtlinien und unterstreicht die Bedeutung früher PR für die Verbesserung der Patientenversorgung auf der Intensivstation.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002345
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