Fortschritte in der gezielten Therapie und Immuntherapie bei Speiseröhrenkrebs
Speiseröhrenkrebs ist eine der aggressivsten Krebsarten des Verdauungssystems. Weltweit liegt er an siebter Stelle bei den Krebsneuerkrankungen und an sechster Stelle bei den krebsbedingten Todesfällen. Die beiden Haupttypen sind Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre (häufig in Osteuropa, Asien und Afrika) und Adenokarzinom der Speiseröhre (verbreitet in westlichen Ländern). Über 50 % der Patienten werden erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, da frühe Symptome oft unspezifisch sind. Dies führt zu einer schlechten Prognose. Traditionelle Behandlungen wie Operationen, Chemotherapie und Strahlentherapie bleiben wichtig, aber Fortschritte in der gezielten Therapie und Immuntherapie haben die Behandlung revolutioniert.
Gezielte Therapie bei Speiseröhrenkrebs
Hemmung der EGFR/HER2-Signalwege
EGFR-Hemmer
Der epidermale Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) fördert das Zellwachstum und Überleben. Eine Überexpression von EGFR tritt bei 30–90 % der Speiseröhrenkrebsfälle auf, besonders beim Plattenepithelkarzinom.
- Nimotuzumab: Dieser Antikörper gegen EGFR verbessert die Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie. In einer Studie zeigte die Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie eine höhere Ansprechrate.
- Cetuximab: Dieser Antikörper zeigte gemischte Ergebnisse. In einigen Studien verbesserte er das Überleben, in anderen nicht.
- Gefitinib und Icotinib: Diese Medikamente hemmen EGFR. Sie zeigten in bestimmten Untergruppen von Patienten Potenzial, aber nicht bei allen.
HER2-Hemmer
HER2 ist ein wichtiger Treiber beim Adenokarzinom der Speiseröhre.
- Trastuzumab: Dieses Medikament verbesserte das Überleben bei HER2-positivem Magen- und Speiseröhrenkrebs.
- Pertuzumab und Lapatinib: Diese Medikamente zeigten in Studien keine signifikanten Vorteile.
Hemmung der VEGF/VEGFR-Signalwege
Die Bildung von Blutgefäßen (Angiogenese) ist wichtig für das Tumorwachstum.
- Endostar und Apatinib: Diese Medikamente verbesserten die Ergebnisse bei Speiseröhrenkrebs in Kombination mit Chemotherapie.
- Bevacizumab und Ramucirumab: Ramucirumab zeigte Vorteile bei der Behandlung von fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs.
Hemmung der HGF/c-MET-Signalwege
Dieser Signalweg fördert die Ausbreitung von Krebszellen.
- Rilotumumab und Onartuzumab: Diese Medikamente zeigten in Studien keine Vorteile.
- Tivantinib: Dieses Medikament verlängerte das progressionsfreie Überleben in einer Studie.
Immuntherapie bei Speiseröhrenkrebs
PD-1/PD-L1-Hemmer
Therapien für Plattenepithelkarzinom
- Pembrolizumab: Dieses Medikament verbesserte das Überleben im Vergleich zur Chemotherapie.
- Nivolumab: Kombiniert mit Chemotherapie oder einem anderen Medikament verbesserte es das Überleben.
- Camrelizumab, Sintilimab und Toripalimab: Diese Medikamente zeigten in Studien Vorteile.
Therapien für Adenokarzinom
- Durvalumab: Dieses Medikament verbesserte das krankheitsfreie Überleben nach einer Kombinationstherapie.
CTLA-4-Hemmer
- Ipilimumab: Kombiniert mit Nivolumab verbesserte es das Überleben.
- Tremelimumab: Kombiniert mit Durvalumab und Chemo-Strahlentherapie verlängerte es das Überleben.
Kombinationstherapien
Immuntherapie mit gezielter Therapie
- Pembrolizumab und Ramucirumab: Diese Kombination zeigte Sicherheit und Wirksamkeit.
- Camrelizumab und Apatinib: Diese Kombination zeigte vielversprechende Ergebnisse.
Immuntherapie mit Chemotherapie/Strahlentherapie
- Neoadjuvante Immuntherapie: Kombinationen mit Chemotherapie zeigten hohe Ansprechraten.
Aktuelle Richtlinien und zukünftige Entwicklungen
Gezielte Therapien wie Trastuzumab und Ramucirumab sind jetzt Standard in den Behandlungsrichtlinien. Immuntherapien, insbesondere PD-1-Hemmer, werden für bestimmte Patienten empfohlen. Die Forschung konzentriert sich auf die Verbesserung der Wirksamkeit und die Reduzierung von Nebenwirkungen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002768
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